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01.09.2011

13:08 Uhr

Schuldenkrise

Griechische Sparziele in Gefahr

Weniger Einnahmen, höhere Ausgaben - angesichts schlechter Konjunkturdaten und schrumpfender Steuereinnahmen droht Griechenland seine Sparziele zu verfehlen. Kritik kommt derweil aus dem griechischen Finanzministerium.

Sorgenfalten auf dem Gesicht des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos. dapd

Sorgenfalten auf dem Gesicht des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos.

AthenGriechenland könnte wegen der schrumpfenden Wirtschaft und sinkender Steuereinnahmen die von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) gesetzten Sparziele verfehlen. Wenn sich die Finanzen des Landes so weiterentwickelten, drohe in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von etwa 8,8 Prozent, schätzt die zuständige Abteilung des griechischen Parlaments. Der Bericht lag der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag vor. Damit würde Griechenland das gesetzte Ziel, das Defizit auf 7,5 bis 7,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu drücken, verfehlen.

Bereits vergangene Woche hatte das Finanzministerium in Athen bekanntgegeben, dass in den ersten sieben Monaten des Jahres die Einnahmen des Staates um 1,9 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen sind. Die Ausgaben stiegen gleichzeitig um 2,7 Milliarden Euro an. Düster sind auch die Aussichten für die Konjunktur. Die Wirtschaftsleistung war im Vorjahr offiziellen Angaben zufolge um 4,5 Prozent zurückgegangen und wird nach neuesten Schätzungen in diesem Jahr um weitere fünf bis 5,5 Prozent schrumpfen.

In Athen findet zurzeit eine gründliche Kontrolle der Bücher statt. Mitarbeiter von EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) prüfen die Umsetzung des Spar- und Stabilisierungsprogramms, das mit Griechenland im Gegenzug für Milliardenhilfen vereinbart worden war. Griechische Medien berichten, sie kämen zu ähnlichen Erkenntnissen wie die Parlamentarier. Die „Troika“ aus EU, IWF und EZB fordere die strikte Einhaltung der Sparmaßnahmen wie etwa die Verschlankung des Staates, die ihrer Ansicht nach „nicht wie erwünscht“ vorankomme.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos soll nach Informationen aus Kreisen seines Ministeriums gegenüber der „Troika“ derweil immer wieder betonen, dass das Sparprogramm durch Investitionen und die Reduzierung der Steuersätze verstärkt werden müsse. Nur so könne die Wirtschaft wieder in Gang kommen. Die Mehrwertsteuer war innerhalb von zwei Jahren von 19 auf 21 und danach auf 23 Prozent gestiegen. Die konservative Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) betonte, die Sparmaßnahmen würgten die Wirtschaft ab. „Das Medikament ist gefährlicher als die Krankheit“, hieß es in einer Erklärung der Partei.

Die Prüfung der Bücher soll bis Anfang September andauern. Im September ist die nächste Tranche der EU/IWF-Hilfen für Griechenland in Höhe von acht Milliarden Euro fällig.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Oendler

01.09.2011, 13:56 Uhr

Defizit immer noch höher als geplantGriechen müssen nachsitzen
Die von EU und IWF verordnete Kur für den
###### schmeißt die schuldenmacher endlich vor die Tür ###


Schuldenpatienten Griechenland schlägt nicht an: Die Wirtschaft versinkt immer tiefer in der Rezession, die Staatseinnahmen sinken. Unklar ist, ob die vorgeschriebenen Sparziele überhaupt zu erreichen sind. In Athen wälzen Mitarbeiter von EU, IWF und EZB derzeit kräftig Bücher.

Kevin

01.09.2011, 14:03 Uhr

Ich kenne das Ergebnis der "strengen" Prüfung schon !
"Griechenland befindet sich auf einem guten Weg".
Das wird unseren Berliner Abnickverein beruhigen.
"The same procedure as last year" liebe Abgeordnete ?
"Aber nein"! "The same procedure as every year" liebe Steuerzahler.

Mahlzeit

01.09.2011, 14:16 Uhr

Total überraschend, Griechenland schafft die Sparziele nicht, Italien wirft kurz nach der Auktion seiner Staatsanleihen sämtlich Sparversprechen über Bord...total überraschend...aber nur für Merkel, Schäuble und den deutschen Polithampelmännern, jeder Mensch mit minimalen Hirnresten hat das kommen sehen!

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