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01.02.2011

11:51 Uhr

Schuldenkrise

„Lügenbaron Münchhausen ist kein guter Ratgeber“

VonHeike Anger

ExklusivPolitik und Finanzsektor sollten erkennen, dass Griechenland an einer Umschuldung nicht vorbeikommt, meint der Experte für internationale Finanzmärkte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, Heribert Dieter. Dabei setzt er auch auf das "schlechte Gedächtnis" der Finanzmärkte.

Heribert Dieter ist Experte für internationale Finanzmärkte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Pressebild

Heribert Dieter ist Experte für internationale Finanzmärkte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

Wie schätzen Sie die Lage Griechenlands derzeit ein?

Anders als im Frühjahr 2010 von den Befürwortern von Hilfsmaßnahmen für Athen propagiert werden die bisherigen Hilfen nicht ausreichen, um die griechische Staatsverschuldung abzubauen und auf ein tragfähiges Maß zu reduzieren. Die OECD prognostiziert eine staatliche Verschuldung von 142 Prozent der Wirtschaftsleistung Ende 2012, weit oberhalb des als gerade noch erträglich erscheinenden Wertes von 90 Prozent.

Wie kann Griechenland seine Verschuldung abbauen?

Eine Reduzierung der Verschuldung kann konventionell auf zwei Wegen erreicht werden. Der erste ist der Königsweg: Eine Volkswirtschaft wächst so rasch, dass die Verschuldung nicht absolut, aber relativ zur Wirtschaftsleistung abgebaut wird. Diesen Weg beschritten die USA, um die hohe Verschuldung des amerikanischen Staates in Höhe von rund 115 Prozent des BIP im Jahr 1950 abzubauen. Der zweite, schwierige Weg erfordert eine Streichung eines Teils der Schulden durch die Gläubiger. Für Griechenland scheint nur dieser Weg offen zu stehen, und fraglos ist diese Art der Reduzierung der Schuldenlast risikoreich und schmerzhaft.

Die Politiker in Europa scheinen das anders zu sehen...

In Europa hoffen einige Politiker auf Umschuldungsverhandlungen, an denen vermutlich auch die staatlichen Gläubiger Griechenlands einschließlich der EZB teilnehmen müssten, verzichten zu können. Erhofft wird, dass sich Griechenland selbst am eigenen Zopf aus dem Schuldensumpf befreien könnte. Mit neuen Krediten, etwa vom europäischen Rettungsschirm, könnte Athen die eigenen Anleihen zum Marktwert kaufen. Da dieser bei etwa 70 Prozent des Nennwerts liegt, wäre das Land mit einem eleganten Verfahren vor dem Staatsbankrott gerettet. Leider ist dies Wunschdenken und würde in der Praxis nicht funktionieren. Lügenbaron Münchhausen ist kein guter Ratgeber für Schuldenkrisen.

Warum Wunschdenken?

Das erste Problem ist, dass ein immer kleinerer Teil der griechischen Staatsschuld in privater Hand ist. Soll diese Entschuldung funktionieren, müssten auch der IWF und die europäischen Kreditgeber auf Forderungen verzichten. Für den IWF wäre dies Neuland. Und es ist nicht zu erwarten, dass die USA und andere Staaten diesem Forderungsverzicht durch den Fonds zustimmen würden. Zweitens reflektieren die Marktpreise für griechische Anleihen nur eine Momentaufnahme. Nicht alle Besitzer von griechischen Anleihen dürften bereit sein, zum Marktwert zu verkaufen. Die Einschätzung, die Umschuldung Griechenlands sei von den Märkten bereits eingepreist, verkennt diesen Aspekt. Drittens schließlich wird schon durch die öffentliche Debatte ein Anreiz geliefert, eigene Anleihen nicht zu verkaufen. Je mehr Anleihebesitzer der Münchhausen-Logik folgen würden, desto lukrativer wäre es für andere, ihre Anleihen eben nicht zu verkaufen und auf Rückzahlung zum Nennwert zu hoffen.

Kommentare (5)

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Methusalix

01.02.2011, 13:26 Uhr

ich finde es schon sehr heftig , dass Sie schreiben : Für eine Umschuldung seien nicht genügend private Anleger dabei !!! Und : Mit Zahlungsausfällen ( a la Argentinien ) hat der iWF keine Erfahrung .
Offensichtlich wird hier nur beabsichtigt ahnungslose Private in der Masse abzuschöpfen wie Freiwild ...
Das bedeutet letztlich : Keinen Cent für die Schuldenländer , alle Privatleute sollten tunlichst die Finger davon lassen , denn sie stünden sonst allein im Regen . Die Schuldenmacher sind die ignoranten Politiker die von den Gemeinen über die bezirke , Länder , bund und Europa nie mit dem ihnen anvertrauten Geld auskommen. Ab in kleinteilige Sachwerte !!!! Die steigen übrigens auch mit der inflation ...

Leertasche

01.02.2011, 13:46 Uhr

Stimmt, ..., ..., was wollte ich noch mal sagen?
bLUPP!
und
PAPPERLAPAPP - GRiECHENLAND iST PLEiTE !

Dieser Euro-Schwachsinn

01.02.2011, 14:38 Uhr

wird vielleicht noch einige Zeit halten. Untergehen wird dieses ungeliebte Kunstprodukt dennoch. GR und bRD in einer Währungsunion ist ein Verbrechen an den bevölkerungen. Da helfen noch so viele politische Statements über das "nicht aufgeben" wollen und die "Alternativlosigkeit" auch nicht weiter.

RAUS AUS DEM EURO UND DER EU!!!
Wieso soll der deutsche Steuerzahler für alles bezahlen??? Wir haben das Desaster nicht zu verantworten!!!

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