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14.08.2014

02:29 Uhr

Schulden-Streit

Argentinien und die „Geier“ streiten ohne Ende

Der Streit zwischen Argentinien und den Hedgefonds Aurelius und Elliott Management findet kein Ende. Es gebe keine ernst gemeinten Lösungsvorschläge, um die Schulden des Landes zu begleichen, heißt es.

Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner: Der Konflikt des Landes mit den Hedgefonds führte zur Zahlungsunfähigkeit. dpa

Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner: Der Konflikt des Landes mit den Hedgefonds führte zur Zahlungsunfähigkeit.

New YorkIm argentinischen Schuldendrama schwindet die Hoffnung auf eine Lösung weiter. Zuletzt hatten private Banken mit den klagenden Hedgefonds einen Ausweg gesucht, doch auch diese Gespräche sind gescheitert. Das teilte Aurelius Capital, einer der Fonds, am Mittwochabend (Ortszeit) in New York mit.

„Es gibt keine realistische Aussicht auf eine private Lösung - wir haben keine auch nur annähernd akzeptablen Vorschläge erhalten“, heißt es in dem Statement, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Aurelius hatte an der Seite von Elliott Management vor US-Gerichten die Rückzahlung von Forderungen über 1,3 Milliarden Dollar plus aufgelaufenen Zinsen von Argentinien erstritten. Elliott war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Staatspleiten sind die Regel

Argentinien

Jahr der Unabhängigkeit: 1816

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit* 1800: 32,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

*Die Berechnungen der Länder, die vor 1800 unabhängig wurden, sind von 1800-2006.

Quellen: Berechnungen von Flossbach und Vorndran (2012), sowie Standard & Poor's, Purcell und Kaufmann (1991), Reinhart, Rogoff und Savastano (2003) und darin zitierte Quellen.

Australien

Jahr der Unabhängigkeit: 1901

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Brasilien

Jahr der Unabhängigkeit: 1822

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 25,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 9

Deutschland

Jahr der Unabhängigkeit: 1618

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 13 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Finnland

Jahr der Unabhängigkeit: 1917

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Frankreich

Jahr der Unabhängigkeit: 943

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Griechenland

Jahr der Unabhängigkeit: 1829

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 50,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Großbritannien

Jahr der Unabhängigkeit: 1066

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Italien

Jahr der Unabhängigkeit: 1569

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 3,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Kolumbien

Jahr der Unabhängigkeit: 1819

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 36,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Mexiko

Jahr der Unabhängigkeit: 1821

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 44,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Niederlande

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 6,3 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Norwegen

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Österreich

Jahr der Unabhängigkeit: 1282

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 17,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Portugal

Jahr der Unabhängigkeit: 1139

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 10,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 3

Russland

Jahr der Unabhängigkeit: 1457

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 39,1 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Schweden

Jahr der Unabhängigkeit: 1523

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Spanien

Jahr der Unabhängigkeit: 1476

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 23,7 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 13

Türkei

Jahr der Unabhängigkeit: 1453

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 15,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 6

USA

Jahr der Unabhängigkeit: 1783

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: Als Folge der Wirtschaftskrise von 1837 stellten acht amerikanische Bundesstaaten ihre Zahlungen ein. Mehr als 100 Banken gingen in daraufhin Pleite. Knapp 150 Jahre schlingert die US-Wirtschaft wieder: Am 15. August 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon die sofortige Aufhebung der Dollar-Konvertierbarkeit in Gold, also die Aufhebung der Verpflichtung der USA, jederzeit Dollar in eine bestimmte Menge Gold umzutauschen. Diese auch als Nixon-Schock bekannte Ankündigung bedeutete faktisch die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Zahlungsunwilligkeit, da die Aufhebung einseitig und unter Bruch bestehender Abmachungen (Bretton-Woods-System) erfolgte.

Venezuela

Jahr der Unabhängigkeit: 1830

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 38,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 10

Der Konflikt um Altschulden aus der Staatspleite von Ende 2001 hatte Argentinien Ende Juli in die Zahlungsunfähigkeit befördert. Das Land darf laut Richterspruch andere Gläubiger nicht bedienen, solange es die Schulden bei den Hedgefonds nicht beglichen hat. Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner hatte die Fonds als „Aasgeier“ bezeichnet.

Internationale Großbanken hatten zuletzt nach Investoren gesucht, die den Hedgefonds die strittigen Anleihen abkaufen sollten. Unter anderem soll der argentinische Milliardär Eduardo Eurnekian kontaktiert worden sein.

Zuvor war bereits ein Rettungsplan gescheitert, bei dem argentinische Geldhäuser und die Zentralbank sich um die Anleihen bemüht hatten.

Laut Aurelius handelte es sich nicht um ernst gemeinte Lösungsvorschläge. Deshalb dürften weitere Zahlungen ausfallen. „Wir fürchten, das Schlimmste steht noch bevor“, heißt es in der Stellungnahme des New Yorker Hedgefonds.

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dpa

Kommentare (3)

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Herr Teito Klein

14.08.2014, 08:35 Uhr

Keine Einigung mit den "Geierfonds"
-----------
Sie hatten ursprünglich die Anleihen günstig gekauft und sich nicht am Schuldenschnitt beteiligt.
Jetzt fordern sie den Rückkauf zum Nominalkurs plus Zinsen. Das aber lehnt Argentinien ab.
Ein US-Gericht aber gab den "Geierfonds" recht.

Herr Rene Weiß

14.08.2014, 09:00 Uhr

Ach, und der "argentinische Milliardär Eduardo Eurnekian" ist nicht blöd genug, 1,3 Mrd. zu blechen und dann auf die Rückzahlung zu verzichten. Is ne Überraschung...
So sind die Sozialisten, erst sollen andere ihnen Geld geben, wenns an die Rückzahlung geht, sind es "Geierfonds".
Ich leihe mir demnächste für ein Einfamlienhaus Geld von Argentinien. Wenn ich das zurückzahlen muss, ist Argentinien kurzerhand ein "Geierland" und ich weigere mich.

Herr Friedhelm Franz

14.08.2014, 09:06 Uhr

Es ist bemerkenswert, wie irritiert die Welt mittlerweile auf die ehemalige Selbstverständlichkeit reagiert, dass Schulden beglichen werden müssen. Die hartnäckig-konsequenten Zahlungsaufforderungen an Argentinien sind doch eigentlich ein verblüffender Rest gesunder Wirtschaftsauffassung - ganz im Gegensatz zu den üblich gewordenen völlig unseriösen Gelddruckgewohnheiten und Zinsmanipulationen. Insofern kann man dies Aufblitzen alter vernünftiger Bräuche auch als notwendiges positives Signal werten.

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