Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.10.2011

22:22 Uhr

Schuldenkrise

EU will Krisenkapital der Banken testen

Die drohende Finanzkrise macht die EU nervös: Angeblich wollen die Finanzminister bei der Bankenaufsicht EBA Daten über die Kapitaldecke ihrer kriselnden Banken anfordern, um die Folgen einer Griechen-Pleite zu testen.

Die Finanzdecke der Banken steht offenbar wieder auf dem Prüfstand. dpa

Die Finanzdecke der Banken steht offenbar wieder auf dem Prüfstand.

DüsseldorfDie Schuldenkrise besorgt die EU inzwischen offenbar derartig, dass sie die Widerstandsfähigkeit ihrer Banken im Krisenfall neu untersuchen will: Die EU-Finanzminister haben die europäische Bankenaufsicht European Banking Authority (EBA) angeblich gebeten, Daten über die Kapitalausstattung ihre Banken zu liefern für den Fall, dass es zu großen Abschreibungen auf griechische Anleihen kommt, berichtet die britische Wirtschaftszeitung "Financial Times" (FT). Die EBA sei angewiesen worden für jedes Land einzuschätzen, wieviel neues Kapital Banken im Fall eines Schuldenschnitts bei griechischen Anleihen benötigen würden, schreibt die FT unter Berufung auf hochrangige mit dem Verfahren befasste Beamte.

Krise: Investmentbanken im Abwärtsstrudel

Krise

Investmentbanken im Abwärtsstrudel

Die Angst vor der nächsten Finanzkrise geht um und die Gewinne brechen ein. Zunehmend erwischt es auch die Investmentbanken, die auf altbewährtes Krisenmanagement setzen: sparen und entlassen.

Laut FT sei dies ein stillschweigendes Eingeständnis, dass die zwei vorangegangenen Stresstests der Aufsichtsbehörde nicht weit genug gegangen seien. Den Angaben zufolge sollen die EU-Kreise darauf bestehen, dass die neuen Stresstests nicht als Vorbereitung für einen griechischen Zahlungsausfall verstanden werden.

Zuvor hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine Rekapitalisierung der Finanzinstitute im Notfall ausgesprochen. „Die Bundesregierung steht bereit, wenn notwendig  eine solche Kapitalisierung der Banken durchzuführen“, sagte Merkel am Mittwoch in Brüssel. Sie deutete an, dass das Thema womöglich schon beim nächsten EU-Gipfel am 17. Oktober auf der Tagesordnung stehen könnte. „Wenn es notwendig ist, dass wir auf dem europäischen Rat darüber reden, dann sind wir auch dazu bereit“, betonte sie.

Rettung angepeilt: Frankreich kämpft bei Dexia gegen die Zeit

Rettung angepeilt

Frankreich kämpft bei Dexia gegen die Zeit

Die Zerschlagung der mit Liquiditätsproblemen kämpfenden belgisch-französischen Großbank Dexia ist ein Wettlauf mit der Zeit. Sie erntet viel Häme. Und Frankreichs Regierung drückt aufs Tempo.

Die Verantwortung für die Rekapitalisierung sieht Merkel in erster Linie bei den Banken. Sollten diese bei ihren Bemühungen scheitern, sollten die Nationalstaaten helfen, erläuterte sie ihre Überlegungen. Erst wenn ein Land dazu nicht in der Lage sei und die Stabilität des Euro gefährdet sei, sollte ein Einspringen des EFSF in Erwägung gezogen werden. Eine Rolle des EFSF hatte zuvor die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, angeregt.

Interbankenmarkt: Banken flüchten zur EZB

Interbankenmarkt

Banken flüchten zur EZB

Unter den Geldhäusern der Eurozone herrscht Misstrauen - das Interbankengeschäft stockt.

