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11.03.2013

13:25 Uhr

Schweigeminute

Japan gedenkt Opfer der Atomkatastrophe

Vor zwei Jahren wurde Japan von einer Natur- und Atomkatstrophe heimgesucht. Heute gedenken die Japaner der Opfer von damals. Tausende gehen gegen den Atomkurs der neuen Regierung auf die Straße.

Um 14:46 Uhr Ortszeit gedenkt eine Frau in Tokio der Opfer der Katastrophe von vor zwei Jahren. Reuters

Um 14:46 Uhr Ortszeit gedenkt eine Frau in Tokio der Opfer der Katastrophe von vor zwei Jahren.

TokioJapan hat am Montag mit einer Schweigeminute der Opfer der Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe vor zwei Jahren gedacht. Um 14.46 Uhr Ortszeit legten die Menschen in den Katastrophengebieten und anderen Orten eine Schweigeminute für die fast 19 000 Todesopfer des Tsunami ein - genau zu dem Zeitpunkt, als am 11. März 2011 ein Erdbeben der Stärke 9,0 Japan heimsuchte.

Regierungschef Shinzo Abe rief seine Landsleute in einer Internetbotschaft auf, den Opfern der Katastrophe helfend beizustehen. „Die Kraft von allen“ werde im Katastrophengebiet weiterhin benötigt. Tausende gingen derweil gegen das von Abe geplante Wiederanfahren der Atomkraftwerke, die seit dem GAU in Fukushima abgeschaltet sind, auf die Straßen. Der GAU ist zum Inbegriff der Tragödie vom 11. März geworden.

Bei einer Gedenkzeremonie in Tokio gedachten auch Kaiser Akihito und seine Gemahlin Kaiserin Michiko zusammen mit Angehörigen der Opfer und Regierungsvertretern der schlimmsten Katastrophe in Japan seit dem Zweiten Weltkrieg. „Wir fühlen, mit erneuter Entschlossenheit, dass es für uns alle wichtig ist, weiter auf diese Menschen aufzupassen und ihren Kummer so weit wie möglich zu teilen“, sagte der Monarch.

Viele Opfer befällt zwei Jahre nach der Katastrophe das Gefühl, vergessen zu werden. Noch immer leben rund 315 000 Menschen in engen Containerbehausungen und anderen Behelfsunterkünften. Rund 400 000 Gebäude hat die Flutwelle zerstört, doch der Wiederaufbau kommt nur schleppend voran.

Der seit Dezember amtierende Regierungschef Abe rief seine Mitbürger auf, sich an freiwilligen Hilfsaktionen zu beteiligen und zu spenden. Außerdem sollten die Japaner ins Katastrophengebiet fahren und Produkte aus der betroffenen Region Tohoku kaufen. Er versicherte, den Wiederaufbau zu beschleunigen. „Ohne einen Frühling in Tohoku wird es keinen Frühling für Japan geben“, sagte Abe.

Am selben Tag zogen rund 1650 Bürger Fukushimas in vier Sammelklagen gegen die Regierung und den Betreiber des Atomkraftwerks, Tepco, vor Gericht. Sie verlangen monatliche Entschädigungen, bis der Staat die Strahlenbelastung auf das Niveau vor dem Super-GAU gesenkt hat.

Zwar hat die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl selbst kein einziges direktes Todesopfer gefordert. Die japanische Tageszeitung „Tokyo Shimbun“ wies jedoch am Montag auf der Titelseite ihre Leser darauf hin, dass als indirekte Folge der Atomkatastrophe bisher 789 Menschen wegen der langen Evakuierungsdauer und Stress gestorben seien.

Hilfskräfte in den betroffenen Regionen beklagen, dass nicht genug gegen das seelische Leid der Menschen getan werde. Viele der meist alten Menschen vereinsamten, weil sie mit niemandem sprechen können. Immer öfter ist vom „einsamen Tod“ die Rede. Die Opfer in den Containerhäusern, von denen viele früher Bauern und Fischer waren und jetzt nichts mehr zu tun haben, würden immer öfter krank, manche verfallen dem Alkohol.

