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26.04.2012

14:12 Uhr

Schulden und Fußball nähren Frust

Die Demütigung der stolzen Spanier

VonAnne Grüttner

Die Schuldenkrise in Spanien greift auf den sportlichen Stolz des Landes über. Wie seine Fußballclubs ist auch das Land nicht mehr das Vorzeige-Objekt Europas. Bei beiden Aspekten spielt Deutschland eine besondere Rolle.

Jetzt sucht die Krise auch noch Spaniens Fußball heim: Madrilene Cristiano Ronaldo nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale. Reuters

Jetzt sucht die Krise auch noch Spaniens Fußball heim: Madrilene Cristiano Ronaldo nach dem Aus im Champions-League-Halbfinale.

MadridFußball ist Fußball und Schuldenkrise ist Schuldenkrise. Sollte man meinen. Doch für die Spanier verdichtet sich derzeit alles zu einer einzigen großen Pechsträhne, zu einer enormen Frustration. „Europa richtet Real Madrid“, titelt heute die Zeitung „El Periodico“, darunter ein Foto des Real-Madrid-Stürmers Cristiano Ronaldo, wie er sein Gesicht verzweifelt mit den Händen bedeckt.

In der Tat droht die Welt, wie die Spanier sie bisher erlebten, derzeit an allen Ecken und Enden einzubrechen. Sie waren das Erfolgsmodell der EU, sie wurden respektiert und bewundert für ihren Wirtschaftsaufschwung, ihre Unternehmen wie Telefonica (O2), Inditex (Zara), Banco Santaner oder Repsol zogen in die Welt und feierten dort Erfolge. Und der Sport war die Krönung des ganzen. Die spanische Nationalelf galt spätestens seit dem WM-Sieg 2010 als unschlagbar, ganz Europa schwärmte von den Spitzenclubs Real Madrid und Barca und deren Stars.

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Sportlich sonnen sich Spaniens Klubs im Erfolg. Doch der ist auf Pump finanziert. Die Situation ist absurd: Während die Regierung einen harten Sparkurs fährt, leihen sich die Vereine vom Steuerzahler Milliarden.

Von alledem, so scheint es heute vielen Spaniern, ist nur noch wenig übrig. Spanien steht am Pranger in der EU. Das Wort „Risikoprämie“, also die Zinsaufschläge der spanischen, zehnjährigen Referenzanleihen gegenüber dem entsprechenden deutschen Papier, geistert durch die Nachrichten und die privaten Gespräche der Spanier, die meisten wissen nur so halb, wie diese Kennzahl eigentlich zustande kommt, aber so viel wissen alle: Ihr Anstieg ist bedrohlich und könnte zum Schlimmsten führen. Zur Intervention durch Europa.

Spaniens Reformen

Umgesetzte Maßnahmen

• Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre
• Kürzungen bei Gesundheit und Bildung z.B. Kürzung der staatlichen Krankenversicherung für Medikamente
• Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 18% und des reduzierten Steuersatzes von 7 auf 8%, höhere Tabaksteuer
• Erhöhung des Spitzensteuersatzes um 1% bei einem Einkommen über 120.000 Euro, 2% bei einem Einkommen über 175.000 Euro
• Wegfall der Steuererleichterungen auf Treibstoffe für besondere Berufsgruppen
• Kürzung von öffentlichen Investitionen
• Wegfall eines Bonus von 2.500 Euro bei Geburten
• Kürzung der Gelder für Entwicklungshilfe
• Sparkassenreform
• Einführung einer Schuldenbremse
• FuE-Anstrengungen sollen trotz Sparzwang

Geplante Maßnahmen

• Wiedereinführung der Erbschaftsteuer, Lockerung der zentralen Tarifverträge
• Verschlankung der Verwaltungsstrukturen (speziell auch in den Autonomen Gebieten und Kommunen)
• Einführung einer auf 2 Jahre begrenzten zusätzlichen Solidaritätsabgabe auf Einkommen (0,75%-7% der Einkommensteuer) und Kapitalerträge
• Erhöhung der Grundsteuer für Wohneigentum, das den Durchschnittswert übersteigt
• Einfrierung der Beamtengehälter (zuvor bereits um 5 bis 15% gekürzt), Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 37,5 Stunden
• monatlicher Mindestlohn bleibt bei 641,40 Euro eingefroren
• Abbau der Zahlungen an Parteien Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen um 20%
• Rentenerhöhung um 1%
• Verringerung Anzahl von Staatsfirmen auf Regionen- und Kommunalebene
• Reform des Arbeitsmarktes und Reform der Lohnverhandlungen (Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter legen bis 16.01.2012 ihre Übereinkünfte vor und Regierung bringt bis 31.01.2012 ein Gesetz ein)

Zum Ende jeder Woche mit ihren schlechten Nachrichten von der Börse und von der Risikoprämie kommen dann die Hiobsbotschaften der Regierung, pünktlich am Freitagmittag, nach der morgendlichen Kabinettssitzung der konservativen Regierung: Neue Einsparungen, Steuererhöhungen, Reformen, die den Arbeitsplatz weniger sicher machen oder das Gesundheitssystem weniger allumfassend – die Zumutungen nehmen kein Ende, und die Spanier werden noch nicht mal dafür gelobt. Die Schuldenkrise, das Damoklesschwert des EU-Rettungsschirms will einfach nicht verschwinden.

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Kommentare (1)

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anacondafucker

26.04.2012, 18:13 Uhr

Was ist das für ein Kommentarstil. Warum bezeichnen Sie die
argentinische Präsidentin als durchgeknallt?
Ist das nicht eher das spanische Parasitenkönigshaus mit Luxusyachten und Fischereiflotten in marokkanischen Häfen.
Erst denken, dann pauschal verurteilen...

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