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03.08.2011

16:25 Uhr

Schuldenkrise

Auch Japan droht der Finanzkollaps

VonJan Keuchel

Die USA haben eine Pleite auf den letzten Drücker verhindert, in Europa grassiert das Schuldenvirus weiter - jetzt wackelt auch noch Japan. Wenn sich Regierung und Opposition nicht bald einigen, droht der Bankrott.

Buddhistischer Mönch in Tokio: Die drohende Zahlungsunfähigkeit ist nur eines der Probleme Japans. Quelle: dapd

Buddhistischer Mönch in Tokio: Die drohende Zahlungsunfähigkeit ist nur eines der Probleme Japans.

TokioDie finanzielle Situation in Japan spitzt sich immer weiter zu. Noch immer zeichnet sich keine Einigung zwischen Regierung und Opposition über ein Gesetz ab, dass der Regierung erlaubt, Staatsanleihen auszugeben. Damit droht dem Land die teilweise Zahlungsunfähigkeit, da etwa 40 Prozent des aktuellen Haushalts mit den Staatsanleihen abgedeckt werden sollen.

Katsuo Okada, Generalsekretär der Regierungspartei DPJ, forderte von der Opposition, ohne deren Zustimmung das entsprechende Gesetz nicht auf den Weg gebracht werden kann, ihr Veto zum Wohle des Staates aufzugeben. „Japan befindet sich in einer schlimmeren Situation als die USA “, sagte Okada in Tokio.

Tatsächlich drängt die Zeit, denn die bereits einmal verlängerte parlamentarische Sitzung endet in diesem Monat. Sollte bis dahin keine Einigung erzielt sein, stehen nicht nur die Gehälter der Staatsbeamten auf dem Spiel, sondern auch Gelder an die Regionalregierungen. Und nicht nur das: „Über 50 Prozent des Geldes soll in die Zinsen für bereits bestehende Staatsanleihen gehen“, sagte Okada.

Allein deshalb dürfte sich die Opposition nicht heraushalten, denn die bestehenden Staatsanleihen „kommen von der LDP.“ Okadas Partei DPJ hatte erst im August 2009 die davor rund 50 Jahre regierenden Liberaldemokraten abgelöst. Der Generalsekretär warnte zudem vor einer Abwärtsspirale, da die Rating-Agenturen bei Zahlungsunfähigkeit des Landes dessen Kreditwürdigkeit weiter abwerten würden.

Vieles hängt damit an der Opposition, insbesondere deren stärksten Partei LDP. Die aber nutzt ihre Weigerung, um Premierminister Naoto Kan zum Rücktritt zu zwingen und Pläne der DPJ, etwa zum Ausbau des Kindergeldes, zurückzudrehen. Kan wiederum will erst gehen, wenn das Ermächtigungsgesetz unter Dach und Fach sowie ein weiteres Gesetz beschlossen ist, dass den Ausbau der erneuerbarer Energien vorsieht. Okada appellierte an die LDP, ihre Position aufzugeben. Der Staatshaushalt dürfte nicht „als politisches Mittel missbraucht“, sagte er.

Kommentare (10)

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Schlaumeier

03.08.2011, 16:45 Uhr

Japan droht nicht die Pleite, Japan i s t Pleite. Genau wie USA und ganz Europa (incl. Dtl.). Leute, kauft Aktien und Schäubles Schrottanleihen. Das werden die nächsten "Lacher" werden.

josefhirsepp

03.08.2011, 17:23 Uhr

Japan hat auf zu sehr die USA als Konsument # 1 gesetzt, fuer seine Produkte. Wegen der $ Entwertung einerseits und dem billigen Japan. Yen, der in der Vergangenheit ins Ausland abfloss, insbesondere nach USA, zwecks Zins- und Waehrungsspekulationen vor Ende 2008, ist nun Japan in den USA nicht mehr wettbewerbsfaehig! Die Yens sind ausgegeben, bzw eingetauscht worden in Reals, Peso US- & CAN $, sowie Euro. Nun muessen diese Kurzlaeufer langsam zurueckbezahlt werden, aber zu Wechselkursen, die die Zinsvorteile weitgehend aufbrauchen...Also kauft man weitere YEN Verschreibungen zu nahezu null-Zinsen....Die Japan.Zentralbank sitzt auf USD & anderen Devisen, die aber stark an Wert verloren haben, und die Einnahmen aus dem EXPORT gehen zurueck... In Japan gehen nur noch nicht die Lichter aus, weil die Regierung die Pensionskassen angepumpt hat und wenig Auslandsschulden hat...aber die Luft wird duenner, fuer die Jap. Regierung, wenn nun die Amerikaner wirklich sparen sollten....!
Die USA pumpen nun sogar Mexico, Tuerkei und Russland an…..! dort gehen die Wechselkurse hoch und die Zinsen steigen !!!

Island

03.08.2011, 18:00 Uhr

Persönlich habe ich mich nie in Yen verschuldet (niedriger Leitzins) und dieses Geld in höher verzinsten Staatsanleihen in den USA (klassisch) angelegt. Ich halte aber den Yen für unterbewertet und die Japanische Regierung hat immer den Yen künstlich zu niedrig gehalten.

Sie verfolgt damit eine ähnliche Politik wie die Bundesrepublik Deutschland in den 60er.

Diese Politik klappt aber immer weniger bei einem unterbewerteten Yuan und eine Politik des „Billigen Geldes“ von der FED und der EZB.

Wir erleben schon sehr lange eine „Abwertungsspirale“ der Währungen und die Zentralbank von Japan hat nur noch sehr wenige Möglichkeiten bei einem so niedrigen Leitzins dagegen zu steuern.

Die Japanische Industrie ist sehr modern und hat in der Vergangenheit sehr viele Branchen der Handelspartner eliminiert.

Wir haben z. b. keine Produzenten in der Unterhaltungselektronik oder namhafte Baumaschinenhersteller. (Kleine Ausnahmen bestätigen die Regel)

Die Japanische Volkswirtschaft leidet seit 2 Dekaden unter den ungelösten Aufgaben.

Wir waren aber nicht in der Lage davon zu Profitieren und den Abstand zu Japan zu verringern.

Weil wir unsere Aufgaben nicht lösen! (Gastarbeiterproblem, Geburtenrückgang, Staatsverschuldung und falsche EU Politik)




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