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12.02.2017

10:27 Uhr

Schuldenkrise

Nichts geht mehr in Griechenland

Für Griechenland läuft mal wieder ein Countdown – ohne Finanzspritzen droht im Sommer erneut die Pleite. Doch gefangen zwischen Gläubigern und Wirtschaftsflaute kann das Land weder vor noch zurück.

Eurokrise

Tsipras: „Schäuble spielt mit dem Feuer“

Eurokrise: Tsipras: „Schäuble spielt mit dem Feuer“

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Athen/BrüsselSelbst den sonst so metapher-freudigen griechischen Medien fällt langsam nichts mehr ein. Die Situation ist kein gordischer Knoten, den man zerschlagen könnte; keine Odyssee, die mit Mut und Glück zu bewältigen wäre, kein trojanisches Pferd, mit dem man trickst. Die Lage ist aussichtslos – so jedenfalls empfinden es die Griechen, die trotz oder gerade wegen der unzähligen Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre nicht auf die Beine kommen. Stattdessen macht wieder das Schreckgespenst „Grexit“ die Runde.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht nicht ganz so schwarz. Die Washingtoner Experten attestieren den Griechen, viel geschafft zu haben. Die Volkswirtschaft sei auf Wachstumskurs, im laufenden Jahr soll es um 2,7 Prozent nach oben gehen, wenngleich von niedrigem Ausgangsniveau. Doch auch der IWF warnt: „Wir sind es nicht, die mehr Austerität verlangen“, heißt es. Wenn Griechenland noch mehr spare als jetzt schon, werde sich das Wachstum verlangsamen, was sich wiederum auf den Schuldenabbau auswirkt.

Griechenlands Schuldenkrise in Zahlen

2012: Staatsverschuldung

305,1 Milliarden Euro (160% des BIP)

2012: Haushaltsdefizit

16,9 Milliarden Euro (8,8% des BIP)

2013: Staatsverschuldung

320,5 Milliarden Euro (178% des BIP)

2013: Haushaltsdefizit

23,5 Milliarden Euro (13% des BIP)

2014: Staatsverschuldung

319,7 Milliarden Euro (180% des BIP)

2014: Haushaltsdefizit

6,5 Milliarden Euro (3,6% des BIP)

2015: Staatsverschuldung

311,5 Milliarden Euro (177% des BIP)

2015: Haushaltsdefizit

12,8 Milliarden Euro (12,8% des BIP)

Als einer der internationalen Gläubiger Griechenlands ist sich der IWF keinesfalls einig mit den anderen Geldgebern. Der IWF glaubt, die griechische Schuldenlast von über 300 Milliarden Euro sei langfristig nicht aus eigener Kraft zu bewältigen. Zudem hält er die Annahme der europäischen Gläubiger für utopisch, Griechenland könne in den kommenden Jahren konstant einen Primärüberschuss (ohne Kreditlast) von 3,5 Prozent erreichen.

Doch für den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kommt ein Schuldenerlass für Griechenland – zumal vor der Bundestagswahl im Herbst – nicht in Frage. Wenn der IWF jedoch aussteige, ginge es ebenfalls nicht, denn dann müsse man weitere Hilfen erneut vom Bundestag absegnen lassen, heißt es aus dem Bundesfinanzministerium.

Derweil jongliert Ministerpräsident Alexis Tsipras, was das Zeug hält. Hatte er seinem Volk noch vor zwei Jahren versprochen, dem Gläubigerzwang ein Ende zu bereiten, setzte er in der Folge unzählige Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen durch. Allein zum Jahresbeginn 2017 stiegen die Abgaben auf Benzin, Kaffee, Tabak, Mobiltelefonie und Festnetz. Die Mehrwertsteuer wurde ebenso erhöht wie die Abgaben vor allem der Freiberufler für Krankenversicherung und Rente.

Drittes Griechenland-Hilfsprogramm: Die Unsicherheit nimmt zu

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Die Unsicherheit nimmt zu

Berichte über mögliche Grexit-Bemühungen sorgen für Spekulationen. Angeblich möchte sich der IWF nicht mehr an der Griechenland-Rettung beteiligen. Bundesfinanzminister Schäuble versucht, die Situation zu beruhigen.

Überhaupt, Rente – die Zahl der direkten und indirekten Rentenkürzungen kann in Griechenland nur noch geschätzt werden. Über den Daumen gepeilt dürften die Rentner in den vergangenen Jahren rund 15 Mal angegangen worden sein, viele Menschen erhalten heute weniger als 50 Prozent der ursprünglich anvisierten Zahlungen.

Und so ist die Bevölkerung mit ihrer Geduld am Ende. Konsum und Binnenkonjunktur sind am Boden, die Investitionen tendieren gegen Null, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch. Jene jungen Menschen, die überhaupt Arbeit finden, verdienen meist nur den Mindestlohn von 486 Euro pro Monat. Auch die Rentner, die in vielen Fällen ihre Familien unterstützten, können wegen der Kürzungen kaum helfen.

Kommentare (2)

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Unbekannt

13.02.2017, 11:10 Uhr

Handlungsfähigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass man Alternativen definiert, unter denen man wählen und dann entscheiden kann.

Diese Weisheit hat auch Herr Tsipras verstanden, indem er seine "Optionen" zur Diskussion stellt.

Diese Weisheit hat auch Graf Lambsdorf begriffen und bietet den Griechen an, sie in aller Freundschaft und mit unserer Hilfe aus dem Euro zu begleiten.

Nur Frau Merkel repräsentiert mit ihrer institutionalisierten Alternativlosigkeit die Handlungsunfähigkeit in Perfektion. Warum merkt das in der CDU/CSU niemand?

Unsere Partner in der Welt haben das schon lange begriffen.


Frau Nelly Sachse

14.02.2017, 11:59 Uhr

Das Spielchen: Reformen und Rettungspakete geht in die nächste Runde und dreht sich weiterhin im Kreis.
Da jeder weiß, wie alles ausgeht, wirds langweilig. Deshalb am besten einen Dauerauftrag bei der EZB einrichten: Eine bestimmte Summe - vierteljährlich - an GR überweisen, damit der Staat mit seinen minimalen Einnahmen und maximalen Ausgaben aufrecht erhalten werden kann. Das ganze Theater und Scheingefecht bliebe somit allen erspart.

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