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02.06.2011

10:28 Uhr

Schutz vor EHEC

Russland verbietet Gemüse aus allen EU-Ländern

Russland hat wegen der Gefahr durch den Darmkeim EHEC das Importverbot für Gemüse auf die gesamte Europäischen Union ausgeweitet. Dagegen hat die EU ihre Warnung vor spanischen Gurken aufgehoben. Gleichzeitig schnellen die EHEC-Zahlen wieder in die Höhe. Bundesweit wurden bis Mittwoch rund 2000 Fälle gemeldet. Die Quelle der Infektion bleibt im Dunkeln. Die EU erwartet Aufklärung und prüft Hilfen für Landwirte.

Ein Zettel mit der Aufschrift "Storno" liegt bei einem Tomatenbauer in einer Lagerhalle auf Kisten mit Tomaten. Quelle: dapd

Ein Zettel mit der Aufschrift "Storno" liegt bei einem Tomatenbauer in einer Lagerhalle auf Kisten mit Tomaten.

MoskauVor dem Hintergrund der Serie von Darmerkrankungen in europäischen Ländern hat Russland Gemüseimporte aus der EU am Donnerstag bis auf weiteres verboten. Seit Montag galt bereits ein Einfuhrverbot für Gemüse aus Spanien und Deutschland. Mit dem Schritt will die Regierung ein Übergreifen der Darminfektionen mit dem EHEC-Erreger auf Russland verhindern. In Russland wurden bislang keine Infektionen gemeldet.

Das Einfuhrverbot gelte ab sofort für unbestimmte Zeit, sagte eine Sprecherin der Behörde für die Überwachung von Verbraucherrechten am Donnerstag. Der Leiter der Behörde, Gennadi Onischtschenko, sagte russischen Nachrichtenagenturen, die "unpopuläre Maßnahme" bleibe in Kraft, bis europäische Stellen Moskau über die Quelle der Infektion und ihren Verbreitungsweg informiert hätten. Der Zoll sei angewiesen, kein frisches Gemüse mehr über die Grenzen zu lassen. Alle verdächtigen Waren seien zudem aus dem Handel zu nehmen. Die Behörden in Moskau hatten die Bevölkerung schon vor Tagen vor dem Verzehr gewarnt und besondere Hygienehinweise erlassen.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Das größte Land der Erde importiert wegen der mangelnden Eigenversorgung viele Lebensmittel aus der EU. Russische Experten forderten vor dem Hintergrund des Importverbots eine Stärkung der Gemüseproduktion im eigenen Land.

Experten haben die Ursache für die Infektionswelle bislang nicht ermittelt. Vor allem in Deutschland, aber auch in mindestens acht weiteren europäischen Ländern sind daran seit Mitte Mai mehr als 1.500 Menschen erkrankt, 17 Patienten starben.

Kommentare (2)

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EGAL

02.06.2011, 12:23 Uhr

Danke Deutschland und deine Krisenpolitik.

Account gelöscht!

04.06.2011, 00:33 Uhr

Kein Problem! Wir bringen einen Gurken-Vodka auf den Markt und Rußland wird sich darum reißen!

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