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14.10.2011

14:39 Uhr

Schuldenkrise

Ohne Zwangskapitalisierung der Banken geht es nicht

VonFlorian Kolf

Eine fatale Allianz von Politik und Banken hat die Eurokrise verschärft, nun streiten sie, wer die Zeche zahlt. Doch nur eine Zwangskapitalisierung großer Banken macht den Schuldenschnitt für Athen möglich. Ein Kommentar

Die Bankenhochhäuser von Frankfurt. dpa

Die Bankenhochhäuser von Frankfurt.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble liefern sich zurzeit ein sehenswertes Duell. Erst tönte Schäuble, er werde dafür sorgen, dass alle systemrelevanten Banken ausreichend Kapital bekommen, „auch wenn dies nicht allen Banken gefällt“. Ackermann wurde im Gegenzug grundsätzlich. Er habe Zweifel, „ob die Politik überhaupt noch in der Lage ist, die Krise dauerhaft zu lösen.“

Eine Zweckehe driftet ab in den Rosenkrieg. Denn es war ja gerade die fatale Allianz zwischen Politik und Kreditwirtschaft, die die jetzige kritische Situation herbeigeführt hat – und die Banken können nicht sagen, dass sie damit nicht lange Zeit sehr komfortabel gelebt haben. Fast alle europäischen Staaten haben jahrelang hemmungslos über ihre Verhältnisse gelebt und bereitwillig das Geld der Banken angenommen. Deswegen hat bis jetzt auch keine Regierung etwas daran geändert, dass Banken für Staatsanleihen kein Eigenkapital hinterlegen müssen.

Mindestens genau so profitiert haben die Banken. Sie haben sich mit Staatsanleihen vollgesogen und damit fast risikolos hohe Gewinne gemacht. Sie waren die eigentlichen Nutznießer der Staatsverschuldung.

Dass sich die Banken jetzt auf den Standpunkt zurückziehen, die Politik habe ihnen ja immer versichert, die Staatsanleihen könnten gar nicht ausfallen und sich so zum armen Opfer stilisieren, ist nicht nur gespielt naiv, das ist frech. Schon jeder einigermaßen interessierte Zeitungsleser weiß seit mehr als einem Jahr, dass Bonds aus Griechenland, Portugal oder Italien nicht ohne Risiko sind – und deshalb selbstverständlich mit Eigenkapital hinterlegt werden müssten.

Großbanken wie die Deutsche Bank, die sich nicht zu unrecht ihres hervorragenden Risikomanagements rühmt, müssten diese Erkenntnis schon viel länger haben. Das lässt nur einen Schluss zu: Viele Banken haben sich schlicht darauf verlassen, dass die starken Eurostaaten entweder ihre verschuldeten Nachbarn, wenn nicht gleich die Banken selber im Notfall rauspauken.

Kommentare (19)

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AlexM3

14.10.2011, 14:55 Uhr

Der Kommentar lässt leider eine wesentliche Tatsache aussen vor: das die Banken, die fahrlässig gehandelt und jetzt in einer riskanten Lage sind, eben nicht "die Banken" im allgemeinen (also private Banken), sondern die Banken in staatlichem oder kommunalem Besitz sind, was sowohl für D als auch für F gilt, wo bei Dexia nicht erwähnt wird, das dieses Unternehmen bereits vor seit jahren zu über 40% den französischen und belgischen Staaten, Kommunen und Beamtenpensionsfonds gehört und von diesen in die Fehlinvestitionen getrieben wurde. Das Ziel staatlicher Investitionen ist auch jetzt keineswgs Sicherheit, sondern das Erzwingen weiter Kredite an die europäischen Staaten durch deren Kontrolle der Banken. Die Deutsche Bank kann sehr wohl einen sogar über 50%igen Schuldenschnitt gut verkraften - und andere unabhängige Banken auch - aber die Landesbanken etc. haben massive Probleme. Aber man kann diese nicht ohne irren Gesichtsverlust rekapitalisieren, ohne gleichzeitig auch den gesunden Banken Geld aufzuzwingen. Deshalb wollen Schäuble und Co. das durchsetzen. Ackermann kann es leider nicht perfekt kommunizieren, weil das Verständnis der Lage etwas mehr als die TV-üblichen 5 Sekunden erfordert. Ein Handelsblatt-Autor sollte aber mMn nicht auf die Desinformationskampagne hereinfallen.

lowabras

14.10.2011, 15:04 Uhr

Wenn die Politiker IHREN Job gemacht hätten und nicht den der Banken, dann hätten wir die ganze Katastrophe nicht.
Wieso braucht eui Staat, der die Autonomie über das Geldsystem hat, private Banken um an Geld zu kommen und zahlt dafür an die Oligarchen Wucherzinsen, für was? Geld das sie sich dort leihen, wird erst durch Knopfdruck dort erzeugt und als Buchungsgeld zur Verfügung gestellt. Geld entsteht ausschließlich durch Schulden, ansonsten gäbe es kein Geld und das ist das Geheimnis der Plutokratie in privater Hand. Welche Regierung kann sich bei den horrenden Schulden denn noch gegen diese Gläubiger wehren? Ist absolut nicht möglich, denn wenn die den Hahn zudrehen, ist bingo! Dann müßten die Staaten die Geldhoheit realisieren, was sie nicht können, weil ihnen die Infrastrukturen fehlen.
Staatspleiten, Abwicklung der Banken durch Konkurs, Übernahme der dortigen Assets und Weiterführung des Bankbetriebes ausschließlich für die Wirtschaftsfinanzierung, was ihre ursprüngliche Aufgabe war, sonst nichts!
Seit Jahren jonglieren sie mit dem 40-fachen Kapital die Wetten und verdienen sich dusselig, wodurch kaum noch Geld zur Verfügung gestellt wird für die ursprünglichen Aufgaben, weil mit Krediten weniger zu verdienen ist, als mit den gehebelten Wetten!
Hintergründe, Hintergründe und nochmals Hintergründe hier: Sehr detailliert, mit vielen weiterreichenden Links: <br/>Betrugsmodell Finanzsystem, hier: http://steuerembargo.co.de/news.html<br/><br/>

willi

14.10.2011, 15:19 Uhr

"Doch bis dahin sollte er darauf verzichten, sich mit wohlfeiler Kritik an der Politik zu profilieren und konstruktiv an der Lösung der Krise mitarbeiten."

Im Monent profiliert sich hauptsächlich die Politik mit ihrer Kritik an der Kreditwirtschaft. Die sollten erst mal öffentlich zugeben, dass sie mit ihrer über Dekaden praktizierten Verschuldungspolitik gründlich ins Klo gegriffen haben. Dann kann man gerne weiter reden.

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