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29.08.2011

17:46 Uhr

Schuldenkrise

Ungarn fürchtet Griechen-Szenario

Auch Ungarn fürchtet den Sog der europäischen Schuldenkrise. Ministerpräsident Orban befürchtet griechische Verhältnisse, seine Regierung kritisiert auch die eigene Zentralbank.

Ungarns Regierungschef Viktor Orban. Reuters

Ungarns Regierungschef Viktor Orban.

BudapestDer ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat in dramatischen Worten vor Verhältnissen wie im pleitebedrohten Griechenland gewarnt. Das Land habe die Möglichkeit, auf den „griechischen Weg“ abzurutschen oder mit den vor einem Jahr gestarteten wirtschaftlichen Reformen voranzukommen, sagte Orban am Montag in Budapest.

Die europäische Schuldenkrise werde zunehmend zur Bedrohung. „Ungarn ist in den letzten drei Monaten in eine wirklich gefährliche Situation geraten“, sagte der Regierungschef: „Die ungarische Souveränität steht auf dem Spiel.“ Um wirtschaftlich nicht noch tiefer abzurutschen, will die Regierung stärker als geplant den Haushalt kürzen.

Ein Loch von 80 bis 100 Milliarden Forint (umgerechnet rund 300 - 370 Millionen Euro) müsse im Haushalt 2011 gefüllt werden, weil das Wachstum geringer als erwartet ausgefallen sei, sagte ein Staatssekretär Orbans am späten Sonntagabend im ungarischen Fernsehen.

Er kritisierte die ungarische Zentralbank für ihre Politik der hohen Zinsen. Der Leitzins liegt seit Januar bei sechs Prozent. Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich im zweiten Quartal und lag nur noch bei 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung auf Jahresbasis.

Ungarn verstieß vor einem Jahr gegen Vereinbarungen mit dem Internationalen Währungsfonds. Die Regierung setzte auf einen globalen Aufschwung. Sie verhängte eine pauschale Einkommensteuer von 16 Prozent, führte eine Spekulationssteuer ein und entnahm rund 15 Milliarden Dollar aus Pensionsfonds. Eine Einkommensteuersenkung von rund 400 Milliarden Forint kurbelte aber nicht wie erhofft den Konsum an.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Beobachter

29.08.2011, 18:26 Uhr

Es war kristallklar vorherzusehen, dass auf kurz oder lang auch Ungarn in der Schuldenkrise wieder von sich reden machen würde.
Naiv-provinzialistisch, wer annimmt, dass uns das nichts angehen würde - das Land ist zwar nicht Mitglied in der Währungsunion, aber sehr wohl Mitglied in der EU. Einen Staatsbrankrott in der EU wird wohl niemand einfach so hinnehmen...
Die Party geht also weiter... Bärenstimmung!
Nur sage bitte keiner beim nächsten Crash, wenn das Stichwort der Stunde "Ungarn" lautet, die Märkte seien "schuld": Ungarn hat eine überbordende Verschuldung, was vor allem katastrophaler politischer Verhältnisse zu verdanken ist. Es wäre eher Sache der Medien, rechtzeitig und ohne Marktschreierei Aufklärung zu betreiben.

Pendler

29.08.2011, 18:51 Uhr

Der Mediziner würde sagen:

Man hat gute Heilungschencen, wenn man ein Krebsgeschwühr rechtzeitig entfernt. Wenn es erst zur Streuung von Metastasen kommt, kann man den Patienten eigentlich aufgeben. Im besten Fall kann man mit Chemo das Leiden / Leben noch verlängern.

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Als Metastase (griechisch μετάσταση, von μετα~, meta~ – weg~ und στάση, stáse – die Stelle, Haltung, der Ort, also etwa die Übersiedelung an einen anderen ..
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autsch, wieder griechisch

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