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05.01.2010

14:45 Uhr

Schwarzenegger-Nachfolge

Whitman und Fiorina wollen Kalifornien erobern

VonMarkus Ziener

Was auf nationaler Ebene nicht gelang, soll jetzt in Kalifornien klappen: Nach ihrem Engagement im Wahlkampf von John McCain wollen es die Republikanerinnen Meg Whitman und Carly Fiorina im Jahr 2010 noch einmal wissen – und die Demokraten-Bastion Kalifornien erobern. Dabei setzen die Karrierefrauen auf die Schwarzenegger-Taktik.

100 Millionen Euro soll das Privatvermögen von Carly Fiorina, der ehemaligen Chefin von Hewlett Packard, betragen. ap

100 Millionen Euro soll das Privatvermögen von Carly Fiorina, der ehemaligen Chefin von Hewlett Packard, betragen.

WASHINGTON. Sie wagen sich auf urliberales Stammland, doch chancenlos sind Meg Whitman und Carly Fiorina deshalb noch lange nicht. Die beiden einst sehr erfolgreichen Geschäftsfrauen wollen Kalifornien für die Republikaner erobern. Whitman als Gouverneurin und Fiorina als Senatorin. Dafür geben sich beide einen liberalen Anstrich. Wenngleich bis zu den Wahlen im Herbst 2010 noch Monate vergehen, so macht sich bei den Demokraten bereits jetzt Nervosität breit.

So sammelt Barbara Boxer, die seit 1993 für die Demokraten einen der beiden kalifornischen Senatorensitze hält, schon auffällig fleißig Spenden ein. Dabei benutzt sie ganz offen die mögliche Gegenkandidatur von Fiorina als Druckmittel, um die Geldbeutel ihrer Unterstützer zu öffnen. Mit 6,3 Millionen Dollar haben sich in ihrem Wahlkampftopf bereits jetzt so viele Spenden angehäuft wie noch nie zuvor zu so einem frühen Zeitpunkt. Und das ist nur der Anfang: Sollte sich Fiorina als Bewerberin der Republikaner durchsetzen, dürfte der Kampf um den Senatssitz eine Materialschlacht werden, wie sie noch nie dagewesen ist. Bis zu 35 Millionen Dollar könnte der Wahlkampf kosten.

Carly Fiorina war 2005 zwar als Chefin des Computerriesen Hewlett Packard gescheitert, doch sie verließ das Unternehmen mit einer hohen Abfindung. Spekuliert wird, dass die 55-Jährige über ein persönliches Vermögen von rund 100 Millionen Dollar verfügt. Sollte sie davon einen Teil auf ihre Kandidatur verwenden, dann dürften ihre Chancen erheblich steigen. Zwar ist der Senatssitz, den Barbara Boxer hält, seit 1969 in demokratischer Hand. Doch die Botschaft, mit der Fiorina auf Stimmenfang geht, hatte schon bei einem anderen Republikaner großen Erfolg: Arnold Schwarzenegger. Der Gouverneur, der sein Amt im Herbst nächsten Jahres räumen muss, eroberte 2003 den Chefsessel in Sacramento, indem er konservative Themen mit durchaus liberalen Vorstellungen kombinierte. Und Fiorina versucht Ähnliches – auch wenn sie dafür von orthodoxen Republikanern Kritik einstecken muss.

Eine reine Schwarzenegger-Kopie will Meg Whitman zwar nicht sein. So geht die 53-Jährige, die Ende 2007 den Vorstandsvorsitz von Ebay abgegeben hat, etwa an das Thema Umwelt vorsichtiger heran als der scheidende Gouverneur. Sie fürchtet Nachteile für die Industrie, wenn die Emissionsgrenzen zu streng gezogen werden. Doch wirklich lösen von dem Erfolgsmodell Schwarzenegger kann und will auch sie sich nicht. Der ehemalige Filmschauspieler, der sich gerne als überparteilicher Gouverneur präsentiert, setzte einen Standard, der so leicht nicht zu überwinden ist. Statt mit Ideologie hat Schwarzenegger mit dem gesunden Menschenverstand regiert. Das hat ihm in allen politischen Lagern Sympathien gebracht. Und auch wenn er an Popularität zuletzt einbüßte, so gilt dieser Ansatz nach wie vor als der Türöffner in einem Bundesstaat, der eigentlich den Demokraten zu gehören scheint.

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