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05.11.2011

18:41 Uhr

Schuldenkrise

Euro-Retter wollen Goldreserven der Bundesbank verpfänden

Geraten größere Staaten in den Strudel der Schuldenkrise, droht der EFSF an seine Grenzen zu stoßen. Darum wollen die Euro-Retter zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen - und notfalls den deutschen Goldschatz verpfänden.

Goldbarren der Bundesbank sollen den Euro sichern. dpa

Goldbarren der Bundesbank sollen den Euro sichern.

BerlinDie Regierungen Deutschlands und Frankreichs planen einem Zeitungsbericht zufolge wegen der Schuldenkrise einen Angriff auf den Goldschatz der Bundesbank. Mittels der seit Jahrzehnten aufgebauten Gold- und Devisenreserven der Bundesbank solle die Haftung Deutschlands in der Krise um mehr als 15 Milliarden Euro erhöht werden, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ unter Berufung auf Verhandlungskreise des G-20-Gipfels in Cannes. Auf diesem Wege solle der Bundestag umgangen werden. Hintergrund sei, dass die Feuerkraft des 440 Milliarden Euro schweren Euro-Rettungsfonds EFSF nicht ausreichen werde, sobald größere Staaten ins Wanken kämen.

Handelsblatt-Informationen zufolge wurden die Berichte jedoch von Seiten der deutschen Cannes-Delegation bereits aufs Schärfste dementiert. Ein solches Vorhaben sei zu keinem Zeitpunkt Thema gewesen und werde auch keins werden, hieß aus Kreisen der Delegation.

Vorgesehen sei offenbar, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) des Goldschatzes bemächtige, schrieb die Zeitung. Unter den Staats- und Regierungschefs in Cannes sei darüber beraten worden, das System der Europäischen Zentralbanken mit seinen Devisenreserven in Höhe von insgesamt 50 bis 60 Milliarden Euro in Form von Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds (IWF) an eine Zweckgesellschaft des europäischen Krisenfonds zu verpfänden. Als „Erfüllungsgehilfin“ habe sich die EZB angedient. Offenbar seien bereits politische Vorschläge ausgearbeitet worden. 

Wie Europas Regierungen unter Druck geraten

Italien

Regierungschef Silvio Berlusconi kämpft um sein politisches Überleben. Nach unbestätigten Medienberichten soll er seinen baldigen Rückzug. Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy erwarten verbindliche Zusagen für den Abbau der horrenden italienischen Staatsschulden.

Frankreich

Ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl 2012 ist die Krise für Staatschef Nicolas Sarkozy eine schwere Belastung. Mehr als die Hälfte der Franzosen hat starke Zweifel am Kurs des 56-Jährigen.

Spanien

Die Krise dürfte zu einem Machtwechsel führen. Bei den vorgezogenen Wahlen am 20. November droht den regierenden Sozialisten ein Debakel. Die Konservativen können auf eine absolute Mehrheit hoffen.

Portugal

Die sozialistische Regierung von José Sócrates ist angesichts der schweren Wirtschaftskrise im Juni abgewählt worden. Auch die neue liberal-konservative Regierung unter Ministerpräsident Pedro Passos Coelho steht schon mächtig unter Druck. Kritiker werfen ihr vor, bei den Sanierungsmaßnahmen den Bogen zu überspannen.

Großbritannien

Die Bankenrettung von 2008 hat Großbritannien in eine schwere Schuldenkrise gestürzt. Premierminister David Cameron reagierte mit einer massiven Sparpolitik. Unter anderem opferte er zehntausende Jobs. Gewerkschaften und Opposition laufen Sturm.

Irland

In Irland hat die Schuldenkrise im vorigen Jahr Premierminister Brian Cowen das Amt gekostet. Mit seinem Finanzminister Brian Lenihan drückte er aber noch einen Sparhaushalt durch. Der neue Premier Enda Kenny hält den Sparkurs strikt ein.

Finnland

Die Eurokrise hat den Rechtspopulisten („Wahre Finnen“) einen strahlenden Wahlsieg beschert: Sie konnten im April ihren Stimmenanteil auf fast 20 Prozent vervierfachen.

Slowakei

Der Streit um die Euro-Rettung hat einen innenpolitischen Scherbenhaufen hinterlassen. Die christlich-liberale Premierministerin Iveta Radicova hatte die erste Parlamentsabstimmung am 11. Oktober über eine Ausweitung des EFSF mit der Vertrauensfrage verknüpft und verloren.

Slowenien

Die Regierung ist gestürzt, weil sie die rasant steigende Verschuldung nicht eindämmen konnte. Am 4. Dezember soll neu gewählt werden.

Rumänien

Die bürgerliche Regierung hat wegen der Krise stetig an Popularität eingebüßt. Die 2012 anstehende Parlamentswahl dürfte sie verlieren. Wahlkampfgeschenke soll es angeblich keine geben, stattdessen aber weitere Sparmaßnahmen.

Die Bundesbank beharre jedoch darauf, dass die Sonderziehungsrechte ihr gehörten, berichtete die Zeitung. Wegen des Widerstands der Bundesbank sei das Thema in Cannes zunächst wieder vom Verhandlungstisch genommen worden. Schon am Montag solle die Euro-Gruppe jedoch abermals darüber beraten. Verbündete unter den anderen Notenbanken habe die Bundesbank nicht, und Bundeskanzlerin Angela Merkel verhalte sich uneindeutig.

Von

rtr

Kommentare (104)

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DEMOKRAT

05.11.2011, 17:13 Uhr

Dieses Gold G E H Ö R T dem V O L K !

Das ist ja das LETZE wo ist der VERFASSUNSSCHUTZ bleibt er UNTÄTIG RUFE ich alle DEUTSCHE zum Weiderstand nach Artikel 20 GG Abs 4 auf das ist doch UNGLAUBLICH

AhaAha

05.11.2011, 17:14 Uhr

Sind die total verrückt?
Unsere Goldreserven sind doch die letzte Versicherung wenn der Euro demnächst baden geht.
Mit irgend etwas muss doch die neue (alte) Währung hinterlegt sein.

Account gelöscht!

05.11.2011, 17:16 Uhr


Hr. Gauweiler, wir unterstuetzen jedweden Widerstand.

Wir koennten doch germanische Spareinlagen bei Sparkassen und Allianz verpfaenden, Hauptsache, die griechischen Mafiosogruppierungen um Parteien etc ersparen sich unpopulaere Einlagen gegenueber ihrer Bevoelkerung.
Dummmerkelchen/Schwäbchen faellt vmtl drauf rein.

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