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06.06.2012

11:06 Uhr

Schuldenkrise

Spaniens Industrie bricht ein

Die Hiobsbotschaften aus Spanien nehmen einfach kein Ende. Nachdem das Land immer tiefer in den Sog der Schuldenkrise gerät, ist nun auch noch die Industrieproduktion dramatisch eingebrochen.

Schuldenkrise

Spanien: Entspannung ist nicht in Sicht

Schuldenkrise: Spanien: Entspannung ist nicht in Sicht

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Madrid/München/BrüsselDie spanische Industrieproduktion ist im April so stark eingebrochen wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr. Die Unternehmen stellten 8,3 Prozent weniger her als im Vorjahresmonat, teilte das Statistikamt am Mittwoch in Madrid mit. Das war der stärkste Rückgang seit September 2009. Analysten hatten lediglich ein Minus von 6,5 Prozent erwartet. Im März hatten die Unternehmen ihre Produktion bereits um 7,5 Prozent gedrosselt.

Das einstige Boomland kämpft gegen eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Arbeitslosigkeit ist bereits jetzt die höchste in der Europäischen Union. Jeder vierte Spanier hat keinen Job, etwa jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos.

Spanien geht das Geld aus - und der heimischen Industrie bleibt die Luft weg. dpa

Spanien geht das Geld aus - und der heimischen Industrie bleibt die Luft weg.

Schlimmer noch: Das von Schulden geplagte Land hat erstmals Probleme bei der Beschaffung von frischem Geld auf den Finanzmärkten offen eingeräumt. „Die Tür zu den Märkten steht uns derzeit nicht offen“, sagte Finanzminister Cristóbal Montoro. Der Grund liege in den hohen Zinsen, die Spanien für seine Staatsanleihen bieten müsse.

Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte sich deshalb erstmals öffentlich für eine Einführung von Eurobonds ausgesprochen. Er hatte sich in dieser Frage bis dahin öffentlich nicht eindeutig festgelegt gehabt. Dies war vor allem darauf zurückgeführt worden, dass Madrid im Zwist zwischen Berlin und Paris sich nicht offen auf die Seite der Franzosen stellen wollte. Frankreichs Staatspräsident François Hollande tritt für eine möglichst rasche Einführung von Eurobonds ein, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dagegen. Die wieder aufgeflammte Schuldenkrise beschäftigte auch die G7-Finanzminister und Notenbankchefs. An den Börsen ging die Achterbahnfahrt weiter.

Drei Kandidaten: Spaniens Notenbank bekommt neuen Chef

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Am Donnerstag soll bekannt gegeben werden, wer das Rennen gemacht hat.

Das größte Problem in der spanischen Schuldenkrise sind die Banken, die nach dem abrupten Ende des Immobilienbooms eine Vielzahl von „faulen Krediten“ in ihren Bilanzen haben. Nach Ansicht des Präsidenten der Großbank Santander, Emilio Botín, benötigen die spanischen Geldhäuser eine Kapitalspritze von insgesamt 40 Milliarden Euro.




Kommentare (18)

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malvin

06.06.2012, 11:27 Uhr

Mal halblang:
Die Boomphase war fast ausschließlich der Immobilienblase geschuldet.
Generell würde mich interessieren, warum die spanische Immobobilienblase besser/ehrlicher/anständiger sein soll als die gescholtene US-amerikansiche Immbobilienblase. Es wrid ja oft - auch zu Recht - den Amerikanern, Stichwort: Credit-Crunch - in die SChuge geschoben.
Aber das gleiche ist doch in Spanien passiert.
Jedenfalls hat man die Boomphase nicht genutzt, die spanische Jugend in die Arbeit zu führen.
Spanien hat ein gewaltiges politisches und gesellschaftliches Problem.
Politisch weil die Politiker die reinsten Dilletanten sind (siehe auch Greichenland und Italien, Berlusconi)
Gesellschaftlich, weil die Zukunft, die Jugend, aussen vor gelassen wird, und das war auch schon VOR Eurozeiten so!!!

Mit der Troika würde politische Professionalität nach Spanien kommen. Der Rettungsschirm und Troika wäre ein Segen für Europa, Spanien und den Jugendlichen!!!

malvin

06.06.2012, 11:30 Uhr

Anzufügen wäre auch:

Ein riesiges Problem ist, dass Südeuropa zwar wettbewerbsfähig werden muss. Was aber ein harter Weg sein wird. Denn hier konkuriert Südeuropä mit LÄndern wie Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Slowakei, Slowenien um Industrieansiedlungen!!!
Es wird immer verschwiegen, dass eigentlich eine Ursache der Misere ein zu hohes Tempo bei der EU-Erweiterung war.
Ganz klarer Fall!!

crossretaliation

06.06.2012, 11:30 Uhr

Jaja, spanien ist nicht Griechenland. Ob ein Land seinen Staatsappart aufbläht und durch öffentliche Ausgaben die Wirtschaft und seine Bürger subventioniert, oder ob man den Konsum seiner Bürger wie in Spanien durch auschweifende Kreditvergaben und einen kreditfinanzierten Immobilien herbeiführt, für den dann der Staat durch rekapitalisierung der Banken haftet, ist das selbe. Und nachdem die Blasen im süden platzen, platzt demnächst auch die in Deutschland - die duetsche Wirtschaft wurde doch nur über den kreditfinanzierten Boom in den anderen Ländern gestützt

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