Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.08.2013

21:17 Uhr

Schuldspruch

Fort-Hood-Schützen droht die Todesstrafe

Ein US-Militärgericht hat den Amokläufer von Fort Hood schuldig gesprochen. Der Militärpsychiater hatte 13 Kameraden erschossen und die Tat gestanden. Das Strafmaß steht noch aus. Er muss mit der Todesstrafe rechnen.

Der frühere Militärpsychiater Nidal Hasan wurde wegen eines Amoklaufs mit 13 Toten auf dem Stützpunkt Fort Hood verurteilt. Das Strafmaß steht noch aus. ap

Der frühere Militärpsychiater Nidal Hasan wurde wegen eines Amoklaufs mit 13 Toten auf dem Stützpunkt Fort Hood verurteilt. Das Strafmaß steht noch aus.

WashingtonEin US-Militärgericht hat den Militärpsychiater Nidal Hasan wegen eines Amoklaufs mit 13 Toten auf dem Stützpunkt Fort Hood schuldig gesprochen. Er wurde erwartungsgemäß wegen 13-fachen vorsätzlichen Mordes und Mordversuchs in 32 Fällen verurteilt, berichtete die Zeitung „Austin American-Statesman“ am Freitag. Das Strafmaß werde aber erst später verkündet. Dem 42-jährigen Hasan, der die Tat bereits gestanden hatte, drohe die Todesstrafe.

Hasan hatte im November 2009 auf der Militärbasis in Texas ein Blutbad angerichtet. Er hatte sich in dem Verfahren bereits schuldig bekannt. Während des Prozesses verteidigte sich der Angeklagte selbst und lehnte die Unterstützung seiner Pflichtverteidiger ab. Diese vermuteten während der Verhandlungen, er strebe ein Todesurteil an, um als Märtyrer zu sterben. Es wäre das erste Mal seit 1961, dass ein aktiver US-Soldat hingerichtet wird.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er habe sich als islamistischer Dschihad-Krieger verstanden und so viele US-Soldaten wie möglich erschießen wollen. Hasan habe bei seinem Amoklauf zwei Waffen und mehr als 400 Schuss Munition bei sich gehabt und wild um sich gefeuert. Als Motiv gab der Militärpsychiater in Voranhörungen an, er habe mit seiner Tat die radikalislamischen Taliban in Afghanistan vor US-Soldaten schützen wollen.

Hasan stand wenige Wochen vor einer Entsendung nach Afghanistan, als er am frühen Nachmittag des 5. November 2009 das Feuer auf unbewaffnete Kameraden eröffnete. Bei dem Massaker in einem Sanitätsgebäude von Fort Hood, in dem der Psychiater eingesetzt war, wurden 13 Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt. Augenzeugen sagten damals aus, der Major habe "Allahu akbar" (arabisch für "Gott ist größer") geschrien, bevor er mit einer halbautomatischen Pistole um sich geschossen habe. Hasan wurde bei der Tat von der Polizei überwältigt und ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt.

„Die Beweise werden klar zeigen, dass ich der Schütze bin“, sagte Hasan in einer kurzen Eingangserklärung zum Beginn des Verfahrens. Er habe den gesamten Prozess praktisch wortlos und ohne Regung verfolgt, berichteten Prozessbeobachter aus dem Gerichtssaal in Texas. Auch die Urteilsverlesung am Freitag habe er äußerlich mit stoischer Ruhe aufgenommen.

Die USA und die Waffen

Undurchsichtige Rechtslage

Im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung ist das Recht auf privaten Waffenbesitz verbrieft. Dort heißt es: "Weil eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Die Frage, wie weit dieses Recht reicht und welchen Beschränkungen es unterworfen werden darf, ist Gegenstand kontroverser Debatten.

Seit 1993 steht etwa eine Überprüfung von Waffenkäufern im Bundesrecht. Verurteilte Kriminelle, Menschen mit psychischen Störungen oder Drogenabhängige dürfen demnach keine Schusswaffen erwerben. Ein im Folgejahr erlassenes Verbot halbautomatischer Gewehre wurde dagegen 2004 nicht verlängert. Dazu kommt ein Dschungel an Gesetzen und Verordnungen auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Immer wieder landeten regionale Beschränkungen für Waffenerwerb und -besitz dabei vor dem Obersten Gerichtshof, der in Grundsatzurteilen 2008 und 2010 ein Recht auf private Waffen anerkannte.

Zahl der Schusswaffen

Mehreren Studien zufolge sind in den USA bis zu 300 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz - das entspricht fast einer Waffe pro Einwohner. In einer Erhebung des Gallup-Instituts aus dem vergangenen Jahr gaben 47 Prozent der Befragten an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben. Jeder dritte US-Bürger ist demnach selbst Waffenbesitzer.

Die Waffenschmieden des Landes produzierten im Jahr 2011 knapp 2,5 Millionen Pistolen, 573.000 Revolver sowie mehr als drei Millionen Gewehre, wie die Statistiken der Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen (ATF) zeigen. In den USA gibt es fast 130.000 lizensierte Waffenhändler.

Opfer durch Waffengewalt

Mehr als 30.000 Menschen sterben in den USA jedes Jahr durch Schusswaffen - darunter sind mehr als 12.000 Morde. Die Anti-Waffen-Lobbyisten der Brady Campaign geben in ihrer Berechnung aus dem Jahr 2011 an, dass 270 Menschen täglich durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden. Darunter seien auch 38 verletzte und acht getötete Minderjährige. Nach Angaben der Bundespolizei FBI wurden im vergangenen Jahr 68 Prozent aller Morde mit Schusswaffen verübt.

Dem Angeklagten droht die Todesstrafe, falls sich die 13 Mitglieder der Jury einmütig dafür entscheiden sollten. Hasan könnte die Vollstreckung nach Meinung von Experten aber durch juristische Manöver viele Jahre hinauszögern.

Der Angriff in Fort Hood gilt als bisher schlimmster Zwischenfall auf einem Militärstützpunkt in den USA. Er erschütterte die US-Streitkräfte und löste eine Debatte über Extremisten in den eigenen Reihen aus. Hasan stand mutmaßlich mit dem inzwischen bei einem US-Drohnenangriff getöteten radikalislamischen Geistlichen Anwar al-Aulaqi in Kontakt. Die US-Regierung spricht aber offiziell nicht von einem Terrorakt, sondern stuft die Bluttat als "Gewalt am Arbeitsplatz" ein.

Ursprünglich hatte der Prozess bereits im Sommer 2012 beginnen sollen, er verzögerte sich aber wegen eines bizarren Streits über den Bart des Angeklagten. Ein Richter hatte eine Zwangsrasur angeordnet, weil er in der Gesichtsbehaarung eine Missachtung des Gerichts und Verstöße gegen militärische Vorschriften sah. Hasan erklärte dagegen, sich den Vollbart als Ausdruck seines muslimischen Glaubens wachsen zu lassen. Schließlich durfte er nach einem Urteil eines Berufungsgerichts der US-Streitkräfte den Bart behalten, während der Richter wegen Befangenheit abgezogen wurde.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Skeptiker

24.08.2013, 10:30 Uhr

Moslemspinner, Psychiater und dann auch noch beim Militär, da kommt manches zusammen. Der Schuss ist sozusagen nach hinten losgegangen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×