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17.02.2015

13:08 Uhr

Schuldenkrise in Griechenland

Was nach dem „Grexit“ kommen würde

Der „Grexit“, das Ausscheiden Griechenlands aus der europäischen Währungsunion, scheint wahrscheinlicher denn je. Doch welche unmittelbaren Folgen hätte eine Rückkehr Griechenlands zur Drachme eigentlich?

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zum Grexit

„Griechenland muss aus dem Euro austreten!“

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zum Grexit: „Griechenland muss aus dem Euro austreten!“

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FrankfurtNach den geplatzten Verhandlungen zur Lösung der griechischen Schuldenkrise scheint ein „Grexit“ näher denn je. Um ein Ausscheiden aus der Euro-Zone zu verhindern, muss sich Griechenland bis Freitag mit seinen Gläubigern, den anderen Euro-Ländern, einigen. Der hoch verschuldete Mittelmeer-Anrainer könnte aber schon ab Mittwoch gezwungen sein, zur Drachme zurückzukehren, warnt Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank.

Dies könnte der Fall sein, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Vergabe von Notfallkrediten (ELA) an die Geschäftsbanken in Griechenland durch die heimische Notenbank nicht mehr genehmigt. Käme es zum "Grexit", müssen sich Investoren zumindest kurzfristig auf Turbulenzen an den Finanzmärkten einstellen.

Griechenland vor Staatspleite

Grexit - Märkte bleiben gelassen

Griechenland vor Staatspleite: Grexit - Märkte bleiben gelassen

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Eine Übersicht:

Aktienmärkte:

„Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone würde sicherlich erst einmal für eine Schrecksekunde am Aktienmarkt sorgen“, betont ein Händler. Folker Hellmeyer, Chef-Volkswirt der Bremer Landesbank, sagt für die ersten Tage danach einen Kursrutsch von fünf bis sieben Prozent des deutschen Leitindex Dax voraus. „Den werden wir in den folgenden vier Wochen aber wieder vollständig aufholen.“ Es stünden genügend Investoren bereit, die die Gelegenheit zum Einstieg nutzen dürften. An der Athener Börse müssen sich Anleger nach Einschätzung von Experten allerdings auf deutliche und langfristige Kursverluste einstellen.

Euro:

Der Euro dürfte einigen Börsenexperten zufolge unter die Räder kommen, weil im Falle eines „Grexit“ zusätzliche Staatsanleihenkäufe durch die EZB wahrscheinlicher würden. Dadurch würde das Zinsniveau in der Euro-Zone weiter gedrückt und der Abwertungsdruck auf die Gemeinschaftswährung steigen.

Mittelfristig sollte sich der Devisenmarkt aber wieder beruhigen, da ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone mittlerweile an Schrecken verloren hat. Vor allem die Reform des Bankensektors in der Euro-Zone, der die Institute deutlich krisenfester gemacht hat, und das Sicherheitsnetz der EZB sollten vor allzu großen Kursturbulenzen schützen.

Volkswirt Hellmeyer rechnet mit einem Kursrückgang des Euro auf maximal 1,08 Dollar von derzeit etwa 1,14 Dollar. Die Gemeinschaftswährung werde gestärkt aus einem „Grexit“ hervorgehen, betont er. „Die Achilles-Ferse Griechenland wäre dann aus dem Spiel.“

Anleihen:

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wird bei einem „Grexit“ nach einer Prognose der Commerzbank noch einmal deutlich fallen und damit der Nulllinie nahe kommen. Zuletzt warfen die Papiere nur noch 0,3 Prozent ab. Im Gegenzug sollten die Risikoaufschläge italienischer und spanischer Anleihen auf bis zu 200 Basispunkte steigen.

„Das liegt daran, dass das 'Ewigkeitsversprechen' der Währungsunion - es wird nie ein Land aus dem Euro austreten - nicht mehr geglaubt würde und mancher Investor eine Wiederholung des griechischen Szenarios in einem anderen Land befürchten würde“, erklärt Commerzbank-Analyst Christoph Weil.

Ein Risikoaufschlag von 200 Basispunkten ist aber kein Vergleich zum Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise 2012. Damals lagen die sogenannten Spreads bei jeweils rund 500 Basispunkten. Im Gegensatz zu damals haben Investoren heute im Hinterkopf: Die EZB wird mit ihrem im März beginnenden mehr als eine Billionen Euro schweren Anleihe-Ankaufprogramm mögliche Turbulenzen abfedern.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

17.02.2015, 14:39 Uhr

Niemand kann seriös vorhersagen, was wirklich nach einem Grexit geschehen wird.

Die beruhigenden Worte unserer Politiker, die uns einreden wollen, daß ein Grexit verschmerzbar sei, sind nicht mehr als Pfeifen im Walde. Es ist eine große Selbstüberschätzung, fast schon eine an infantile Omnipotenzphantasieen im Sinne Freuds erinnernde kranhafte Beeinträchtigung des Denkens, wenn Politiker meinen, sie könnten eine Krise immer unter Kontrolle halten. Wenn die Lawine einmal losgebrochen ist, kann sie nichts mehr aufhalten.

Es kann alles ganz harmlos ausgehen, es kann aber auch sehr, sehr schlimm werden.

Herr Peter Aue

17.02.2015, 14:44 Uhr

Die Folgen des Grexit wären die selben, wie ein Austritt aus der ehemaligen UdSSR: die Welt würde ein, zwei Jahre später erkennen, daß sich die ausgetretene Land außerhalb viel besser entwickelt. Es wäre das Ende des Euro, weil Regierungen in Ländern für die der Euro viel zu hart ist, wie P-I-S, die Globalistenzwingwährung nicht mehr schönreden könnten, wenn es in Griechenland mit der neuen schwachen Drachme massiv aufwärts ginge.

Herr Schwarzer Peter

17.02.2015, 14:51 Uhr

Eigentlich sollte ich ja nicht lachen...aber bei dem Foto muss ich es doch. Da bekommt der altgediente Ausdruck "Eulen nach Athen tragen" doch eine ganz andere Zusatzbedeutung, oder?!

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