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29.07.2011

12:43 Uhr

Schuldenkrise

Euro-Rettung verpufft – neues Ungemach droht

Der Druck in der Euro-Schuldenkrise lässt nicht nach. Erst erwägt Moody's eine Spanien-Abstufung. Dann heißt es, Italiens Beitrag zu den Griechenland-Hilfen sei gefährdet. Geht das Schuldenhickhack von vorne los?

Euro-Münzen. Quelle: dpa

Euro-Münzen.

Madrid/BrüsselÜber der Euro-Zone braut sich nur eine Woche nach den weitreichenden Beschlüssen zur Rettung Griechenlands neues Ungemach zusammen. Mit Italien und Spanien stehen an den Finanzmärkten nun zwei volkswirtschaftliche Schwergewichte der Währungsgemeinschaft unter dem Druck steigender Zinsen. Zudem versetzte die Ratingagentur Moody's Spanien einen Warnschuss und erklärte, die Kreditwürdigkeit des Landes drohe sich zu verschlechtern. Unter den Euro-Staaten geht zugleich die Sorge um, dass Italiens Beitrag zur nächsten Kredittranche für Griechenland ausfallen könnte, weil die Regierung in Rom inzwischen selbst den Investoren zu hohe Zinsen für seine Anleihen bezahlen müsse. Der anhaltende Druck auf die Euro-Zone ließ Zweifel aufkommen, ob der Euro-Rettungsfonds EFSF genug Munition für den Kampf gegen die Schuldenkrise hat.

Die internationalen Investoren befürchten, dass Spanien seine Finanzen nicht in den Griff bekommt und ebenfalls ein Rettungspaket wie Griechenland, Irland oder Portugal benötigen könnte. Als Folge stiegen die Risikoaufschläge für Staatsanleihen der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone auf den höchsten Stand seit zehn Jahren. An den Märkten machte sich die Einschätzung breit, dass das vor einer Woche beschlossene neue Hilfspaket für Griechenland nicht den erhofften Effekt haben könnte, andere hoch verschuldete Euro-Länder vor einer Ansteckung zu bewahren. Der Euro-Sondergipfel hatte ein neues rund 160 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Griechenland unter der Beteiligung privater Gläubiger geschnürt. Um die Ansteckung weitere Staaten zu verhindern, soll der EFSF mehr Einsatzmöglichkeiten bekommen.

Der Euro fiel um gut einen halben Cent auf Kurse um 1,4280 Dollar, obwohl die US-Währung von der Schuldenkrise in den USA belastet ist.

Spaniens Bonitätsnote könnte um eine Stufe gesenkt werden, erklärte Moody's. Die Einschätzung werde derzeit überprüft. Die derzeitige Moody's-Note „Aa2“ entspricht dem „AA“-Rating von S&P. Insgesamt steht Spanien mit diesen Noten weitaus besser da als die Länder unter dem Euro-Rettungsschirm.

Grund für die Überprüfung ist Moody's zufolge die zunehmende Anfälligkeit der Staatsfinanzen. Zudem dürfte der Finanzierungsdruck auf die Südeuropäer nach dem neuen Rettungspaket für Griechenland wachsen. „Der Auslöser war, dass die Vereinbarung für Griechenland in der vergangenen Woche das Vertrauen in der Euro-Zone nicht wirklich wiederhergestellt hat“, sagte Giada Giani, Analystin von Citi.

Kommentare (31)

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Kraeftemangel

29.07.2011, 12:30 Uhr

Griechenland bekommt demnächst Kredite aus dem Rettungspaket zum Zinssatz von 3,5%.
Lander wie Spanien und Italien müssen sich dieses Geld am Kapitalmarkt für 6% leihen. Ein tolles Geschäft, oder? Schneller kann man nicht Pleite gehen!!! Wann hat dieser Irrsinn endlich ein ENDE.

nobum

29.07.2011, 12:41 Uhr

Moody's befeuert mit der Aussicht auf Herabstufung das Gleichgewicht des Schreckens, wie gehabt.
Sie laufen dabei der Wirklichkeit hinterher, und das nennt man wohl "procyclisch".

Ondoron

29.07.2011, 12:55 Uhr

Das kann ich Ihnen sagen: Es endet mit dem deutschen Staatsbankrott! Der ist näher, als viele glauben. Die meisten kapieren das noch nicht mal. Vor allem nicht unsere Politiker.
Die Deutschen sollten den Gürtel schon mal deutlich enger schnallen. So ein "politisches Projekt" ist sehr, sehr teuer! Gewollt vor allem von der SPD und den Grünen! Das Dumme ist nur, dass Projekt Euro ist so teuer, dass Deutschland daran erstickt - mit dem Rest Europas. Was dann folgt, ist Anarchie oder Diktatur im Gewand der EUSSR!

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