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23.04.2011

13:21 Uhr

Schuldenkrise

Griechenland plant „sanfte Restrukturierung“

Griechenland sucht ein Jahr nach der Beinahe-Pleite nach einem Halt im Schuldensumpf und plant laut Medienberichten eine freiwillige Restrukturierung. Die EZB glaubt, die Probleme des Landes seien so nicht zu lösen.

Die griechische Premierminister Georgios Papandreou kämpft gegen die Schuldenkrise seines Landes. Quelle: Reuters

Die griechische Premierminister Georgios Papandreou kämpft gegen die Schuldenkrise seines Landes.

BerlinDie griechische Regierung erwägt großen griechischen Zeitungen zufolge eine „sanfte Restrukturierung“ der erdrückenden Staatsschulden. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnte am Samstag dagegen vor der Illusion, mit einem Schuldenschnitt ließen sich die Probleme des Landes lösen. Der ehemalige Chefunterhändler Griechenlands bei der Euro-Einführung, Yannis Stournaras, forderte mehr Reformen - und warf der deutschen Regierung einen unklaren Kurs vor. 

Die Haushaltskrise des Landes hatte sich vor einem Jahr so sehr zugespitzt, dass die Regierung am 23. April ihre Euro-Partner um Finanzhilfen bitten musste. Ein eilig von den Euro-Ländern und dem IWF zusammengezimmertes Hilfspaket über 110 Milliarden Euro sichert den Griechen seitdem das finanzielle Überleben. Allerdings sind die Hilfsgelder im kommenden Jahr aufgebraucht. Das Land müsste sich dann wieder am Kapitalmarkt Geld borgen, was wegen noch immer horrender Zinsen derzeit bei Experten als unmöglich gilt: Für zehnjährige Papiere werden 15 Prozent fällig, für zweijährige Staatsanleihen sogar über 22 Prozent. 

An den Finanzmärkten wird deshalb seit Wochen mit einer Restrukturierung gerechnet, die den Schuldenberg von über 150 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung verkleinern helfen soll. 

Der deutsche Schuldenstand liegt nur etwas über 80 Prozent. 

Die auflagenstärkste Zeitung „Ta Nea“ berichtetet ohne Angaben von Quellen, die Regierung erwäge eine freiwillige Vereinbarung mit den privaten Gläubigern, die zu einer Streckung von Rückzahlungsfristen führen solle. Dies müsse vor 2012 geschehen, aber nicht vor Ende Oktober dieses Jahres, wenn EZB-Chef Jean-Claude Trichet aus dem Amt scheidet. Er ist ein entschiedener Gegner einer Schulden-Restrukturierung. Die Zeitung „Isotimia“ berichtete, die Rückzahlungsfristen für griechische Anleihen sollten um fünf Jahre verlängert werden. 

Die griechische Regierung hatte ähnliche Berichte bereits mehrfach zurückgewiesen und beteuert, die Gläubiger könnten mit einer fristgerechten Rückzahlung ihrer Ansprüche rechnen. 

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

23.04.2011, 11:49 Uhr

"Eine Schuldenreduzierung erscheine vielleicht als der einfache Weg, sie löse aber nicht die zugrundeliegenden Haushalts- und Strukturprobleme eines Landes."

1. Alternative:
Dann bleiebn die Schulden Konstant. Und damit sie an den Zinsen nicht zugrunde gehen, super super Sonderzins.

Kommentar:
Dann möchte ich aber auch keine Zinsen zahlen. Ich habe nämlich auch Schulden, aber Sicherheiten ohne Ende, echte Sicherheiten !



2. Alternative
Noch mehr Kredit, das macht den Bock jetzt auch nicht mehr Fett.


Kommentar:
Kein Kommentar.

RDA

23.04.2011, 13:08 Uhr

IWF und EU sollten Griechenland dazu zwingen, öffentlichen Grund und Boden zu verkaufen bzw. inflationsindexierte Grundpfandrechte darin einzutragen. Das würde auch die korrupteste griechische Regierung endlich dazu bringen, den Haushalt zu sanieren und die Schulden bis auf den letzten Cent zurückzuzahlen.

azaziel

23.04.2011, 13:09 Uhr

Die EZB ist gegen Umschuldung, weil sie viele Milliarden Griechenlandanleihen im Portfolio hat.

Bei einer Schuldenlast von 160% des BIP, steigenden Zinsen und sinkender Wirtschaftsleistung braucht man nicht einmal einen Taschenrechner: Griechenlands Schulden werden weit ueber die 160% des BIP steigen und kein Ende finden. Ohne Schuldenschnitt koennen konsequente Wirtschaftsreformen nicht funktionieren. Eine vollstaendige Rueckzahlung der Schulden ohne Umschuldung (Schuldenerlass plus Laufzeitverlaengerung plus Zinsnachlass) ist illusorisch. Woher also sollen die Mittel kommen um Griechenlands steigende Verschuldung zu finanzieren? Hilft man den Griechen, wenn deren Schulden immer weiter steigen?

Herr Stark, es ist sehr schade, dass Sie Ihren guten Ruf der politischen Raeson opfern muessen.

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