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24.07.2012

15:07 Uhr

Schuldenkrise

Katalonien erwägt Finanzhilfe

Verwirrung in Barcelona: Kurz nachdem ein Beauftragter Kataloniens ankündigte, die Region werde Finanzhilfen beantragen, hat eine Regierungssprecherin dies dementiert. Es sei nur „eine Möglichkeit, die geprüft wird“.

Zwei Frauen betteln vor einer Kirche in Barcelona. dapd

Zwei Frauen betteln vor einer Kirche in Barcelona.

London/Madrid/FrankfurtEine Sprecherin der Regierung Kataloniens hat die Aussagen des zuständigen Wirtschaftsbeauftragten relativiert, wonach die Region Finanzhilfe in Madrid beantragen wird. Katalonien habe dies noch nicht entschieden, doch sei dies "eine Möglichkeit, die geprüft wird", sagte die Sprecherin am Dienstag. Sie räumte ein, dass Katalonien seit einem Jahr erhebliche Finanzierungsengpässe habe.

Zuvor hatte der Beauftragte der zweitstärksten Wirtschaftsregion Spaniens, Andreu Mas-Colell, dem britischen Sender BBC gesagt, Katalonien verfüge über keine andere Bank als die spanische Regierung und werde Finanzhilfen beantragen.

"Jeder weiß, wie es auf den Märkten aussieht", sagte Mas-Colell. Es sei "normal", dass sich Katalonien an die "Bankendienste" der Zentralregierung wende. Die Region Katalonien legt traditionell auf eine große Unabhängigkeit von der Zentralregierung Wert. Die aktuelle Regionalregierung wird von katalanischen Nationalisten beherrscht.

Die Schulden der spanischen Regionen

Tiefe Haushaltslöcher zu stopfen

Die 17 autonomen Regionen Spaniens müssen in diesem Jahr etwa 36 Milliarden Euro ihrer fällig werdenden Verbindlichkeiten refinanzieren und rund 15 Milliarden Euro aufbringen, um ihre Haushaltslöcher zu stopfen. Die Lokalregierungen sind praktisch von den Finanzmärkten ausgeschlossen, da sie die derzeit fast unhaltbar hohen spanischen Renditen nicht tragen können. Nachfolgend ein Überblick über die Lage der Regionen.

Murcia

Der Präsident der Provinz an der südöstlichen Küste signalisierte ein Hilfegesuch an die Zentralregierung. „Um ihnen eine Idee zu geben, wir würden um 200 bis 300 Millionen Euro bitten“, sagte Ramon Luis Valcarcel in einem Zeitungsinterview. In der zweiten Jahreshälfte muss die Provinz 430 Millionen Euro an frischem Geld einsammeln. Sie steht mit insgesamt 2,8 Milliarden Euro in der Kreide.

Valencia

Die östliche Provinz hat als erste die Regierung um Finanzhilfe gebeten. Vorausgegangen war der Zusammenbruch regionaler Banken, vor allem wegen einer geplatzten Immobilienblase. Valencia muss im November und Dezember zwei große Anleihen an Gläubiger zurückzahlen. Der Refinanzierungsbedarf beläuft sich im zweiten Halbjahr auf 2,882 Milliarden Euro. Insgesamt ist Valencia mit 20,8 Milliarden Euro verschuldet.

Katalonien

Die wirtschaftlich stärkste Region hat auch den höchsten Schuldenberg. Er beläuft sich auf 41,8 Milliarden Euro. Im zweiten Halbjahr muss sich Katalonien 5,755 Milliarden Euro leihen, um seinen Finanzbedarf zu decken. „Wir arbeiten sehr hart daran, unsere Rechnungen normal zu begleichen, aber der Druck ist sehr groß, weil die Märkte für uns geschlossen sind“, sagte Wirtschaftsminister Andreu Mas-Colell.

Kastilien-La-Mancha

Die Zentralregion hat bereits Zahlungsschwierigkeiten angedeutet. Sie ist für einen Finanzierungsmechanismus, der die Regionen stabilisieren soll. 704 Millionen Euro muss Castilla bis Ende des Jahres auftreiben. Der Schuldenstand beträgt 6,6 Milliarden Euro.

Kanarische Inseln

Die Urlaubsregion muss sich in der zweiten Jahreshälfte doppelt so viel Geld leihen wie im ersten Halbjahr - insgesamt 522 Millionen Euro. Die Inselgruppe ist mit 3,7 Milliarden Euro verschuldet.

