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26.04.2012

17:54 Uhr

Schuldenkrise

Nobelpreisträger zerrupft europäische Sparstrategie

Der strikte Sparkurs, den die meisten europäischen Länder einschlagen wollen, wird keine Früchte tragen. So urteilt Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und kritisiert damit die Haltung der deutschen Regierung.

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. dapd

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz.

WienWenn in der Euro-Zone der strenge Kurs der Sparsamkeit fortgesetzt wird, droht der Gemeinschaftswährung das Ende. „Europa wäre auf dem Weg in den Selbstmord“, sagte der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz am Donnerstag in Wien. Es sei eine „tödliche Kombination“, dass die einzelnen Mitgliedsstaaten der Euro-Zone die Verantwortung für die Geldpolitik an die Europäische Zentralbank (EZB) abgetreten hätten und nur noch für die eigene Haushalts- und Steuerpolitik verantwortlich seien, aber über keine eigene Währungen mehr verfügten.

Europas Politiker müssten jetzt endlich erkennen, dass die Staaten der Euro-Zone eine klare Wachstumsstrategie bräuchten. „Wenn die Wirtschaft schrumpft, kann das staatliche Haushaltsdefizit nur größer werden“, warnte der Nobelpreisträger. Die vor allem von Deutschland geforderte Politik der Sparsamkeit vergrößere im Umkehrschluss nur die wirtschaftlichen Probleme der schwächeren Mitgliedsstaaten.

Hilfen der EZB

Staatsanleihekäufe

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Mai 2010 auf dem Sekundärmarkt - also von der Finanzbranche - Staatsanleihen oder Peripherieländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien im Wert von 214 Milliarden Euro gekauft und damit die Risikoprämien für Bonds dieser Länder gesenkt.

Dreijahrestender

Im Dezember und Februar haben die Frankfurter Währungshüter den Bankensektor mit mehr als einer Billion Euro geflutet. Der Zins auf die Kredite beträgt ein Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren. Die Banken investierten die Gelder teilweise in höher verzinste Anleihen.

Sicherheiten

Die Anforderungen an die Sicherheiten, die von Banken für EZB-Kredite von der Notenbank zu hinterlegen sind, wurden im Verlauf der Krise sukzessive gesenkt und erhöhten so die Liquidität der Banken im Euro-Raum.

Auch in den USA würden immer wieder Fehler in der Wirtschaftspolitik gemacht. Aber das europäische Modell sei derzeit eindeutig der schlechtere ökonomische Ansatz und führe zu schwerwiegenden Konsequenzen. Strenge Sparsamkeit führe nur bei kleineren Ländern zu Erfolg, die von starken Volkswirtschaften umgeben seien. In der Euro-Zone würden derzeit aber fast alle Staaten in die Rezession getrieben. Zudem besäßen die USA den Vorteil, nie Bankrott gehen zu können, weil die amerikanische Regierung im Zweifel immer Zugriff auf die Notenpresse habe. Mit der Trennung zwischen Geld- und Fiskalpolitik gehe das in der Euro-Zone gerade nicht.

Wirtschaftliche starke Länder wie Deutschland sollten einen wirtschaftspolitisch expansiven Kurs fahren. Die Bundesrepublik etwa könne derzeit zu extrem günstigen Konditionen Schulden aufnehmen und mit diesem Geld Infrastrukturprojekte finanzieren. Andere Staaten in der Euro-Zone würden davon profitieren. Institutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) würden außerdem nicht ausreichend genutzt, um die Volkswirtschaften wieder anzukurbeln. „Europa könnte eine ganze Menge für das Wachstum tun, doch von den Politikern höre ich leider nichts“, sagte Stiglitz.

Der Wissenschaftler warnte vor dem sozialpolitischen Sprengstoff in Ländern wie Spanien mit einer Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 50 Prozent. „Eine ganze Generation muss unnötig leiden“, betonte er. Die Politiker wie etwa in Spanien könnten wegen der wachsenden sozialen Probleme den einzigen Ausweg im Austritt aus der Euro-Zone sehen.

Von

zel

Kommentare (73)

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Account gelöscht!

26.04.2012, 18:03 Uhr

Rauchen ist gesund! sagt Dr. Marlboro

Account gelöscht!

26.04.2012, 18:21 Uhr

"Zudem besäßen die USA den Vorteil, nie Bankrott gehen zu können, weil die amerikanische Regierung im Zweifel immer Zugriff auf die Notenpresse habe."

So eine Politik als Vorteil zu sehen, sagt ja schon alles. Sagenhaft auch warum diese ganzen US-Genies es nicht geschafften, das dortige Wirtschafts- und Finanzchaos zu vermeiden, ja es geradezu herbeigefuehrt haben.

BITTE Stigliz, Krugman und Konsorten - beschraenkt auch auf die Vernichtung Eurer USA.

Account gelöscht!

26.04.2012, 18:22 Uhr

Dann machen wir doch lieber weiter Schulden, darin sind die Krisenländer ja geübt! Und in zwei Jahren spielen wir lustig Hyperinflation und eine Neuauflage des lustigen Stelldichein von fackeltragenden Nationalisten. Haben wir irgendentwas aus der Geschichte gelernt? Waren das alles nur Sonntagsreden? Was ist mit unseren Eliten los???

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