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03.01.2012

11:24 Uhr

Schuldenkrise

Forscher fordern Garantien für Staatsanleihen

Wirtschaftsforscher fordern deutlichere Vertrauenssignale der Politik in die Zahlungsfähigkeit der Euroländer. Dafür solle es Garantien für die Staatsanleihen aller Euroländern geben, rät das IMK.

Nach Ansicht des IMK können auch Euro-Bonds Vertrauen schaffen. dpa

Nach Ansicht des IMK können auch Euro-Bonds Vertrauen schaffen.

BerlinPolitik und Zentralbank in Europa müssen nach Ansicht des IMK-Instituts kurzfristig mit klaren Signalen für mehr Vertrauen an den Finanzmärkten sorgen. „Die Zeit drängt, da immer mehr Länder von der Krise erfasst werden, für die der Rettungsschirm nicht groß genug ist“, erklärten die gewerkschaftsnahen Forscher am Dienstag.

Daher müsse sich die Europäische Zentralbank stärker beim Kauf von Staatsanleihen auf den Sekundärmärkten engagieren. Echtes Vertrauen an den Märkten werde aber erst dann zurückkehren, wenn Politik und EZB deutlich machten, dass sie selbst keine Zweifel an der Zahlungsfähigkeit aller Euroländer haben. „Um dies zu zeigen, müssen die Euroländer in irgendeiner Form eine Garantie für die ausstehenden Staatsanleihen geben.“

Das könnte nach Ansicht der Düsseldorfer Forscher durch Eurobonds geschehen, die die Bundesregierung bisher aber ablehnt. Andererseits könne ein Konzept des Sachverständigenrats Pate stehen. Die Wirtschaftsweisen hatten einen Schuldentilgungsfonds vorgeschlagen, mit dem alle Staatsschulden, die über die Grenze von 60 Prozent der Wirtschaftskraft hinausgehen, gemeinschaftlich garantiert und einzelstaatlich abgetragen werden.

Zudem empfiehlt das IMK den Euroländern mit hohen Leistungsbilanzüberschüssen - die Niederlande, Finnland, Österreich und Deutschland -, nicht gleichzeitig mit den Krisenstaaten zu sparen, sondern die Konjunktur mit mehr Investitionen zu stabilisieren. „In Deutschland sollten Bund, Länder und Gemeinden schon in diesem Jahr die Investitionen in Bildung, Forschung, Kinderbetreuung sowie Infrastruktur ausweiten“, schrieben die Experten des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Sie sprachen sich auch für mehr Steuern auf hohe Einkommen und große Vermögen aus.

Ferner schlägt das IMK die Gründung eines Europäischen Währungsfonds (EWF) vor. „Er soll präventiv verhindern, dass die Leistungsbilanzen der Euroländer zu stark auseinanderlaufen.“ Der geplante Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) - der den Rettungsfonds EFSF letztlich ablösen soll - könne Kern einer solchen Institution sein. Ohne eine sanktionsbewährte Kontrolle der Leistungsbilanzen sehen die Forscher nur zwei Alternativen für die Euro-Zone: Entweder kommt es zur Umwandlung in eine Transferunion - oder die Währungsgemeinschaft zerbricht.

Das IMK gehört zum Lager der Konjunkturpessimisten. Für Deutschland erwarten die Forscher 2012 einen Rückgang der Wirtschaftskraft um 0,1 Prozent und für die Euro-Zone eine handfeste Rezession mit minus 0,6 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (12)

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ihr

03.01.2012, 11:57 Uhr

"Sie sprachen sich auch für mehr Steuern auf hohe Einkommen und große Vermögen aus."

Das würde die Eurokrise lösen - doch wer will das? Die Banken haben Milliarden geschenkt bekommen, so leicht wollen die die Krise nicht beenden.

Außerdem, mit der Besteuerung der Reichen würde man die Nutznieser der Krise und Proffiteure des Aufschwungs belasten - die haben aber Ihre Marionetten in der Politik installiert - und lassen das sicher nicht durchgehen.

balubalu

03.01.2012, 16:18 Uhr

"sanktionsbewährte Kontrolle der Leistungsbilanzen" durch eine externe Institution das sind theoretische Sandkastenspiele. In selbständigen Demokratien kann es so etwas nicht geben.
Eine Transferunion ohne wenn und aber heißt "Freibier und unbegrenzten Kredit für alle - außer für die Bevölkerung.
Also: was bleibt?

Nein, es gäbe noch die freiwillige, vom ganzen Volk bestätigte, synchrone Wirtschafts- und Finanzpolitik der Einsichtigen und Disziplinierten. Aber Trittbrettfahrer, Leichtfinken und Schmarotzer müssen kategorisch außen vor bleiben.Und wer sich nicht mehr an die Regeln hält muß vor die Tür.

yoski

08.01.2012, 12:59 Uhr

"Forscher fordern Garantien für Staatsanleihen"
Ich fordere Garantien fuer ewiges Leben und Glueckseligkeit.

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