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07.04.2011

15:46 Uhr

Schuldenkrise

Spanien entkommt Portugal-Virus

Erleichterung in Spanien: Das Euro-Land stößt mit einer Anleihe auf reges Interesse. Analysten sehen daher zunächst keine Ansteckungsgefahr durch Portugal.

Fahnen von Spanien und Europa. Quelle: Reuters

Fahnen von Spanien und Europa.

MadridSpanien sieht sich in der Schuldenkrise trotz des Hilferufs seines Nachbarn Portugal keiner Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Das Euro-Land erhielt am Donnerstag am Kapitalmarkt reichlich Geld zur Finanzierung seiner Schulden und verschaffte sich damit haushaltspolitisch Luft. Daran zeigt sich nach Einschätzung von Experten das Vertrauen der Investoren in die Fähigkeit der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone, ihre Staatsfinanzen zu sanieren.

Das vor allem bei Deutschen beliebte Urlaubsland kann zudem auf eine Konjunkturstütze durch den Tourismus hoffen: Wegen der Unsicherheiten über die Lage in Nordafrika dürften sich noch mehr Urlauber als sonst für Spanien entscheiden.

Die Regierung in Madrid zahlt für das Papier mit einer dreijährigen Laufzeit sogar einen etwas geringeren Risikoaufschlag als noch vor einem Monat. Die Anleihe traf auf eine starke Nachfrage und spült Spanien 4,1 Milliarden Euro in die Kassen. Experten werteten die erfolgreiche Platzierung als Entlastung. "Das sollte die Sorgen vor einer Ansteckungsgefahr zerstreuen", meinte Peter Chatwell von Credit Agricol in London.

Der Erfolg der Anleihe wurde nicht zuletzt von der Entscheidung Portugals unterstützt, seine Finanznot endlich einzugestehen und Hilfen der europäischen Partner anzunehmen. "Für Spanien ist die Entscheidung positiv, denn die spanischen Banken sind mit dem portugiesischen Finanzsystem verbunden", sagte Heino Ruland von Ruland-Research hinzu. "Damit dürften die Risiken für Spanien verringert werden."

Die Regierung in Madrid hat in den vergangenen Monaten Reformen des Arbeitsmarktes, des Rentensystems und der Banken auf den Weg gebracht. Die erfolgreiche Refinanzierung belegt den Experten zufolge die Überzeugung vieler Investoren, dass Spanien dem Schicksal seines kleineren Nachbarn entrinnen kann. Der befürchtete Dominoeffekt und ein weiteres Ausufern der Schuldenkrise im Euro-Raum kann nach Meinung von Analysten verhindert werden. Auch die EU-Kommission sieht Spanien auf Kurs, seine Ziele beim Schuldenabbau zu erreichen. Das Land galt noch zum Jahreswechsel als einer der nächsten Kandidaten für den Euro-Rettungsschirm nach Griechenland, Irland und Portugal.

Kommentare (8)

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adel-ar

07.04.2011, 16:29 Uhr

Einzig und allein leidet Spanien unter der Immobilienblase. Viel zu schnell, im Vergleich zur wirtschaftlichen Entwicklung, sind die Immobilienpreise gestiegen. Dies steht nun als Werte, Gegenwerte, Sicherheiten, Hypotheken und Schulden in den Büchern, als Erwartungen in den Köpfen der einfachen Menschen.

Mit einer mäßigen Preiskorrektur i.H.v. mind. 33% wäre die meiste Luft wieder aus der Blase. Dies müssten Banken, Immobilienunternehmen (die das vermutlich nicht überleben würden - durchaus aber ihre korrigierte Substanz, die dann an die Gläubiger ginge) und vorallem die verschuldeten Privatpersonen ertragen.

Das alles wäre schmerzhaft, ließe aber Spanien zu einer gesunden Wirtschaft werden. Im Moment versucht man krampfhaft den Status quo zu erhalten.

Leider aber erwarte ich, dass man, sobald sich der Trubel der Weltwirtschaftskrise gelegt hat, ungefähr wieder da ansetzen wird, wo die Kurse am höchsten waren. Hat man sich einmal an hohe Preise, Gewinne usw. gewöhnt, fühlt man sich darunter unterbewertet.

Deshalb wird, wie ich die ansonsten gerne habenden Spanier kenne, die nächste Blase bald folgen und noch größer werden. Dann vielleicht ohne Rettungsmöglichkeiten. Denn nun sind die Staaten dank der Rettungs- und Krisenbekämpfungsmaßnahmen total überschuldet. Noch mal werden sie die Kartoffeln nicht aus dem Feuer holen können.

Wer als richtiger spanischer Patriot sein Land vor zukünftigen Krisen und Zusammenbrüchen schützen will, muss sich die momentane Situation merken und in Zukunft mahnen und gegenhalten. Auch wennn Villa-Arriba schon wieder feiert.

Account gelöscht!

07.04.2011, 18:03 Uhr

In 3 bis 5 Jahren sind alle leerstehenden Wohnungen zu normalen Preisen verkauft. Problem gelöst. Basta.

Die Spanier haben von ihrem Boom enorm profitiert. Das gigantische Wachstum von 10 Jahren wird durch 2 magere Minusjahre nicht aufgezehrt. Dies ist der Grund, weshalb es Spanien so gut geht. Die Zahl der Einwohner wächst jedes Jahr um eine Million und die Infrastruktur ist vom Feinsten.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich Deutschland rechtzeitig verlassen habe. Dort gehen bald die Lichter aus.

Account gelöscht!

07.04.2011, 19:14 Uhr

Alle spanische Haushalte haben Schulden in Höhe von 957.000 Millionen Euro, die überwiegende Mehrheit (901.540 Mio €) bei den Banken. Nach jüngsten Daten des Banco de España, haben die Haushalte am Ende des letzten Jahres "zweifelhafte Kredite" im Wert von 25.985Mio. € angehäuft. Dass entspricht 2,6% des BIP.
Von den "zweifelhafte Kredite" an Haushalte handelt es sich vorwiegend um Hypotheken im Wert von 16.151 Mio.Euros (62,1%). Der Rest, rund 9.834 Mio €, wird mit kurzfristige Darlehen (6.990 Mio. €) und langfristige Darlehen (2.844 Mio. €) ausgeglichen.

Diese schwere Schuldlast macht sich bei den Haushalte bemerkbar mit einem Konsumrückgang im 4.Quartal 2010 von über 13%.

Dazu kommen die Staats- und Finanzinstituten Schulden, geschätzt auf 2 Milliarden Euros. Beim Staat muss noch nebenbei erwähnen dass die autonomen Regionen tief in Schulden stecken und kein übersichtliches (Staats)-Bild liefern.
Niemand spricht von den “non financial” Business Schulden. Da sind über 140% des BIP im Vergleich mit den 65% aus Deutschland. Und der Kredithahn ist gesperrt.
Mit über (offiziellen) 21% Arbeitslosen und 80% bankrotten KMU‘s werden kaum die „low cost“ Mallorca Touristen etwas ausmachen. Nur die spanische Agonie wird verlängert. Debt deflation oder wer zahlt die Zeche?

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