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27.06.2014

19:05 Uhr

Schuldenstreit

Argentinien läuft die Zeit davon

Im Streit mit Hedgefonds setzt Argentinien auf Konfrontation. Obwohl das Land seine Schulden bei bestimmten Hedgefonds nicht beglichen hat, will es anderen Gläubigern Zinsen zahlen. Das haben US-Richter streng verboten.

Geht Argentinien nun pleite?

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Buenos Aires/New YorkDie Fronten im Milliardenstreit Argentiniens mit US-Hedgefonds bleiben verhärtet. Sowohl die Regierung in Buenos Aires, als auch die Investoren und der zuständige US-Richter beharrten zum Wochenausklang auf ihren Standpunkten. Damit wird die Gefahr eines Zahlungsausfalls des südamerikanischen Landes immer größer. Es bleiben nur noch wenige Tage für Verhandlungen.

Die argentinische Zentralbank hat insgesamt 832 Millionen Dollar für Zinszahlungen an Anleihehalter auf Konten der Bank of New York Mellon deponiert, den Treuhänder der Anleger. Am Montag ist eine Auszahlung fällig. Das Problem: Ein US-Urteil verbietet es, andere Gläubiger zu bedienen, solange Altschulden über 1,5 Milliarden US-Dollar (1,1 Milliarden Euro) bei denjenigen Hedgefonds nicht beglichen sind, mit denen die Regierung im Clinch liegt.

Wirtschaftsminister Axel Kicillof gab die Überweisung am Donnerstagabend bekannt. Am Freitag erklärte der zuständige US-Richter Thomas Griesa bei einer kurzfristig angesetzten Anhörung in New York, es handele sich um eine „illegale Zahlung“ und die Bank solle das Geld „einfach wieder zurücküberweisen“.

Ein Eingriff der US-Justiz in die Schuldenauszahlung ist möglich, weil Buenos Aires seinerzeit die strittigen Staatspapiere unter US-Recht ausgegeben hatte. Die Zinszahlungen für Anleihen nach argentinischem Recht billigte der US-Richter ausdrücklich.

Wenn die Besitzer der Anleihen ihr Geld nicht bis zum Montag erhalten, käme es zu einem sogenannten technischen Zahlungsausfall. Eine Staatspleite würde aber erst nach einer Gnadenfrist von 30 Tagen und damit Ende Juli drohen, wie sich aus den Anleihebedingungen ergibt. Wenn die argentinische Regierung versucht, das Geld über US-Konten auszuzahlen, riskiert sie die Beschlagnahmung. Diese Möglichkeit hatte der oberste US-Gerichtshof („Supreme Court“) zuletzt ausdrücklich eingeräumt. Als denkbar gilt noch ein Vergleich zwischen den Parteien, wobei unklar ist, wie dieser genau aussehen könnte.

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Die Situation im Schuldenstreit wird damit immer verfahrener. Die argentinische Regierung warnte in einer vom Wirtschaftsminister verlesenen Erklärung die US-Regierung, die Hedgefonds sowie die Bank of New York Mellon und Richter Griesa, sie könne gegebenenfalls vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ihre Rechte zur Geltung bringen.„Die Entscheidung der argentinischen Regierung verursacht hohe Unsicherheit“, sagt Experte Drausio Giacomelli von der Deutschen Bank.

Die Hedgefonds hatten sich mit argentinischen Anleihen eingedeckt, als diese wegen ihres hohen Ausfallrisikos stark im Kurs gesunken waren. Sie fordern aber die volle Rückzahlung inklusive aufgelaufener Zinsen und haben sich erfolgreich durch alle Instanzen geklagt. Richter Griesa, der im Schuldenstreit zugunsten der Hedgefonds entschieden hatte, hatte erst am Donnerstag ein argentinisches Gesuch auf eine vorübergehende Aussetzung des Urteils abgewiesen.

Argentiniens Kabinettschef Jorge Capitanich warnte seinerseits am Donnerstag vor den „globalen und systemischen“ Folgen, die das Urteil habe. Capitanich hob die Unterstützung hervor, die Argentinien am Mittwoch in New York von der Staatengruppe der G77 einschließlich China bekommen habe. „Keine Regierung kann sich von dieser Debatte von universaler Bedeutung ausgeschlossen fühlen“, meinte Capitanich.

Von

dpa

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