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30.05.2015

12:38 Uhr

Schweigegeldzahlungen

US-Politiker Hastert verschleierte Sex-Vorwürfe

Dennis Hastert hat sich den drittmächtigsten Politiker der USA nennen dürfen. Doch nun hat die Staatsanwaltschaft Illinois Anklage erhoben: Hastert habe mit Geld Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs verschleiert.

3,5 Millionen Dollar (3,2 Millionen Euro) Schweigegeld soll Hastert an eine Person gezahlt und damit gegen Bankgesetze verstoßen haben. ap

Ex-Spitzenpolitiker Dennis Hastert

3,5 Millionen Dollar (3,2 Millionen Euro) Schweigegeld soll Hastert an eine Person gezahlt und damit gegen Bankgesetze verstoßen haben.

ChicagoDer Ex-Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Dennis Hastert, soll mit Schweigegeldzahlungen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs verschleiert haben. Die mutmaßlichen Übergriffe lägen Jahrzehnte zurück, sagte eine mit dem Fall vertraute Gewährsperson der Nachrichtenagentur AP am Freitag. Am Vortag hatte die Staatsanwaltschaft im Staat Illinois Anklage gegen den prominenten Republikaner erhoben.

Die Justiz warf Hastert vor, 3,5 Millionen Dollar (3,2 Millionen Euro) Schweigegeld an eine Person gezahlt und damit gegen Bankgesetze verstoßen zu haben. Zudem habe der 73-Jährige das FBI im Zuge der Ermittlungen belogen. Auf jeden Anklagepunkt steht die Höchststrafe von fünf Jahren Haft und ein Bußgeld von 229.000 Dollar. Hastert hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.

Das Schweigegeld floss den Angaben zufolge an eine Person im westlich von Chicago gelegenen Vorort Yorkville, wo Hastert zwischen 1965 und 1981 als Lehrer und Trainer an einer Highschool arbeitete. Die Zeitung „Los Angeles Times“ zitierte einen Polizeiermittler mit den Worten, bei dem Empfänger handele es sich um einen Mann, der von Hastert in seiner Zeit als Trainer sexuell belästigt worden sei. Der Fall habe nichts mit öffentlicher Korruption oder Hasterts Zeit als politischer Amtsträger zu tun, erklärte der Gewährsmann weiter. .

Aus der Verwaltung des Schulbezirks, in dem er als Lehrer tätig war, verlautete, dass damals keine Beschwerden über etwaiges Fehlverhalten gemeldet worden seien. Von der Klage gegen Hastert habe man erst am Donnerstag erfahren.

Hastert galt als wenig bekannter republikanischer Abgeordneter, bis er 1999 als Vorsitzender des Repräsentantenhauses die Nachfolge von Newt Gingrich antrat. Der prestigeträchtige Posten fiel Hastert zu, nachdem sein favorisierter Parteikollege Bob Livingston nach dem Eingeständnis etlicher Sex-Affären zurücktreten musste.

Als Chef des Repräsentantenhauses boxte Hastert unter anderem von Präsident George W. Bush verfügte Steuerkürzungen und staatliche Zuschüsse für rezeptpflichtige Medikamente durch. Das Amt machte Hastert nach dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten formal zum drittmächtigsten Politiker in den USA.

Nach acht Jahren als Vorsitzender des Repräsentantenhaus verließ er 2007 den Kongress - kein Republikaner hatte das Amt länger bekleidet als Hastert. Nach seinem Abschied vom Kapitol verdingte er sich in Washington als Lobbyist. Ein Sprecher seines Arbeitgebers - die Anwaltskanzlei und Lobbyfirma Dickstein Shapiro LLC - teilte jedoch am Donnerstag mit, dass Hastert gekündigt habe.

Von

ap

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