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28.06.2012

13:21 Uhr

Schuldenvergemeinschaftung

„Der Untergang Europas ist dann ziemlich sicher“

Soll ganz Europa für die Schulden einzelner Staaten einstehen? Noch sträubt sich die Bundesregierung, aber andere Länder drücken immens. Für Ifo-Präsident Sinn geht es letztlich um die Frage von Sein oder Nichtsein.

Schon auf halbmast? Ökonomen fürchten um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. dpa

Schon auf halbmast? Ökonomen fürchten um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands.

München/Berlin/Brüssel/RomSollen und dürfen Schulden in der EU vergemeinschaftet werden? Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann fordert mehr Solidarität und eine gemeinsame Haftung der Euro-Regierungen für Schulden einzelner Staaten . Unmittelbar vor Beginn des EU-Gipfels setzte sich Faymann am Donnerstag in Brüssel auch für Eurobonds, also gemeinsame Euro-Anleihen, ein.

„Solidarität gehört halt zur Europäischen Union. Ohne Solidarität ist die Idee der Europäischen Union, der Eurozone, des Friedensprojekts auf Dauer nicht einzuhalten“, sagte er am Rande eines Treffens sozialdemokratischer Politiker. Faymann plädierte für eine Bankenkonzession des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM: „Das geht in Richtung Eurobonds. Die Eurobonds sind natürlich viel später als die Schritte dahin. Aber diese Schritte brauchen, wenn wir Stabilität haben wollen.“

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat hingegen Deutschlands "Nein" zu einer Vergemeinschaftung von Schulden abermals bekräftigt. "Wir wollen die Ursachen der Krise bekämpfen, nicht das Schuldenmachen erleichtern", sagte der FDP-Politiker im Interview der italienischen Tageszeitung "La Repubblica". Die Bundesrepublik habe ihre Solidarität bereits mit einem "gewaltigen" Anteil an den Euro-Rettungsschirmen unter Beweis gestellt, aber: "Auch die Schultern der Deutschen sind nicht unbegrenzt belastbar."

Genau deshalb warnt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn vor unabsehbaren Folgen im Falle einer Vergemeinschaftung der ausufernden Schulden in Europa. Würden alle Schulden in einem Topf geworfen und wäre nicht mehr jedes Land für seine Verbindlichkeiten verantwortlich, wäre auch schnell die Top-Bonität Deutschlands in Gefahr, sagte Sinn in München. "Dann würden wir in den Strudel hereingezogen. Der Untergang Europas ist dann ziemlich sicher." Insofern müssten unbedingt Anreize zu einer noch höheren Verschuldung vermieden werden, unterstützte Sinn den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Merkel habe sich in diesem Punkt ungewöhnlich deutlich festgelegt und könne daher beim anstehenden EU-Gipfel keine Abstriche machen.

Kommentare (98)

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mgruber

28.06.2012, 13:33 Uhr

Als Österreicher: Faymann ist ein ziemlicher Trottel! Nur nicht ernst nehmen!

tbhomy

28.06.2012, 13:37 Uhr

Deutschlands Familien sind systemrelevant. Viele "kleine Familienunternehmen" haben große Schulden angehäuft und sind angeschlagen.

Hier müssen die Steuerzahler in die Bresche springen. Außerdem sollten Erleichterungen in der Kreditabwicklung seitens der Banken zwingend und kurzfristig ins Auge gefasst werden. Gewinnmaximierung der Gläubiger, welche wir auch aus der Zinslast seitens verschuldeter Staaten kennen, müssen zu Gunsten des Allgemeinwohls, der staatlichen Sicherheit und des Wirtschaftswachstums in ALLEN anderen Branchen uneigennützig in den Hintergrund treten.

Ergänzend könnte eine Vermögensumverteilung von oben nach unten bereits viele deutsche Kleinfamilien vor der privaten Insolvenz retten.

In der Folge könnte man mit einer deutlichen Steigerung der Nachfrage rechnen und weitere synergetische Effekte zur Verbesserung der Gesamtdeutschen Wirtschaftslage in Betracht ziehen.

Deutschland hat nur diese eine Chance. Die Bürger und Bürgerinnen sollten sie gemeinsam nutzen und den Störfaktoren einer friedlichen Zukunft keine Stimme mehr geben.

Nachricht

28.06.2012, 13:37 Uhr

Merkel und Schäuble haben uns wieder verarscht. Sie tun nur so als ob sie standhaft sind. Stattdessen wollen sie mE bessere Pöstchen für sich aushandeln und dann Interessen Deutschlands verkaufen. Was lese ich vor einer Sekunde: Wall Street Journal - Breaking news Germany may be willing to move sooner than expected to accept shared liability of euro-zone debt, Germany's finance minister said in an interview.

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