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26.06.2011

16:41 Uhr

Schulden

BIZ warnt vor einer globalen Finanzkrise

Europa kämpft in Griechenland um die Stabilität des Euro. Doch die Griechen sind längst nicht das einzige Land, dessen Haushalt aus dem Ruder gelaufen ist. Ökonomen warnen von einer neuen globalen Krise.

Sollten die Anleger ihr Vertrauen in eine Währung mit globaler Relevanz verlieren, droht eine weltweite Krise. Quelle: Reuters

Sollten die Anleger ihr Vertrauen in eine Währung mit globaler Relevanz verlieren, droht eine weltweite Krise.

BaselDie bislang auf einige Länder der Eurozone begrenzte Schuldenkrise kann nach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zum Auslöser einer weitaus größeren Finanzkrise werden. Sollte die Politik die hinter den Schwierigkeiten Griechenlands und anderer Staaten liegenden Probleme nicht anpacken, sei eine Katastrophe denkbar, warnt die auch Bank der Zentralbanken genannte BIZ in ihrem am Sonntag in Basel veröffentlichten Jahresbericht. „Um es klar zu sagen: Die Marktturbulenzen rund um die Schuldenkrise in Griechenland, Irland und Portugal sind nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was bevorstünde, wenn die Anleger ihr Vertrauen in die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen einer großen Volkswirtschaft verlieren würden.“ 

Notwendig seien beherzte Maßnahmen „gegen die übermäßige Verschuldung des privaten wie auch des öffentlichen Sektors, um eine solide Grundlage für ein hohes, ausgewogenes reales Wachstum und ein stabiles Finanzsystem zu schaffen“, heißt es in dem Bericht. Dazu müssten die Staatsdefizite in den von der Krise am stärksten betroffenen Ländern unverzüglich und entschieden abgebaut werden. Dass rigorose Sparmaßnahmen wie in Griechenland die Konjunktur belasten oder gar zu einer Rezession führen können, lässt die BIZ nicht als Gegenargument gelten: „Das größte Risiko ist nicht „zu viel zu früh' zu tun, sondern 'zu wenig zu spät.“ 

Mit Blick auf die europäischen Schuldenstaaten, aber auch die mit der Überschuldung ringenden USA, warnte die BIZ vor einem plötzlichen Vertrauensentzug durch die Investoren an den internationalen Finanzmärkten. Die Vergangenheit zeige, dass dies oft sehr plötzlich passiere: „Dies bedeutet, dass Staaten, die die Behebung ihrer fiskalischen Probleme auf die lange Bank schieben, Gefahr laufen, ebenso plötzlich wie hart abgestraft zu werden.“ Die dann nötigen Konsolidierungsmaßnahmen seien meist weit umfangreicher, schwieriger und schmerzhafter, als wenn rechtzeitig vorgesorgt worden wäre. 

Außerdem fordert die BIZ, die Politik des billigen Geldes zu beenden und die Zinsen zu erhöhen. „Die Geldpolitik weltweit muss weiter gestrafft werden, um den Inflationsdruck einzudämmen, Risiken für die Finanzstabilität abzuwenden und die mühsam erworbene Glaubwürdigkeit der Zentralbanken im Hinblick auf die Inflationsbekämpfung zu bewahren“, schreibt die in Basel ansässige, auch als Bank der Zentralbanken bezeichnete BIZ in ihrem am Sonntag veröffentlichten Jahresbericht. 

Sollten die Zinsen wegen der Schuldenkrise in Europa oder der nur zögerlichen Wirtschaftserholung nach der Krise wie in den USA oder Großbritannien extrem niedrig bleiben, drohe eventuell eine neue Krise. Zu bedenken sei vor allem, dass die Zinspolitik wegen der Krisenmaßnahmen in Wahrheit noch lockerer sei als es das Leitzinsniveau anzeige. 

