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10.10.2015

16:37 Uhr

Schwarzmarkt-Geschäfte

Terrormiliz IS wurde radioaktives Material angeboten

Es klingt wie ein Alptraum: radioaktives Material in den Händen von Terroristen. Bei Schwarzmarkt-Geschäften in Moldau wäre es mehrmals fast soweit gekommen. Ermittler rechnen mit weiteren Fällen.

Sind die Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ womöglich in Besitz von Nuklearmaterial gelangt? Behörden wollen das nicht ausschließen. AP

Terrormiliz IS

Sind die Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ womöglich in Besitz von Nuklearmaterial gelangt? Behörden wollen das nicht ausschließen.

ChrisinauKriminelle Banden haben Terrorgruppen wie dem sogenannten Islamischen Staat nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP in Moldau mehrfach radioaktives Material angeboten. Seit 2010 gelang es den mit der US-Bundespolizei FBI kooperierenden Behörden des Landes in vier Fällen, diese Geschäfte zu verhindern, wie moldauische Ermittler der AP sagten. Ob es Extremistengruppen bei anderer Gelegenheit geglückt ist, radioaktives Material zu kaufen, können die Ermittler aber nicht zweifelsfrei ausschließen.

Terrorgruppen wie der IS und auch Al-Kaida haben ihre Ambitionen mehrfach deutlich gemacht, Massenvernichtungswaffen einsetzen zu wollen. Für die Recherchen hatte die AP Einblicke in Dokumente der moldauischen Polizei und Justizbehörden. Demnach versuchen Banden, die Verbindungen nach Russland haben sollen, Nuklearschmuggler und Käufer vor allem aus dem Nahen Osten zu Geschäften zusammenzubringen. Moldauische Ermittler berichteten, einige der Kriminellen hätten Verbindungen zu der Nachfolgebehörde des sowjetischen Geheimdienstes KGB.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Die Vereinigten Staaten seien von Schmugglern und Käufern in mehreren Fällen als mögliches Ziel bezeichnet worden, hieß es. Die kriminellen Organisationen betrieben ihre Schwarzmarktgeschäfte mit Nuklearmaterial mit Vorliebe in dem kleinen und verarmten Moldau – einer ehemaligen Sowjetrepublik. Weil die Zusammenarbeit zwischen dem Westen und Russland zusammengebrochen sei, sei es viel schwieriger geworden herauszufinden, ob Schmuggler Wege gefunden hätten, Teile des riesigen Vorrats russischem Atommaterials zu verschieben.

Der jüngste Fall liegt erst acht Monate zurück, wie es hieß. Im Februar bot ein Schmuggler demnach eine große Menge hoch radioaktives Cäsium an, mit dem mehrere Wohnblöcke einer Stadt hätten verseucht werden können. Er suchte dabei explizit nach einem Käufer des IS. 2011 wollte ein Mann den Angaben zufolge bombenfähiges Uran an einen Sudanesen verkaufen. Zuvor habe er seinen Hass auf die USA geäußert, hieß es.

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