Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.07.2012

11:25 Uhr

Schweizer Notenbankchef

Integration durch Bankenunion

VonHolger Alich, Torsten Riecke

Der Schweizer Notenbankchef gibt den Euro nicht verloren. Er rät seinen Nachbarn zu einer gemeinsamen Rekapitalisierung der europäischen Banken, aber nicht ohne Auflagen. Das wichtigste sind, für ihn, die Kontrollen.

Schweizer Notenbankchef Thomas Jordan: „Wir sind nicht da, um Gewinne zu erwirtschaften.“ Reuters

Schweizer Notenbankchef Thomas Jordan: „Wir sind nicht da, um Gewinne zu erwirtschaften.“

Herr Jordan, reichen die Beschlüsse des EU-Gipfels, um die Märkte zu beruhigen?
Jordan: Das kann man im Moment noch nicht abschätzten. Zentral ist, wie die Märkte die noch zu erfolgende Umsetzung der Beschlüsse einschätzen und die langfristige Wirkung der Maßnahmen beurteilen.

Stellt die direkte Hilfe an die Banken nicht einen Freibrief auf Kosten des Steuerzahlers dar?
Diese Gefahr besteht. Deshalb ist es so zentral, dass für die Hilfe die notwendigen Bedingungen gestellt werden und die Kontrolle durch die europäischen Institutionen und nicht nur durch die Staaten erfolgt.

Sie haben in Ihrer Doktorarbeit vor den Risiken einer Währungsunion in Europa gewarnt und recht behalten. Gibt es dennoch eine Chance für den Euro?
Es geht darum, die finanzielle Stabilität der Staaten der Euro-Zone auf mittlere Sicht wiederherzustellen. Die Banken müssen mit genügend Eigenkapital ausgestattet werden. Zudem muss die Wirtschaft in der ganzen Euro-Zone wieder stärker wachsen.

Was müssen wir heute tun, um die Krise zu bekämpfen?
Es ist nicht an der Nationalbank, Empfehlungen zum Krisenmanagement an Europa zu geben. Aber eine mögliche Stoßrichtung, die nun auch am EU-Gipfel diskutiert wurde, ist die Abhängigkeit zwischen Staaten und Banken durch eine Bankenunion zu vermindern. Damit könnte man die Rekapitalisierung der wichtigsten Institute in der Euro-Zone in einem gemeinschaftlichen Schritt vollziehen. Über eine Bankenunion könnte man am schnellsten eine vertiefte Integration erreichen. Damit ließe sich auch die Forderung von Frau Merkel nach einer Verbindung von Haftung und Kontrolle erfüllen.

Wo soll das Geld für die Rekapitalisierung herkommen?
Das Geld dafür könnte aus den bestehenden europäischen Rettungsschirmen kommen und direkt an die Banken gehen. Wenn die starken Staaten den schwachen helfen, wird die Gesamtbelastung der Union insgesamt nicht verändert. Trotzdem könnte die Euro-Zone sich dadurch stabilisieren, weil so Zeit für nötige Reformen gewonnen werden könnte. Bedingungen und Kontrollen sind aber äußerst wichtig, damit die Zeit auch tatsächlich genutzt wird und es nicht zu einer Ausweitung des moralischen Risikos kommt.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Ben-Wa

03.07.2012, 14:14 Uhr

Der gute Herr Jordan ist ein eifriger Schweizer Patriot. Der denkt nur an die Schweiz!

Denn wenn die Eurozone kollabiert, nimmt es die UBS und Credit Suisse mit - und damit die Schweiz!

Also soll dieser BANKER *kotz* einfach mal den Mund halten. Glaubwürdig ist NICHTS VON BANKERN!

Gegenrede

03.07.2012, 15:21 Uhr

Dazu gibts eine brillante Gegenrede im Schweizer "Tagesanzeiger".

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Zentrale-Bankenaufsicht-ist-reine-Alibiuebung/story/12454708

r3vli0

03.07.2012, 15:47 Uhr

Soll der freundliche Herr auss der Schweiz doch einfach mal die Gosche halten. Wenn die Schweiz dem Zahlerbund (D,NL,FIN) oder Hafter für den ESM Unfug wird, kann er sich ja nochmals melden die Südländer wird es freuen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×