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19.06.2011

22:11 Uhr

Schutzlose Aktivisten

Angriffe auf marokkanische Regierungsgegner

Anhänger des marokkanischen Königs Mohammed VI. haben Aktivisten der Demokratiebewegung angegriffen und verletzt. Die Proteste gegen die Verfassungsreform gehen trotzdem weiter.

Die Angriffe auf Regierungsgegner nehmen zu. Quelle: dapd

Die Angriffe auf Regierungsgegner nehmen zu.

RabatIn Marokko haben Regierungsanhänger Demokratieaktivisten angegriffen. Hunderte junge Männer marschierten am Sonntag durch ein ärmliches Viertel in der Hauptstadt Rabat. Sie schwenkten marokkanische Flaggen und trugen Bilder des Königs. Als sie auf eine genehmigte Demonstration der Demokratiebewegung 20. Februar stießen, schlugen sie einige Aktivisten nieder und bewarfen die Menge mit Eiern. Die wenigen Polizisten vor Ort versuchten, die Aktivisten zu schützen. Schließlich traf ein Polizeiwagen ein, der die Aktivisten evakuierte. 

Am Sonntagabend protestierten auf den Straßen Marokkos mehrere hundert Menschen gegen die ihrer Ansicht nach unzureichenden Pläne für die angekündigte Verfassungsreform. Allein in Casablanca gingen nach offiziellen Angaben rund 1000 Demonstranten - unter ihnen Islamisten und Anhänger linker Parteien - auf die Straße.
Die Polizei verhinderte einen Zusammenstoß mit einem Zug von Gegendemonstranten. Auch in der Hauptstadt Rabat gab es nach Medienberichten Proteste gegen die angeblich unzureichenden Verfassungsreformen.

König Mohammed VI. hatte am Freitag eine Reihe von Verfassungsreformen angekündigt, wonach die Befugnisse von Ministerpräsident, Parlament und Justiz erweitert werden sollen. Am 1. Juli soll in einer Volksabstimmung über eine Umwandlung in eine konstitutionelle Monarchie entschieden werden. Die bisherige Verfassung ist 15 Jahre alt und gibt dem König die Machtfülle eines absoluten Herrschers. Der Reform zufolge soll der Ministerpräsident mehr Vollmachten erhalten und grundsätzlich von der Partei gestellt werden, die bei der Wahl die meisten Stimmen erhalten hat. Bisher wurde der Ministerpräsident vom König ernannt. 

Der Demokratiebewegung 20. Februar gehen die geplanten Reformen nicht weit genug.

 

Von

dapd

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