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09.06.2012

13:41 Uhr

Schuldentilgungsfonds

Der Sinn der Euro-Bonds

Kaum ein Thema ist kontroverser wie der europäische Schuldentilgungspakt. Während in Deutschland die Opposition dafür plädiert, lehnt die Bundesregierung das Konzept ab. Doch welche Folgen haben die Euro-Bonds überhaupt?

Die Euro-Bonds sind umstritten. dapd

Die Euro-Bonds sind umstritten.

Kaum ein anderer Vorschlag der Wirtschaftsweisen ist in den vergangenen Jahren so stark diskutiert worden wie der sogenannte europäische Schuldentilgungspakt. Kern der Idee ist, dass die Euro-Staaten mit vereinten Kräften ihre Altschulden abbauen - mit einer Art zeitlich und volumenmäßig begrenzten Variante von Euro-Bonds, die zweckgebunden und an harte Bedingungen gekoppelt sind.
Der Vorschlag sieht vor, die Schulden der Euro-Mitgliedsländer, die über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hinausgehen, in einen Fonds mit gemeinschaftlicher Haftung auszulagern. Der größte Anteil, etwa 950 Milliarden Euro, entfiele auf Italien, gefolgt von Deutschland mit rund 580 Milliarden Euro. Insgesamt würde das Volumen des Fonds nach Berechnungen des Rates bei 2,3 Billionen Euro liegen.
Im Laufe von drei bis fünf Jahren würde der Schuldentilgungsfonds Anleihen in gleicher Höhe begeben. Damit würde er Geld einsammeln, mit dem sich der Refinanzierungsbedarf der Staaten decken lässt - wegen der gemeinsamen Haftung wären die Zinsen dann für viele Länder deutlich niedriger als derzeit.

Euro-Bonds: Ein schlechtes Geschäft für Deutschland

Euro-Bonds

Ein schlechtes Geschäft für Deutschland

Noch sind die Verhandlungen über die verschiedenen Varianten nicht abgeschlossen:

Länder, die beim Tilgungsfonds mitmachen wollen, müssten harte Auflagen in Kauf nehmen - sie müssten sich zu Strukturreformen und Sparprogrammen verpflichten und zusagen, ihre Schulden beim Tilgungsfonds im Laufe von 25 Jahre abzubezahlen.

Damit dieses Versprechen bindend ist, sollen die Staaten Sicherheiten wie zum Beispiel Währungsreserven hinterlegen, Sondersteuern speziell für die Schuldentilgung erheben und verbindliche Pläne für Strukturreformen und Haushaltskonsolidierung aufstellen.

In Deutschland hat die Idee des Sachverständigenrates in der Opposition, bei den Grünen und in der SPD, Anhänger gefunden. Bundesregierung und Bundesbank lehnen das Konzept dagegen ab. Angela Merkel hat verfassungsrechtliche Bedenken; zudem seien viele Änderungen an den europäischen Verträgen nötig.
Auf Deutschland käme wie auch bei klassischen Euro-Bonds eine etwas höhere Zinsbelastung zu. Zudem besteht das Risiko, dass sich manche Staaten trotz der harten Auflagen auf Dauer nicht an ihre Versprechen halten und der Schuldentilgungsfonds auf einem Teil seiner Verbindlichkeiten sitzen bleibt - dann würde der deutsche Steuerzahler direkt für die Schulden anderer Länder haften.

Kommentare (6)

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Revisor

09.06.2012, 14:09 Uhr

"Der Sinn der Euro-Bonds"

Druckfehler? Es müßte heißen "Der Unsinn der Euro-Bonds"....

fjv2

09.06.2012, 14:27 Uhr

es geht nicht um Zinsen, das Problem ist die Haftung.

Eurobonds haben einen grossen Vorteil.

Deutschland geht mit allen anderen zusammen Pleite und wir können dann bald gemeinsam Schuldenfrei neu Anfangen.

Das ein Grossteil des Geldvermögens vernichtet wird, ein nur ein Nebeneffekt.

Aber Entschulden ohne Vermögen auf der anderen Seite kann nicht funktionieren, wo soll das Geld denn herkommen?

Also Ring frei fuer die Eurobonds

AlexanderBerg

09.06.2012, 14:39 Uhr

Wir haften nicht mehr für andere...so einfach ist das.

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