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05.02.2014

13:45 Uhr

Schweiz

Müssen wir bald draußen bleiben?

VonHolger Alich

Knallen die Schweizer den Deutschen die Tür vor der Nase zu? Am Sonntag stimmen sie über die Wiedereinführung von Zuwanderungs-Kontingenten ab. Die Folgen des Urnengangs reichen weit über die Schweiz hinaus.

Mit solchen Plakaten macht die Schweizerische Volkspartei (SVP) Stimmung für die Initative „gegen Masseneinwanderung“. dpa

Mit solchen Plakaten macht die Schweizerische Volkspartei (SVP) Stimmung für die Initative „gegen Masseneinwanderung“.

ZürichDer Aufwand ist beachtlich: Drei von sieben Mitglieder der Schweizer Regierung, dem Bundesrat, touren seit Wochen durch das Land, um dem Wahlvolk von der Versuchung zu widerstehen, sich am 9. Februar zu einer Protestvotum hinreißen zu lassen. „Tour de Schiss“, spottete schon die Schweizer Boulevard-Zeitung „Blick.“ Denn es steht viel auf dem Spiel.

Worum geht es: Am besagten 9. Februar stimmen die Schweizer über die die Volksinitiative der national-konservativen SVP ab. Die Partei von Christoph Blocher will per Verfassungsänderung die Regierung zwingen, mit der EU über die Wiedereinführung von Kontingenten zur Begrenzung der Einwanderung zu verhandeln.

Die Schweiz in Zahlen

Bevölkerung

Bevölkerung: Acht Millionen, der Anteil von Männern und Frauen liegt bei je 50 Prozent.

Ausländer

Ausländer:1,86 Millionen, 2013 zählte das Land netto 80 000 Zuwanderer.

Durchschnittsalter

Durchschnittsalter der Schweizer: 41, 6 Jahre. Zum Vergleich: Deutsche sind im Schnitt 43 Jahre alt.

Grenzen

Die Landesgrenze bildet die Schweiz mit Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Liechtenstein

Bruttoinlandsprodukt

Bruttoinlandsprodukt: 2010: 574,3 Milliarden Schweizer Franken, 2011: 586,8 Milliarden Schweizer Franken 2012: 593,0 Milliarden Schweizer Franken

Die größten Städte

Zürich (1,2 Millionen Einwohner), Genf (530.000), Basel (500.562), Bern (355.000), Lausanne (342.000), Luzern 211. 000), St. Gallen (151.000)

Sprachen

Sprachen: Deutsch 65,6 Prozent, Französisch 22,8 Prozent, Italienisch 8,4 Prozent, Rätoromanisch 0,6 Prozent.

„Seit 2007 kann die Schweiz nicht mehr selber bestimmen, wer für wie lange in unser Land kommt und wann er gehen muss“, argumentiert die SVP in ihrem „Extrablatt“, das sie jedem Bewohner in den Briefkasten steckte. Jedes Jahr strömen 80.000 Ausländer ins Land – so viel, wie die Stadt Luzern Einwohner hat. „Die Folgen dieser verhängnisfolgen Entwicklung sind jetzt schon erkennbar: Zunahme der Arbeitslosigkeit (...), überfüllte Züge, verstopfte Straßen, steigende Mieten und Bodenpreise, Verlust von immer knapperen Kulturland, Lohndruck, Ausländerkriminalität“ und und und.

Das ist gewohnte SVP-Rhetorik: Die Ausländer sind an allem Schuld. Doch am 9. Februar könnte die SVP-Kampagne erstmals nachhaltige Folgen für die Schweiz und Europa haben. Laut der jüngsten Umfrage des Instituts GFS.Bern sind mittlerweile 43 Prozent für die Initiative, das „Ja“-Lager hat satte sechs Punkte zugelegt. Die Gegner stellen nur noch 50 Prozent, der Rest ist unentschieden. „Es wird eng werden“, fürchtet auch Martin Landolt, Präsident der bürgerlichen BDP-Partei, die sich einst von der SVP abgespalten hatte.

„Zuwanderungsskepsis gibt es nicht nur im klassisch konservativen Lager“, warnt der Politgeograf Michael Hermann. Auch Linke und Grüne würden den Zustrom von Ausländern zunehmend kritisch sehen, weil sie das ungebremste Zubauen der Schweiz fürchten.

Kommentare (30)

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PeterKock

05.02.2014, 13:55 Uhr

Das könnte bei uns auch nicht schaden denn es gibt viele Themen die das Volk , und nur das Volk , entscheiden sollte. Einfacher Mehrheitsbeschluß reicht ! Politische Debatten mit ständiger Rücksicht auf alles bringen meist wenig und werden immer nur im Konsens aller gelöst. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

SchweizKeinerbrauchts

05.02.2014, 14:06 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

muunoy

05.02.2014, 14:10 Uhr

Also, ich kann die Schweizer verstehen, dass sie sich langsam Sorgen bzgl. der Zuwanderung (insbes. auch aus Deutschland) machen. Als ich vor zwei Jahren mal ein Projekt in der Schweiz machte, waren dort fast nur noch Deutsche im Unternehmen. Klar, die Schweiz ist für hochqualifizierte Arbeitskräfte deutlich attraktiver als Deutschland. Aber die Folgen auf dem Immobilienmarkt sind inzwischen unübersichtlich. Auch sind Deutsche halt bereit, geringere Gehälter zu akzeptieren. Es ist netto ja in jedem Fall deutlich mehr als in Deutschland. Auch das wird irgendwann Probleme bereiten. Und wenn das Comeback des Sozialismus in den EU-Ländern fortgesetzt wird, so werden noch viel mehr kommen wollen.
Andererseits tragen die Schweizer selbst eine gewisse Mitschuld. So wurde mir bereits angeboten, mein Unternehmen doch in die Schweiz zu verlagern. Das Angebot war außerordentlich attraktiv, während ich in Deutschland als Spitzensteuerzahler ja fast wie ein Verbrecher behandelt werde. Bei einem Freund von mir ist gleich das ganze Unternehmen in den Kanton Zug abgewandert. Auch hier haben Schweizer zunächst ein interessantes Angebot gemacht.

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