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05.09.2011

17:08 Uhr

Schuldenkrise

Barroso glaubt Griechenlands Versprechungen

Während in Berlin die Frustration über Griechenland wächst, kommen aus Brüssel von EU-Kommissionschef Barroso andere Signale. Er versucht mit positiven Nachrichten aus Athen Vorbehalte zu entkräften.

EU-Kommissionspräsident Barroso. AFP

EU-Kommissionspräsident Barroso.

Brüssel/BerlinDas hoch verschuldete Griechenland steht nach den Worten von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zu seinen Zusagen gegenüber den Europartnern. „Sie haben gerade einige wichtige Hinweise gemacht, dass sie ihre Verpflichtungen einhalten werden“, sagte Barroso ohne Nennung von Details. „Das ist sehr wichtig für Griechenland und auch wichtig für die Eurozone“, sagte Barroso. Die Kommission sei in Kontakt mit der griechischen Regierung.

Die „Troika“ von Experten der Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds hatte Ende vergangener Woche gefordert, dass Athen seinen Haushaltsplan des kommenden Jahres überarbeiten müsse. Die Überprüfungsmission ist derzeit unterbrochen, um den Druck auf Athen zu erhöhen.

Ohne ein positives Votum der Experten ist die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem „alten“ Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro akut gefährdet. Die Rate hat einem Umfang von rund zwölf Milliarden Euro, wobei zwei Drittel auf die Eurostaaten und ein Drittel auf den IWF entfallen. Diplomaten rechnen damit, dass die Euro-Finanzminister beim Treffen Ende nächster Woche in Polen über das Thema intensiv beraten werden. Die „Troika“ will ihre Arbeit Mitte September in Athen fortsetzen.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

In der Berliner Koalition wächst derweil die Frustration über die schleppenden Fortschritte bei der Sanierung Griechenlands. Kanzlerin Angela Merkel klagte am Montag im CDU-Präsidium nach Angaben von Teilnehmern über den mangelnden Sparwillen der griechischen und der italienischen Regierung. Prominente Finanzexperten aus dem Regierungslager legten den Griechen nahe, die Währungsunion zu verlassen. Euroskeptische Ökonomen sehen darin den einzigen Weg, ihre Wirtschaft wieder auf stabile Füße zu stellen. Bis Dienstag sollen die deutschen Banken der Bundesbank melden, mit welchen Summen sie sich am zweiten Hellas-Hilfspaket beteiligen. Die griechische Regierung sagte erneut Reformen zu. Anlass für den Unmut sind neue Irritationen über die Fortschritte Griechenlands auf seinem Sparkurs.

Gewinner und Verlierer: Fünf Wahrheiten über die Euro-Krise

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Warum wir trotz der Krise vom Euro profitieren und weiteres Euro-Wissen finden Sie hier.

Kommentare (37)

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Pendler

05.09.2011, 17:30 Uhr

hmmm, sagt er das, dass er dem Versprechen von einem Dolce-Vita Staat glaubt

oder ist es so ein Mega-Loser, dass er einer absaufenden Volkswirtschaft glaubt.

Griechenland ist out of order.

Account gelöscht!

05.09.2011, 17:31 Uhr

„Sie haben gerade einige wichtige Hinweise gemacht, dass sie ihre Verpflichtungen einhalten werden“, sagte Barroso ohne Nennung von Details. „Das ist sehr wichtig für Griechenland und auch wichtig für die Eurozone“...

Noch dünner und dümmer geht es nicht.

Hertie-Von-Karstadt

05.09.2011, 17:39 Uhr

Barosso verdient 304,000 Euro im Jahr...klar das der Mann keine Ahnung von der Realität hat !

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