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27.05.2013

09:52 Uhr

Schwache Wirtschaft

Niederlande kämpft um „AAA”-Status

Das Land steckt in der Rezession, viele volkswirtschaftliche Indikatoren schlagen negativ aus: Die Niederlande muss um seine erstklassige Bonität bangen. In Brüssel sieht man es optimistischer: Tiefer geht nicht mehr.

Kaffeepause: Der niederländische Finanzminister Dijsselbloem denkt mit Regierungschef Rutte über die Flaute der Wirtschaft nach. AFP

Kaffeepause: Der niederländische Finanzminister Dijsselbloem denkt mit Regierungschef Rutte über die Flaute der Wirtschaft nach.

LondonDer niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hat damit zu kämpfen, sein Land im Club der europäischen „AAA”-Länder mit erstklassiger Bonität zu halten. Mit einer steigenden Arbeitslosenrate, einer Inflation von über zwei Prozent, sinkenden Immobilienpreisen und einer schwachen Binnennachfrage driften die Niederlande nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) von anderen Ländern mit Top- Rating weg.

Die Rendite zehnjähriger niederländischer Staatsanleihen ist im Mai um rund 15 Basispunkte auf 1,73 Prozent gestiegen. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen hat sich von 18 Basispunkten zu Jahresbeginn auf 30 Basispunkte erhöht. Die Niederlande treten am Dienstag am Kapitalmarkt auf und bieten eine zehnjährige Anleihe an.

„Der IWF hat bei den Fundamentaldaten Abwärtsrisiken für die Volkswirtschaft ausgemacht”, sagt Peter Chatwell, Leitender Stratege für Festverzinsliche bei der Crédit Agricole Corporate & Investment Bank in London. „Im Kontext einer allgemein schwachen Euroraum-Volkswirtschaft besteht da ein Risiko, dass am Markt noch nicht voll eingepreist ist”, ergänzt er.

Die Niederlande befinden sich in der dritten Rezession innerhalb von vier Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt der fünftgrößten Volkswirtschaft der Eurozone ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres das dritte Quartal in Folge geschrumpft, und zwar um 0,1 Prozent. Gleichwohl erfreut sich das Land noch immer der viertniedrigsten Finanzierungskosten unter den 17 Mitgliedern der Europäischen Währungsunion. Die Niederlande, Deutschland, Finnland und Luxemburg sind als „AAA“-Länder übriggeblieben, nachdem Frankreich und Österreich im vergangenen Jahr heruntergestuft wurden. Moody's Investors Service, Standard & Poor's sowie Fitch Ratings haben jedoch alle einen negativen Ausblick für die Bonitätsnote der Niederlande.

Chatwell empfiehlt Investoren, auf eine Ausweitung der Renditedifferenz zwischen beiden Ländern zu setzen und zehnjährige niederländische Bonds zu verkaufen und deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit zu kaufen.

Die Niederlande haben seit 2009 die für die Europäische Union geltende Defizitobergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschritten. Mit einem über vier Jahre laufenden Sparprogramm im Volumen von 16 Mrd. Euro, das die Regierung im Oktober ankündigte, soll die Haushaltslücke wieder verringert werden. Die Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte will im weiteren Verlauf des Jahres über zusätzliche Maßnahmen im Umfang von 4,3 Mrd. Euro für 2014 entscheiden, die erforderlich wären, um die Ziele für kommendes Jahr zu erreichen.

Kommentare (6)

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Joker1

27.05.2013, 12:17 Uhr

Wenn jetzt die Niederlande noch ins trudeln kommen,
was bleibt dann von der -ach so stabilen- Eurozone übrig?
Wieso läßt man die europäische Bevölkerung so leiden?
Wickelt die Banken ab und löst die Eurozone auf, sonst
wird die ganze EU Makulatur.
Kohl, der Einheitskanzler, seine Bimbesquellen und seine
Nachfolger haben sich verzockt!
Ab in den GULAG mit diesen Ganoven!

schlanker-staat

27.05.2013, 13:25 Uhr

BRD-Abgaben--viel-zu-hoch

Wie schaffen es eigentlich die erfolgreichen Staaten mit einer Staatsquote von 30% ihren Haushalt auszugleichen? Richtig, diese Staaten füttern nicht wie die BRD über 4 Millionen Staatsbedienstete durch, wo weniger als die Hälfte für die öffentliche Verwaltung ausreicht.

Vom Haushalt der BRD, die jährlich 600 Milliarden EUR Steuereinnahmen den Steuerzahlern abpresst, werden allein für die weit überhöhten Bezüge der Staatsbediensteten fast ein Drittel (200 Mia EUR) verschwendet! Dazu kommen noch die Fehlinvestitionen wie FH BER , EURO-Drohnen, BW-Aufblähung mit unnötigen Soldaten und Ausrüstung, Parallelverwaltungen in EU – Bund – Ländern – Kreisen -- Gemeinden und den weit überdimensionierten Behörden. Statt Steuergesetze zu entrümpeln, wird dieser historisch gewachsene Wust nicht vereinfacht, sondern als Beschäftigungsprogramm zum Durchfüttern überflüssiger Finanzbeamter reformfeindlich weiterbetrieben!

Kein Wunder, daß immer mehr Leistungsträger der BRD den Rücken kehren und sich in anderen erfolgreichen Ländern wieder Richtung 30% Abgabenquote orientieren....

Account gelöscht!

27.05.2013, 13:59 Uhr

Joker, nüchtern betrachtet bleibt nur Hessen, Baden-Würtemberg, Bayern und Finnland übrig. Die müssen alles zahlen. Ich eröffne hiermit die Diskussion darüber.

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