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14.04.2014

11:15 Uhr

Schuldenabbau

Frankreich will Defizitziel 2015 erreichen

Anders als zuletzt spekuliert will Frankreich die EU-Defizitvorgaben von drei Prozent im nächsten Jahr wieder einhalten. Dazu muss das Land Schulden abbauen und seine Konjunktur ankurbeln - was schwierig werden dürfte.

Frankreichs Finanzminister Michel Sapin: „Das Ziel ist der Schuldenabbau.“ AFP

Frankreichs Finanzminister Michel Sapin: „Das Ziel ist der Schuldenabbau.“

ParisDie französische Regierung will die EU-Defizitvorgaben im nächsten Jahr wieder einhalten. „Das Ziel für Frankreich ist der Schuldenabbau“, sagte Finanzminister Michel Sapin am Montag dem Radiosender „France 1“. „Deshalb muss das Defizit 2015 drei Prozent betragen, nicht mehr.“ Auf dieser Basis werde der Haushalt für das kommende Jahr geplant.

Zuletzt hatten Äußerungen Sapins Spekulationen geschürt, dass Frankreich die EU-Kommission erneut um mehr Zeit zur Haushaltssanierung bitten könnte.

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Die Kommission und die Euro-Finanzminister fordern von der Regierung in Paris, die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze für die Neuverschuldung von drei Prozent der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr einzuhalten. Viele Ökonomen zweifeln allerdings angesichts der lahmen Konjunktur, dass das gelingen wird. 2013 hatte das Defizit noch bei 4,3 Prozent gelegen. Die Kommission hat Frankreich bereits zwei Jahre mehr für das Erreichen des Defizitziels gegeben.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.04.2014, 12:18 Uhr

Deutschland redet schon seit Jahren davon aber nichts klappt. In Frankreich ist die allgemeine Situation noch schlechter als bei uns ...... und dann verprechen die Franzosen Besserung ? Gröhl !!!!!!!

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