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07.01.2016

14:41 Uhr

Schüsse in Paris

Angst vor neuem Terrorakt

Die Pariser Polizei verhindert am Jahrestag der „Charlie Hebdo“-Anschläge einen neuen Angriff. Beamte erschießen vor einem Kommissariat einen bewaffneten Mann. Die Staatsanwaltschaft leitet Terror-Ermittlungen ein.

Ein mit einem Metzgerbeil bewaffneter Mann wollte heute in eine Pariser Polizeiwache eindringen. Die Sicherheitskräfte erschossen ihn. dpa

Polizisten in Paris

Ein mit einem Metzgerbeil bewaffneter Mann wollte heute in eine Pariser Polizeiwache eindringen. Die Sicherheitskräfte erschossen ihn.

ParisAm Jahrestag des Anschlags auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ hat ein Angreifer ein Polizeirevier in Paris attackiert. Polizisten erschossen am Donnerstag den Mann, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit einem Metzgerbeil bewaffnet war und „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) schrie. Nach dem Fund eines Bekennerschreibens mit einer Fahne der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) wurden Terror-Ermittlungen eingeleitet.

Der Angriff ereignete sich vor einem Polizeirevier in einem Problemviertel im nördlichen 18. Pariser Bezirk, das unweit des Touristenviertels Montmartre liegt. „Ein Mann hat am Donnerstagmorgen versucht, am Empfang des Kommissariats einen Polizisten anzugreifen, bevor er von Schüssen der Polizisten getroffen wurde“, sagte ein Sprecher des französischen Innenministeriums der Nachrichtenagentur AFP.

Angriff auf Polizeiwache

Pariser Polizei erschießt bewaffneten Mann

Angriff auf Polizeiwache: Pariser Polizei erschießt bewaffneten Mann

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Die Pariser Staatsanwaltschaft erklärte, der Mann habe eine Sprengstoff-Attrappe getragen, ein Metzgerbeil bei sich gehabt und „Allahu Akbar“ geschrien. Er wurde von den wachhabenden Polizisten erschossen.

Bei ihm wurde später ein Blatt Papier mit der „IS-Fahne und einem handschriftlichen, eindeutigen Bekennerschreiben in arabischer Sprache“ gefunden, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Genauere Angaben zum Inhalt dieses Schreibens machte die Ermittlungsbehörde aber nicht. Die Identität des Mannes war zunächst unklar. Ermittelt wird nun wegen Mordversuchs gegen Polizisten im Zusammenhang mit einem Terrorvorhaben.

Zunächst wurde vermutet, der Mann trage einen Sprengstoffgürtel. Sprengstoffexperten untersuchten den leblos vor dem Polizeirevier liegenden Angreifer mit Hilfe eines ferngesteuerten Roboters - und gaben dann Entwarnung. Der Mann habe unter seiner Jacke eine festgeklebte Tasche getragen, aus der ein Draht herausgekommen sei, sagte ein Justizvertreter. Sprengstoff habe sich dort aber nicht befunden.

„Charlie Hebdo“ – So reagierten Europas Rechtspopulisten

Rechtspopulisten reagieren

Mitten in die Trauer um die Toten des Anschlags auf die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ in Frankreich mischten sich im Januar schnell erste Stimmen von Europas Rechtspopulisten. Ähnlich wie die AfD in Deutschland fühlten sich rechte Parteien in ganz Europa durch den Terror in ihrer islamkritischen oder gar islamfeindlichen Weltsicht bestätigt. Ein Überblick.

Deutschland

Die AfD wertete den Anschlag umgehend als Bestätigung für ihre Forderung nach „gesteuerter Zuwanderung“ gemäß kanadischem Vorbild. Der stellvertretende Parteichef Hans-Olaf Henkel beklagte, „dass eine ehrliche Diskussion über die Auswüchse des Islam nur in Deutschland mit einem Tabu belegt“ sei. Er fügte hinzu: „Es ist dann auch kein Wunder, dass viele unserer Mitbürger diffuse Ängste vor dem Islam haben, ohne diese wirklich begründen zu können.“ Andere Politiker der Alternative für Deutschland (AfD) sahen in dem Terrorangriff eine Rechtfertigung für die Kundgebungen der Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“).

Niederlande

Der Rechtspopulist Geert Wilders, der schon 2008 den Koran als ideologische Basis der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA bezeichnet hatte, legte direkt nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ auf der Website seiner Partei für die Freiheit (PVV) nach: „Es ist der Islam, der immer wieder die Mörder inspiriert. Es ist Mohammed, es ist der Koran – das ist das Problem.“ Die Immigration aus muslimischen Ländern solle gestoppt, alle Dschihadisten müssten ausgewiesen und die Grenzen geschlossen werden. Die Armee solle eingesetzt werden, um Straßen, Einkaufszentren und Bahnhöfe zu schützen. „Wir müssen unser Land de-islamisieren“, forderte Wilders.

Italien

Die Rechts-Partei Lega Nord benutzte das Attentat für scharfe Angriffe auf den Papst – und löste damit Entrüstung in Italien aus. Franziskus, der den interreligiösen Dialog mit dem Islam fördert, erweise den Katholiken damit keinen Dienst. „Frieden ist okay, aber Du bist der Sprecher der Katholiken, Du solltest dir um die Sorgen machen, die Dich vernichten wollen“, sagte Parteichef Matteo Salvini. „Das ist ein richtiger Krieg – mit Toleranz und Gutmenschentum zu antworten, ist deshalb Selbstmord.“

Griechenland

Die rechtsextremistische Partei Goldene Morgenröte giftete gegen Frankreichs Präsidenten François Hollande und andere europäische Regierungen. „Der Sozialisten-Schürzenjäger Hollande erntet die Saat seiner Nahost-Politik“, schrieb die Partei auf ihrer Homepage. Die europäischen Bürger lebten alltäglich mit der Angst, von den „Islam-Banditen“ getötet zu werden, „die ihre eigenen Regierungen großgezogen haben“. „Die Speerspitze, die den islamistischen Terror gefördert hat, sind Frankreich, Deutschland und Großbritannien.“ Sie hätten mit ihren Angriffen in Libyen und Syrien den Terror ausgelöst.

