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06.03.2013

18:32 Uhr

Schweiz als Vorbild

EU-Kommissar Barnier will Managergehälter deckeln

EU-Wettbewerbskommissar Michel Barnier will Managergehälter nach Schweizer Vorbild deckeln. In Zukunft sollen Aktionäre mehr Mitspracherecht bei der Festsetzung der Höhe der Vergütungen bekommen.

EU-Wettbewerbskommissar Michel Barnier will Managergehälter deckeln. Reuters

EU-Wettbewerbskommissar Michel Barnier will Managergehälter deckeln.

BrüsselDie EU-Kommission will noch in diesem Jahr eine Gesetzesinitiative nach Schweizer Vorbild auf den Weg bringen, um Aktionären eine stärkere Mitsprache über die Höhe der Vorstandsbezüge einzuräumen. Das Votum der Anteilseigner solle bei Firmen in der EU künftig verbindlich sein, teilte der für Finanzregulierung zuständige Kommissar, Michel Barnier, am Mittwoch mit. „Ich befürworte, dass Aktionäre mehr Verantwortung bei Gehaltsfragen bekommen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

Vorgaben des Aktienrechts

In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

Der Aufsichtsrat

Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

Corporate Governance Kodex

Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



Kodex-Verschärfung

Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



Transparenz

Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

Die irische EU-Ratspräsidentschaft und das Europäische Parlament hatten sich gerade erst auf Regeln verständigt, Bonus-Zahlungen an Top-Banker zu begrenzen. Lediglich Großbritannien verweigerte zuletzt noch die Zustimmung.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

Die Schweizer hatten am Wochenende für eine „Volksinitiative gegen die Abzockerei" gestimmt. Diese zielt darauf ab, die Aktionäre in der Hauptversammlung jedes Jahr neu über die Höhe der Managervergütungen von börsennotierten Firmen entscheiden zu lassen. Bisher ist das Sache der Verwaltungsräte. Antritts- und Abgangszahlungen soll es nicht mehr geben.

Die Debatte über Multi-Millionen-Vergütungen von Managern hatte auch in Deutschland wegen eklatanter Einzelfälle Fahrt aufgenommen. So wurde bekannt, dass Volkswagen-Chef Martin Winterkorn für das abgelaufene Jahr 14,5 Millionen Euro erhalten soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt bei dem Thema auf eine europäische Lösung. „In einer international vernetzten Wirtschaft ist es richtig, so etwas nicht national alleine zu betreiben, sondern in den größeren europäischen Zusammenhängen", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert am Montag.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

06.03.2013, 19:05 Uhr

Und was bringt das? Dann wird den Aktionären in Zukunft gesagt, dass ohne den und den Lohn wir den Vorstand verlieren und die Löhne fließen wie vorher.

Lasst es den Markt regulieren. Allein durch die Regulierungswut bei Banken werden Banken in Zukunft deutlich weniger verdienen als 2007/2008 und damit sinken die Vorstandsgehälter automatisch.

Dazu kommt, dass die Länder, die die mit Abstand höchsten Gehälter zahlen (USA/Hong Kong usw.) sich die Hände reiben und die guten Manager abbekommen.

Mazi

06.03.2013, 19:42 Uhr

Es ist schon etwas am Thema, aber es sollte nicht so denen betrieben werden, deren eigene Diäten und Pensionen in großem Missverhältnis zur erbrachten eigenen Arbeitsleistung stehen.

Das ganze System fehlt kräftig durchgerüttelt, aber kräftigst!

Account gelöscht!

06.03.2013, 19:43 Uhr

Jetzt stürzen sich die Brüsseler Kommunisten auf die Manager, weil die Schweizer es vormachen. Der Unterschied ist nur, dass dort das Volk entschieden hat und nicht irgendwelche eingesetzten Kommissare. Denen muss man mit der Wahlalternative das Handwerk legen, bevor wir endgültig Zustände wie in der alten Sowietunion haben.

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