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21.09.2011

16:10 Uhr

Schuldenkrise

IWF fordert Finanzspritzen für Europas Banken

Das Finanzsystem ist instabil wie seit 2008 nicht mehr: Um 300 Milliarden Euro haben sich die Risiken der Banken wegen der Euro-Krise laut IWF erhöht. Die Institute brauchen frisches Geld - notfalls auch durch Zwang.

Der Internationale Währungsfonds will über weitere Griechenland-Hilfen womöglich erst 2017 entscheiden. Selbst bei einer Zusage, fällt der Betrag womöglich kleiner aus, als ursprünglich geplant. dpa

Der Internationale Währungsfonds will über weitere Griechenland-Hilfen womöglich erst 2017 entscheiden. Selbst bei einer Zusage, fällt der Betrag womöglich kleiner aus, als ursprünglich geplant.

WashingtonEuropas Schuldendrama reißt bei den Geldhäusern des Kontinents enorme Löcher: Die Schuldenkrise hat die Risiken in den Büchern europäischer Banken nach einem IWF-Bericht um schätzungsweise 300 Milliarden Euro erhöht. Daher sei eine Rekapitalisierung dringend erforderlich, um potenzielle Verluste ausgleichen zu können, heißt es im halbjährlichen Globalen Finanzstabilitätsbericht, den der Internationale Währungsfonds am Mittwoch veröffentlichte.

Das globale Finanzsystem sei so verwundbar wie seit 2008 nicht mehr, heißt es in dem Bericht. Die Risiken für die Finanzstabilität hätten sich „substanziell“ erhöht, schreiben die Experten des Fonds. Dies gelte nicht nur für Europa, der Schaden könne auch auf Institute in Schwellenländern übergreifen. Die Zahl von 300 Milliarden Euro beinhalte den Rückgang der Vermögenswerte und den Anstieg der Refinanzierungskosten. Der Kapitalbedarf europäischer Banken sei indes nicht ermittelt worden. Dies würde einen umfassenden eigenen Stresstest erfordern. Der Fonds unterstreicht damit, dass die genannten Summen nicht einen Kapitalbedarf der europäischen Banken darstellten, sondern lediglich ein Risiko.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

IWF

Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

ESM (Bareinzahlung)

Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

ESM (Bürgschaften)

Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

IWF-Rettungsplan für Griechenland

Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

Gesamt

Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

200 Milliarden davon rührten direkt von Beständen an Anleihen von Schuldenstaaten her, heißt es in dem Bericht. Weitere etwa 100 Milliarden Euro kämen noch einmal durch Finanzverbindungen von Geldhäusern untereinander dazu. Einige Banken hätten bereits den Zugang zu privaten Kapitalquellen verloren, befindet der Bericht. Dadurch erhöhe sich das Risiko neuer Kreditengpässe und Gefahren für das Wirtschaftswachstum. Um gegenzusteuern, müsse die Politik „glaubhafte Strategien“ zum Schuldenabbau vorlegen und die Belastbarkeit der Banken erhöhen.  

Der IWF betrachtete für die Berechnung der direkten Belastungen der Banken durch die Schuldenkrise die Veränderungen bei Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Staatsanleihen der ursprünglichen Problemländer Griechenland, Irland und Portugal, aber auch Belgien, Italien und Spanien seit 2010. Über diesen Weg kalkulierten die Fonds-Experten die Anleihewerte nach Marktpreisen.

In der Eurozone habe politischer Streit innerhalb von Ländern wie auch zwischen Staaten, die Hilfestellung leisten, eine dauerhafte Lösung behindert, kritisiert der Weltwährungsfonds weiter. In den USA wüchsen unterdessen die Zweifel, ob die Politik in Washington zu einer Einigung auf eine mittelfristige Haushaltskonsolidierung imstande sei - ein Schritt, der für die globale Stabilität von entscheidender Bedeutung sei. Dieses „schwache Politik- und Finanzmarktumfeld“ lasse die Sorge um Ausfallrisiken wachsen. „Die Risiken sind größer geworden, und die Zeit läuft ab, um Schwachpunkte anzugehen, die das globale Finanzsystem und die Konjunkturerholung gefährden.“  

Mit Blick auf die europäischen Banken hatte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard erst am Dienstag die Haltung des Weltwährungsfonds bekräftigt, Banken notfalls auch zwangsweise mit öffentlichem Kapital zu versorgen. Es wäre immer der wünschenswertere Weg, wenn Geldhäuser frisches Kapital aus privaten Quellen erhielten, erklärte Blanchard in Washington. Komme es aber nicht dazu, „macht es Sinn, sie (die Banken) dazu zu zwingen, öffentliche Mittel zu akzeptieren“.

Der Vorschlag war in der Bankenwelt auf entschiedene Kritik gestoßen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hatte am Dienstag in Brüssel erklärt, noch mehr europäische Banken benötigten frisches Geld. Die Lücke gehe über die neun Geldhäuser hinaus, die bei den europaweiten Stresstests im Juli durchgefallen waren und nun ihr Eigenkapital aufstocken müssten. An den Finanzmärkten kursieren schon länger Befürchtungen, dass eine Pleite des Schuldensünders Griechenland enorme Löcher in die Bilanzen europäischer Geldhäuser - vor allem in Frankreich und Italien - reißen könnte.

Kommentare (14)

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Philosoph

21.09.2011, 16:19 Uhr

Madame Lagard soll doch bitte die Klappe halten und sich den Gerichten in ihrem Heimatland stellen...

vivarium

21.09.2011, 16:44 Uhr

Warum ?
Was sie sagt, steht doch an.

nik

21.09.2011, 17:04 Uhr

"IWF fordert Finanzspritzen für Europas Banken"

....aber das die bekommen doch schon kontinuierlich Finanzspritzen ;D, mal verdeckt mal weniger verdeckt. Siehe Griechenland Bailout und franz. und dt. Banken....

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