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18.08.2013

16:27 Uhr

Schuldenabbau

Griechenland feuert Chef der Privatisierungsagentur

Rückschlag für die griechischen Privatisierungen: Der griechische Finanzminister verlangt überraschend den Rücktritt des Chefs des Privatisierungsfonds Taiped. Dieser soll im Privat-Jet eines Reeders geflogen sein.

Zerstrittene Männerrunde? Finanzminister Stournaras entlässt den Chef der Privatisierungskur Stelios Stavridis, offenbar weil der im Privatjet des Reeders Dimitris Melissanidis mitgeflogen war (v.l.n.r.). dpa

Zerstrittene Männerrunde? Finanzminister Stournaras entlässt den Chef der Privatisierungskur Stelios Stavridis, offenbar weil der im Privatjet des Reeders Dimitris Melissanidis mitgeflogen war (v.l.n.r.).

AthenGriechenland entlässt erneut den Chef der Privatisierungsagentur. Das Finanzministerium des Landes teilte am Sonntag überraschend mit, den Chairman der Privatisierungsagentur HRADF, Stelios Stavridis, um seinen Rücktritt gebeten zu haben. Eine Reaktion des Managers war zunächst nicht erhältlich. Ein Insider aus dem Finanzministerium sagte Reuters, die Abberufung erfolge mit sofortiger Wirkung.

Es sei eine Reaktion auf einen Zeitungsbericht von Samstag, so der Insider weiter. Demnach ist Stavridis in der vergangenen Woche im Privat-Jet des Reeders Dimitris Melissanidis mitgeflogen. Dieser ist einer der Großaktionäre des griechisch-tschechischen Konsortiums, das sich im Mai zum Kauf eines 33-prozentigen Pakets am Wettanbieter-Monopolisten OPAP entschlossen hatte. Laut Zeitung "Proto Thema" hat Stavridis den Vorgang eingeräumt. Er ist mit dem Jet von Melissanidis in den Urlaub nach Frankreich geflogen.

Der in der Schweiz ausgebildete Ingenieur Stavridis, der als Marktliberaler gilt, hatte seien Posten erst im März angetreten. Er war zuvor Chef des Wasserversorgers Eydap und früher beim Raffinerie-Betreiber Hellenic Petroleum tätig. Er ist der zweite HRADF-Chef, der in weniger als sechs Monaten seinen Hut nehmen muss. Im März musste schon Takis Athanasopoulos gehen - nach einem Strafverfahren wegen Dienstvergehen im Jahr 2007 während seiner Zeit als Chef des staatlichen Energiekonzerns PPC. Athanasopoulos weist die Vorwürfe zurück.

So könnte Griechenland geholfen werden

Anleihenrückkauf

Ein 40 Milliarden Euro umfassendes Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen wird seit 2011 diskutiert. Dabei könnte Athen Geld des Euro-Rettungsschirms nutzen, damit es seine Anleihen zum Marktpreis von privaten Gläubigern zurückkauft, um somit die Schuldenlast zu verringern. Denn die Kurse für griechische Staatsanleihen liegen weit unter ihrem Nennwert. Derzeit sind die Anleihen nur rund ein Drittel ihres Ausgabepreises wert.

Zinssenkungen

Die Geberländer könnten die Zinsen auf ihre bilateralen Kredite von etwa 53 Milliarden Euro reduzieren, was zu jährlichen Erleichterungen von 500 Millionen Euro für Athen führen könnte. Deutschland hat bisher kräftig an den Krediten verdient und kann sich besonders günstig Geld leihen. Unter anderem Italien und Spanien würde dies viel kosten, da sie sich zu höheren Zinsen Geld leihen müssen.

Mehr Zeit für Schuldenabbau

Auch eine Streckung der Zahlungsziele ist im Gespräch. Die Laufzeit für Hilfskredite könnte also verlängert werden.

EZB-Hilfe

Die Notenbank hat Staatsanleihen Athens zu sehr niedrigen Kursen erworben. Einen Teil ihrer Gewinne könnten die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken Athen überlassen.

Schuldenschnitt

Noch nicht auf der Vorschlagliste, aber stets in der Diskussion: Ein zweiter Schuldenschnitt nach dem ersten vom Frühjahr, in dem private Gläubiger wie Banken auf 100 Milliarden Euro verzichteten, wird diskutiert und vor allem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) favorisiert. Auch wegen des Widerstands Deutschlands wird dieser Schritt erst einmal aufgeschoben. Rund zwei Drittel der griechischen Schulden von etwa 340 Milliarden Euro liegen bei öffentlichen Geldgebern. Erstmals würde Steuerzahlergeld verloren sein. Es müssten sich auch Euro-Krisenländer beteiligen, die selbst wackeln.

Die Privatisierungsagentur verantwortet den Verkauf von Staatsbesitz. Die Einnahmen sollen dabei helfen, die riesigen Schulden des krisengeplagten Landes zu senken. Die Auflagen der internationalen Geldgeber Griechenlands wurden aber 2012 deutlich verfehlt. Auch 2013 dürfte es nicht besser aussehen. Der Verkauf des Gasversorgers Depa war erst im Juni gescheitert, der Anteilsverkauf bei Hellenic Petroleum wurde verschoben.

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Von

rtr

Kommentare (16)

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Eurowahn

18.08.2013, 16:35 Uhr

Ja Herr Schäuble, Griechenland ist auf eibem guten Weg !!! Auf einem guten Weg wie bisher !! Korruption, Bestechung, Steuerhinterziehung und vieles mehr. Und Herr Schäuble freut sich um so mehr, je mehr er unser Geld an die Griechen verschleudern kann, Die Griechen werden sich nicht ändern - so wie sich auch Eurofanatiker wie Herr Schäuble, Frau Merkel, Herr Steinbrück, Herr Trittin etc. nicht ändern werden.
Immer weiter - bis zum Untergang.
Wer einen Fehler bemerkt und ihn nicht korrigiert, begeht schon den nächsten Fehler !! Eurofanatiker - setzen & !!

curiosus_

18.08.2013, 16:47 Uhr

Na ja, der Neue muss sich jetzt natürlich erst wieder einarbeiten. Und schon sind wieder ein paar Monate ohne Erreichen der Ziele geschafft.

Und bevor der Alte mit der Begründung "vergebliche Liebesmüh'" das Hantuch wirft ist es natürlich schöner, man feuert ihn wegen einer Verfehlung.

In vor-€-Zeiten wäre das für uns PaL (Problem anderer Leute) gewesen.

Rechner

18.08.2013, 16:56 Uhr

O-Ton Handelsblatt
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Rückschlag für die griechischen Privatisierungen: Der griechische Finanzminister verlangt überraschend den Rücktritt des Chefs des Privatisierungsfonds Taiped.
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Wieso soll das ein "Rückschlag" sein?

Sollten sich die Korruptionsvorwürfe bewahrheiten, wovon ich nach dem jetzigen Stand der Dinge ausgehe, dann ist es doch wohl ein Fortschritt wenn der korrupte Beamte gefeuert wird.

...

Das sollte es viel öfter geben.

Und nicht nur in Griechenland.

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