„Der gegenwärtige lockere Kurs der Geldpolitik bestärkt daher die Befürchtung, dass die Preisstabilität bedroht ist. Gleichzeitig kann er den erneuten Aufbau von Risiken für die Finanzstabilität begünstigen. Vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften besteht die Gefahr, dass sich ähnliche finanzielle Ungleichgewichte bilden wie in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften im Vorfeld der globalen Krise.“ In einigen Schwellenländern gebe es bereits Anzeichen dafür, warnten die Baseler Ökonomen.

Kommentare (4)

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Fiat-Money

26.06.2011, 17:00 Uhr

Totsparen soll der Ausweg sein?
Ich glaube es einfach nicht, das diese sogenannten „Experten“ daran wirklich glauben.
Euer beschiessenes Schuldgeldsystem ist nach knapp 80 Jahren mal wieder am Ende angekommen. Ein Reset, bedeutet ein Schuldenschnitt durch eine Währungsreform ist unausweichlich. Jeder weiß es, wenn man die expotenzielle Verschuldung der westlichen Industriestaaten ansieht und die gleichzeitige Zinsexplosion der Kapitalgeber betrachtet. Niemand kann diese Zinsen mehr bedienen geschweige denn real erwirtschafen.
Wir sitzen alle in der Anleihen-Schuldenfalle, der eine geht eben früher pleite, der andere später.
Das Geldsystem muss umgebaut werden, Fiat-Money hat ausgedient, weil es alle 70-80 Jahre in der Katastrophe enden muss.

BIZZY

26.06.2011, 17:07 Uhr

Gut das wir so fähige experen haben, die uns rechtzeitig vor Krisen warnen, um weiteren Schaden abzuwenden. Außerdem hat die Politik für den im Artikel beschriebenen Supergau schon längst vorgebaut. Für den Fall, dass es auch ein Land wie Deutschland treffen sollte steht der argumentative Schutzschild der Politiker ja schon: Selbstverständlich wären auch dafür die unsoliden Südländer schuld, die durch "Ansteckungseffekt!?!" die solide haushaltenden mit in den Abgrund gerissen haben. Es ist halt immer leichter die Schuld bei anderen zu suchen, als vor der eigenen Haustüre zu kehren. Die Griechen bluten schon für den Mist, den ihre Politiker im Land angerichet haben und werden darunter auch für eine sehr lange Zeit in der Zukunft leiden. Aber deswegen müssen sie nicht die Verantwortung für die Unfähigkeit der Politiker in Resteuropa und die dortigen Haushaltsdefizite tragen, die es schon vor der Krise in beachticher Höhe gab.

Stefan-L-Eichner

26.06.2011, 23:20 Uhr

Es ist gut, dass die BIZ explizit alle Schuldenstaaten anspricht und insbesondere die wirklich großen Schuldensünder, insbesondere die USA. So wird immerhin in der Öffentlichkeit gerade gerückt, dass es nicht ein kleines, 11-Millionen-Einwohner-Land, mit 330 Mrd Euro Schulden (Ende 2010) ist, das das Finanzsystem ins Wanken bringt. Die USA sind ein viel bedenklicherer Schuldensünder, mit ihren offiziell 14.300 Milliarden Dollar Schulden, wobei in diesem Betrag noch nicht einmal die Schulden der US-Bundesstaaten enthalten sind, die in einer ganzen Reihe von Fällen prekäre Ausmaße angenommen haben.

Und dann wären da auch noch die Finanzmarktakteure, bei denen wieder erhebliche Risiken aufgelaufen sein dürften, die dank der von den Politikern getroffenen Vorkehrungen zur Vermeidung einer neuen Finanzmarktkrise entstehen konnten und die aus demselben Grund auch wieder niemand wirklich kennt oder realistisch einschätzen kann.

Da bleibt am Ende der Eindruck, dass jetzt so viele lautstark vor einer neuen Krise warnen, um vom eigenen Versagen abzulenken und jetzt die letzte Gelegenheit dazu ist, weil es längst schon wieder zu spät ist, um sie abzuwenden.

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