In den vergangenen Wochen war die Befürchtung aufgekommen, dass Europas Banken wie in der Finanzkrise 2008 auf Staatshilfen angewiesen sein könnten. Wegen der Schuldenkrise in der Eurozone wird an den Märkten befürchtet, dass die europäischen  Finanzinstitute massive Verluste auf Staatsanleihen hinnehmen müssen. „Ich glaube, dass es richtig ist, wenn es eine gemeinsame Betrachtung gibt, dass die Banken nicht ausreichend kapitalisiert sind für die derzeitige Marktlage, das man das tut“, fügte  Merkel hinzu. „Die Zeit drängt.“

Sorgen um die Widerstandsfähigkeit des europäischen Finanzsystems hatten in den vergangenen Wochen und Tagen für erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten gesorgt. Nach wiederholten Forderungen nach einer Rekapitalisierung europäischer Banken von Seiten des IWF hatten zuletzt auch Vertreter EU-Kommission möglichen Rekapitalisierungsbedarf bei europäischen Instituten eingeräumt. Am Dienstag plädierte dann auch EU-Währungskommissar Olli Rehn für eine koordinierte europäische Maßnahmen und sprach sich für eine Stärkung der Kapitalpositionen europäischer Banken aus. Am (morgigen) Donnerstag will sich Merkel mit IWF-Direktorin Christine Lagarde treffen.

Von

hvg

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

VerySeriousSam

05.10.2011, 23:02 Uhr

Die banken können sich locker refinanzieren, ohne dass die Steuerzahler wieder geschröpft werden.

Ein Beispiel. Die Deutsche Bank hatte 2009 rund 77.000 Mitarbeiter, mit einem Durchschnittsverdienst von sagenhaften 147.000€.

Wenn der sozialverträglich auf immer noch großzügige 60.000€ im Durchschnitt reduziert würde, hätte allein diese Bank pro Jahr rund 5 Milliarden Euro zur Steigerung des Kernkapitals frei.

Und genauso könnten all die anderen Großbanken, die im Investmentgeschäft das große Rad drehten und horrende Gehälter und Boni zahlen, sich selbst retten.

Für den Steuerzahler würden nur kelinere und mittlere Banken mit vergleichsweise überschaubaren Kosten anfallen.

Account gelöscht!

05.10.2011, 23:25 Uhr

Schön, die erste Bude geht in Flammen auf, welche ist die nächste?

cityboy

06.10.2011, 08:25 Uhr

wow... nun soll tatsächlich simuliert werden, was passiert, wenn ein land in die pleite rutscht, alle achtung, so eine abwegige annahme in einen stresstest einzubauen, zeugt von mut... vielleicht wird beim nächsten stresstest in einigen monaten sogar die völlig irre annahme berücksichtigt werden, dass eine große bank probleme bekommt... nennen wir sie beispielhaft mal dexia...
fakt ist: die politik lässt sich leider weiterhin von den banken an der nase herumführen, da die politiker die produkte der banken nicht verstehen. dies betrifft auch und vor allem die politiker die in den aufsichtsräten der banken sitzen. statt auf die empfehlungen der bankenlobbyisten zu hören, sollten die politiker ihren sachverstand schärfen (und auch mal einsetzen) und den banken die rote karte zeigen. ist erforderlich das gesamte bankensystem grundlegend neu zu gestalten, zurück zum eigentlichen auftrag, der da heißt: dienstleistung. die auswüchse der letzten ca. 20 jahre müssen zurückgedreht werden, d. h. weitgehendes verbot von derivaten. zurück zum derivatenangebote der 80er. plain-vanilla, einfache swaps, optionen und futures. alles andere gehört in den mülleimer der geschichte. also weg mit den strukturierten produkten und den massenvernichtungswaffen, den kreditderivaten. solange diese produkte erlaubt sind, wird sich nichts ändern. die krisen werden sich häufen und in immer kürzeren abständen auftreten. es sollte ein harter schnitt erfolgen, mit einer abrechnung aller umlaufenden zu verbietenden derivate. die banken, die dies nicht überleben werden und dies werden wohl weit über 50% sein, sind zu verstaatlichen oder abzuwickeln. die gewinne und verluste aus den abrechnungen der derivate sollten über den iwf gesammelt
und mit den betroffenen rettungsfonds der länder verrechnet werden. klingt grausig, ist es auch. aber ohne einen derartigen harten schnitt wird das system irgendwann unkontrolliert implodieren. ein neustart des weltweiten banksystems muss her...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×