Andalusien

Die größte Region hat eine der höchsten Arbeitslosenquoten Spaniens. Nach den Worten seines Vizepremiers ist Andalusien derzeit nicht auf Hilfsgelder angewiesen und hat eine vergleichsweise geringe Pro-Kopf-Verschuldung. Im dritten und viertel Quartal muss sich Andalusien 1,61 Milliarden Euro leihen. Die Gesamtverschuldung beträgt 14,3 Milliarden Euro.

Balearen

Bislang ist die Regionalregierung gegen Hilfsgelder. Die Pro-Kopf-Verschuldung der Balearen ist eine der höchsten Spaniens. Bis Jahresende muss die Region 212 Millionen Euro auftreiben. Die Schulden belaufen sich auf 4,4 Milliarden Euro.

Extremadura

Die Region im Südwesten gehört zu den ärmsten Gegenden Spaniens. Ihr Präsident lehnt Finanzspritzen ab. In der zweiten Jahreshälfte benötigt Extremadura 115,5 Millionen Euro an frischem Geld. Die Schulden summieren sich auf mehr als zwei Milliarden Euro.

Asturien

Die kleine nördliche Region, in der die Bergarbeiter kürzlich gegen die Sparpläne der Regierung streikten, will sich allein finanzieren. 74,4 Millionen Euro benötigt Asturien bis zum 31. Dezember. Die Schulden belaufen sich auf 2,1 Milliarden Euro.

La Rioja

940 Millionen Euro muss die Region bis Jahresende auftreiben. Der Schuldenstand ist mit 900 Millionen Euro der niedrigste aller Regionen.

Kastilien und Leon

Gemeinsam mit Extremadura hat die Region gegen die neuen Defizitziele der Regierung aufbegehrt. 248 Millionen Euro benötigt sie bis Jahresende, bei einem Schuldenstand von 5,5 Milliarden Euro.

Madrid

Die Hauptstadt hat nach Angaben ihres Sprechers den gesamten Finanzbedarf für dieses Jahr bereits gedeckt. Die nach Katalonien wirtschaftlich zweitstärkste Region hat Schulden in Höhe von 15,5 Milliarden Euro.

Andere

Navarra, Galicien, Kantabrien, Aragonien und das Baskenland müssen sich in diesem Jahr kaum noch frisches Geld besorgen. Ihre Finanzen sich vergleichsweise gesund.

Laut der Webseite El Confidencial beläuft sich der Schuldenstand Kataloniens insgesamt auf rund 48 Milliarden Euro. Davon müssen im Laufe des Jahres 2012 laut El Confidencial fast 13,5 Milliarden Euro refinanziert werden.

Valencia und Murcia haben bereits angekündigt, Geld aus einem kurzfristig eingerichteten nationalen Rettungsfonds zu benötigen. Am Freitag folgte dann die offizielle Anfrage Valencias bei der Regierung, bei der Region Murcia steht dieser Schritt noch aus. Katalonien gilt als wichtiger Dominostein für das Land und hat sich bereits im Mai als Rettungskandidat ins Gespräch gebracht.

Spanische Medien berichten über insgesamt sieben Regionen, die sich in akuten Finanznöten befinden und Hilfsanträge stellen könnten: Neben Valencia, Murcia und Katalonien soll es sich um Kastilien La Mancha sowie die Balearen, die Kanaren und Andalusien handeln.

Für Spaniens rezessionsgeplagten Staatshaushalt wäre das zwar ein weiterer Kraftakt. Allerdings soll es zunächst um Größenordnungen gehen, die sich gegenüber den immensen Hilfsgeldern für die Banken vergleichsweise bescheiden ausnehmen. Valencia soll über zwei Milliarden Euro erhalten, Murcia muss in der zweiten Hälfte des Jahres 433 Millionen Euro an auslaufenden Schulden tilgen und bei Katalonien soll es dem Zeitungsbericht nach um eine Finanzlücke von 3,5 Milliarden Euro gehen.

Kommentare (1)

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pro-d

24.07.2012, 15:26 Uhr

Schade, keine Land da, was man ausplündern kann?

Hat man doch über Jahrhunderte seien Kolonieren ausgeraubt und die Bevölkerung mit Massaker gefügig gemacht. Und nun auf einmal soll das nicht mehr gehen.

Der Löwe frisst doch auch das Lamm.
(...)
+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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