Großbritannien

Die rechtspopulistische Ukip zog wie die AfD in Deutschland den Vorwurf auf sich, den Anschlag von Paris für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Parteichef Nigel Farage sagte Channel 4, in westlichen Ländern gebe es eine „fünfte Kolonne“, die westliche Werte unterwandere. „In diesen Ländern leben Leute, die unseren Pass haben, die uns hassen.“ Es seien zwar nur sehr, sehr wenige, „aber es stellt den ganzen, wirklich widerlichen Versuch infrage, die Spaltung innerhalb unserer Gesellschaft zu fördern, den wir in den vergangenen Jahrzehnten im Namen des Multikulturalismus hatten“.

Schweden

Ein Parteimitglied der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, Björn Söder, schrieb auf Facebook: „Die Religion des Friedens“ zeigt ihr wahres Gesicht“ – ein Kommentar, für den er reichlich Medienschelte kassierte. Fraktionschef Mattias Karlsson bezeichnete den Angriff als eine „Attacke auf ganz Europa“.

Dänemark

Für die Rechtspopulisten „besteht kaum Zweifel daran, dass der Angriff auf das Blatt geschehen ist, um die Meinungsfreiheit zu unterdrücken, und dass er religiös begründet ist“, schrieb der Chef der Dansk Folkeparti, Kristian Thulesen Dahl, auf Facebook.

Tschechien

Die populistische und ausländerfeindliche Splitterpartei Morgenröte der direkten Demokratie zeigte sich in ihrer Kritik am Islam bestätigt. „Ich werde alles tun, damit diese hasserfüllte und überhebliche Ideologie bei uns keine Wurzeln schlägt“, erklärte ihr Vorsitzender Tomio Okamura. Der Parlamentsabgeordnete tschechisch-japanischer Abstammung hatte erst vor wenigen Tagen zu einem Geschäftsboykott aufgerufen. „Jeder gekaufte Kebab ist nur ein weiterer Schritt hin zu Burkas.“

Österreich

Der Vorsitzende der rechten FPÖ, Heinz-Christian Strache, gab seine anfängliche Zurückhaltung auf. „Mit der herrschenden Vogel-Strauß-Politik gegenüber dem radikalen Islam muss spätestens seit dem gestrigen Anschlag in Paris endgültig Schluss sein.“ Tags zuvor hatte er noch verhaltener geklungen: „Mein ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer dieses entsetzlichen Verbrechens. (...) Es handelt sich hier um einen brutalen Anschlag auf die freie Meinungsäußerung und auf die Werte der demokratischen Welt.“

Schweiz

Die national-konservative Volkspartei (SVP) reagierte insgesamt zurückhaltend. Der SVP-Parlamentsabgeordnete Walter Wobmann erregte allerdings mit einer drastischen Forderung Aufsehen: Die Schweiz solle keine islamischen Asylbewerber aus dem Irak und aus Syrien mehr aufnehmen. Denn auf diese Art könnten sich Terroristen einschleusen. Es gebe genügend Verfolgte anderer Religionen, die Schutz bräuchten, und denen die Schweiz auch Schutz gewähren sollte, zitierte ihn die Tageszeitung „Blick“.

„Meine Schwester hat einen Mann auf das Kommissariat zurennen sehen“, schilderte eine Nachbarin den Angriff. „Draußen waren zwei Polizisten. Sie haben geschrien und dann geschossen.“ Der Koch eines naheliegenden Restaurants sagte der AFP, er habe „zwei oder drei Schüsse“ gehört. „Wir sind auf den Bürgersteig rausgegangen, um zu schauen. Da lag ein Mann auf dem Boden.“

Unmittelbar nach dem Angriff forderte die Polizei Passanten zunächst auf, sich in Sicherheit zu bringen, Geschäfte in der Umgebung ließen ihre Rollläden herunter. Die Rue de la Goutte d'Or, in der sich das Polizeirevier befindet, wurde weiträumig abgeriegelt, die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Der Verkehr auf dem nahe gelegenen Boulevard Barbès wurde unterbrochen, ebenso der U-Bahn-Verkehr in dem Gebiet.

Schüler von zwei nahegelegenen Schulen durften die Gebäude zunächst nicht verlassen. Innenminister Bernard Cazeneuve begab sich zusammen mit dem Pariser Polizeipräfekten Michel Cadot zum Kommissariat.

Charlie Hebdo: Jahrestag des Terrors: Hollande würdigt getötete Polizisten

Charlie Hebdo: Jahrestag des Terrors

Hollande würdigt getötete Polizisten

Die drei Beamten seien „gestorben, damit wir in Freiheit leben können“, sagte Frankreichs Staatschef heute bei einer Gedenkfeier.

Der Angriff ereignete sich auf den Tag genau ein Jahr nach der islamistischen Attacke auf „Charlie Hebdo“ mit zwölf Toten und zum gleichen Zeitpunkt, an dem Frankreichs Staatschef François Hollande in der Pariser Polizeipräfektur der bei den Attacken vom Januar 2015 getöteten Polizisten gedachte. In Frankreich herrscht insbesondere nach den Anschlägen vom 13. November mit 130 Toten Angst vor weiteren Attacken.



Von

afp

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