Kritiker werfen dem japanischen Staat und den Medien vor, die Folgen der Katastrophe noch immer herunterspielen zu wollen. Nach neuen Berechnungen der Mediziner-Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) wird es allein durch die äußere Strahlenbelastung 40 000 bis 80 000 zusätzliche Krebsfälle in Japan geben. Außerdem erwarten die Wissenschaftler noch gut 37 000 zusätzliche Krebserkrankungen durch strahlenbelastete Nahrungsmittel.

Von

dpa

Kommentare (5)

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HofmannM

11.03.2013, 13:46 Uhr

Was soll diese falsche Darstellung!? Japan gedenkt der Opfer der Naturkatastrophe! Es war ein Tsunami und kein Kerkraftwerk! Sehr geehrtes Handelsblatt wollt ihr wirklich weiterhin einen ideologischen Kampf gegen die Realität führen!?
Mann oh Mann ist Deutschland schon mit ökosozialistischen Lügenmärchen verfilzt!

AberHallo

11.03.2013, 14:43 Uhr

Das mediale Ausschlachten eines Randereignisses einer Tsunamikatastrophe, die tausende Menschenleben kostete, ist einfach nur erbärmlich.
Der von den Grünen ersehnte, mit Tschernobyl vergleichbare, GAU ist zum Glück ausgeblieben. Aber anstatt die Panikmache zuzugeben, klammern sich die Medien an jeden Strohhalm um den Hype zu rechtfertigen.
Druckwasserreaktoren sind keine RBMK, Leichtwasser als Moderator ist kein Graphit, eine Reaktorhülle kein besserer Karton, sporadische Wasserstoffexplosionen kein tagelanger Brand des Moderators, radioaktives Iod kein Plutonium.
4 veraltete Reaktorblöcke sind nach einer Notabschaltung über eine Woche außerhalb menschlicher Kontrolle. Die verhältnismäßig geringfügigen Folgen sprechen daher eher für die moderne Kerntechnik : Wasserstoffexplosionen, Spuren von Cäsium u. überwiegend radioaktives Iod mit einer Halbwertszeit von 8 Tagen. Tschernobyl war eine Katastrophe u. ist nicht zu verharmlosen, aber der „GAU von Fukushima“?! Ein medialpolitisches Manöver wie diese HB Schlagzeile eindrucksvoll beweist.

Account gelöscht!

11.03.2013, 14:45 Uhr

Dieser Artikel ist typisch für die Anti-Atom-Propaganda von so vielen Journalisten. Die wollen uns beibringen, dass Japan der Atomkatastrophe gedenkt. Das ist eine Verdrehung der Tatsachen. In Japan trauert man natürlich um die 19000 Toten und um die gewaltigen Schäden von Erdbeben und Tsunami. Nur eine kleiner Teil dieser furchbaren Schäden hat etwas mit den Kernschmelzen der Atomkraftwerke zu tun (z.B. die Evakuierung).

Und dann werden völlig unseriöse Zahlen von Anti-Atom-Lobby-Gruppen aufgezählt. Das ist Propaganda.

Liebe Journalisten: Ihr denkt, Ihr habt einen pädagogischen Auftrag für's (dumme) Volk. Nein, Ihr seid nicht unsere Lehrer. Wir wollen keine Prediger von Ideologien. Wir wollen Informationen! Dafür brauchen wir Euch! Gern hören wir auch ab und zu eine Meinung. Die sollte dann aber als solche gekennzeichnet sein. Noch besser wäre es, wenn mehrere Sichtweisen bzw. Interpretationen dargestellt werden.

Wie gesagt, wir brauchen Euch Journalisten, aber nicht als Prediger.

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