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10.05.2011

07:40 Uhr

Schuldenkrise

Was uns die griechische Misere kostet

VonMark Schieritz
Quelle:Zeit Online

Nach der erneuten Rating-Herabstufung der Griechen stellt sich die Frage: Umschulden oder retten? 8,4 Milliarden Euro hat Deutschland bislang nach Griechenland überwiesen. Doch daraus könnte schnell mehr werden.

Egal wie Griechenlands Krise ausgeht: Für Deutschland wird es teuer. Quelle: dpa

Egal wie Griechenlands Krise ausgeht: Für Deutschland wird es teuer.

Der griechische Finanzminister Giorgos Papaconstantinou will es wissen: Ein Anti-Terror-Experte ist jetzt oberster Steuereintreiber, mit Google Earth fahnden die Behörden nach illegalen Pools und Villen.

Die Zeit wird knapp. Ein internationales Inspektionsteam prüft die Bücher der Regierung, und die Finanzmärkte haben ihr Urteil längst gefällt. Sie glauben nicht mehr daran, dass es die Griechen schaffen werden, ihre Staatsschulden bis 2012 in den Griff zu bekommen. Dann soll sich das Land wieder selbst Geld am Kapitalmarkt leihen. Wenn das nicht gelingt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Athen meldet Bankrott an, oder die EU legt ein neues Programm auf. Umstritten ist, welche Variante günstiger kommt.

Die Frage entzweit auch die Bundesregierung. Vor allem die FDP dringt darauf, den Griechen möglichst schnell den Geldhahn zuzudrehen. Je mehr Zeit vergehe, so fürchten einige Liberale, desto höher werde am Ende die Rechnung ausfallen. Und wenn es jetzt nicht gelinge, eine Umschuldung durchzusetzen, werde die Beteiligung privater Gläubiger auch in Zukunft schwierig sein. Bislang wurden aus Deutschland 8,4 Milliarden Euro nach Griechenland überwiesen. Wenn das Programm Ende 2013 ausläuft, dürften es 22,4 Milliarden Euro sein. Allein im nächsten und im übernächsten Jahr sollen die Griechen nach bisherigen Plänen 64,6 Milliarden Euro bei privaten Investoren aufnehmen. Müsste die EU diese Summe zusätzlich übernehmen, kämen auf Deutschland noch einmal 18,5 Milliarden zu.

50 Prozent der Schulden müssten gestrichen werden

Wohlgemerkt, dabei geht es um Kredite. Die griechische Regierung hat versprochen, diese zurückzuzahlen. Die Frage ist, wie viel davon. Papaconstantinou hat schon einmal anfragen lassen, ob es möglich wäre, die Zinsen zu senken.

Eine Umschuldung ist indes auch nicht umsonst zu haben. Nach Einschätzung der Rating-Agenturen müssen mindestens 50 Prozent der Schulden gestrichen werden, damit Griechenland auf die Beine kommt. Berechnungen des Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung zufolge würde ein solcher Schnitt die deutschen Banken mit 25 Milliarden Euro belasten. Ein Teil davon würde bei den Steuerzahlern landen, weil vermutlich nicht alle Institute diese Verluste wegstecken könnten und der Staat ihr Kapital aufstocken müsste – zumal vor allem öffentliche Banken jede Menge griechische Staatsanleihen halten und auf den größten Teil der Bestände noch keine Abschreibungen vorgenommen haben. Aber auch die Engagements bei Unternehmen und Geldinstituten in Griechenland wären wohl betroffen, denn viele griechische Banken dürften zusammenbrechen, wenn der Staat zahlungsunfähig wird.

Kommentare (18)

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Heilbronn1964

10.05.2011, 07:59 Uhr

Warum muß Deutschland € 18 Mrd. und aus Schäden bei der EZB rund ein Drittel übernehmen? Was ist die Grundlage dafür? Das Verhältnis der deutschen Bevölkerung zur gesamten Bevölkerung der EU oder ist eine Wunschgröße unserer europäischen Partner?
Mit Sicherheit entspricht es nicht dem prozentualen Anteil der deutschen Parlamentarier im Europäischen Parlament.

Es ist faszinierend zu sehen, wie genau von unseren Partnern berechnet wird, wie hoch immer der deutsche Anteil an Zahlungen ist. Nur bei der Vertretung des bevölkerungsreichsten Landes der EU, da wußte man die Anzahl der Abgeordneten zu beschränken. Warum beschränken wir nicht zumindest in diesem Maß unsere illegalen Transferleistungen an "EU-Partner"?

Observer

10.05.2011, 08:03 Uhr

Zitat:"Dann soll sich das Land wieder selbst Geld am Kapitalmarkt leihen. Wenn das nicht gelingt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Athen meldet Bankrott an, oder die EU legt ein neues Programm auf."

Oh doch, es gibt eine weitere Möglichkeit. Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone mit Schuldenschnitt, wobei bei diesem Schuldenschnitt die Banken als private Gläubiger zu beteiligen sind. Und da es wahrscheinlich notwendig sein wird, diese "Drecksbanken" zu unterstützen, sollen sie eben Jahrzehnte lang das vorgestreckte Geld dem Steuerzahler zurückzahlen.
Diesen Artikel hat das Handelsblatt aus DER ZEIT übernommen. Schade, dass es nicht zu eigenen Artikeln reicht, denn dieser ist einseitig und informiert die Leser nicht vollständig über die Lage und die Möglichkeiten der Krisenbewältigung. Ein Journalist, der in der derzeitigen Situation eine derart eingeschränkte und unvollständige Sicht abliefert, sollte nicht noch weitere Plattformen für seine Machwerke erhalten.

Frager

10.05.2011, 08:11 Uhr

Es ist schon unglaublich wie diletantisch die Regierungen vorgehen und zudem den Steuerzahler für blöd verkaufen. Raubtierkapitalismus pur. Hochspekulative Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisert. Egal wie man es dreht und wendet der treudoofe Steuerzahler wird dafür aufkommen. Si ies direkt oder dass eben die Banken unmd Versicherungen steuerliche Verluste ausweisen bzw. direkte Stützungsmittel erhalten. Zum Dank erhält man anschliessend einen satten Tritt in den Hintern. Siehe ganz aktuell Commerzbank oder UBS Schweiz. Solange kein Manager persönlich mit eigenen Vermögen bzw. mgl. Gefängnisstrafen für sein Handeln haftet (übrigens wie jeder kleine Geschaftsführer oder Privatmann) so lange wird sich nichts verändern.

Bei Griechland trifft es aktuell zu "Wir sparen uns zu Tode" Das Land muss jedoch Steuereinnahmen generieren. Sieht man sich alleine die Staatsausgaben für Löhne/Gehälter und Pensionen an so muss jedem klar sein dass Griechenland mit dem Euro nie wieder auf die Beine kommen wird. Das Land benötigt eine eigene Währung und muss diese Radikal abwerten um wenigstens einigermassen wettbewerbsfähig zu sein. Im Moment können durch die zu Tode gesparte Wirtschaft nicht einmal die Zinsen für die Staatsanleihen bzw. Löhne erwirtschaftet werden. Von Schuldenabbau ganz zu Schweigen.
Raus aus dem euro. Leiber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Scheinbar riskieren unsere Politiker langfristig wieder einen "europäischen Krieg" als frühzeitig die Konsequenzen zu ziehen.

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