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22.12.2011

09:44 Uhr

Schwere Anschläge

Bombenattentate verschärfen Regierungskrise im Irak

Kaum eine Woche nach dem Abzug der US-Truppen versuchen Terroristen die irakische Regierung auseinanderzubomben. Die Anschlagsserie mit fast 60 Toten schürt die Angst vor einem Wiederaufflammen religiöser Gewalt.

Explosionsserie in Bagdad

Video: Explosionsserie in Bagdad

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BagdadBei einer Serie von offenbar koordinierten Terroranschlägen sind am Donnerstag in der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 70 Menschen getötet worden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen detonierten zwei der Sprengsätze in der Nähe eines Kinos. Bei einer Explosion im Karrada-Viertel explodierten kurz hintereinander eine Autobombe und der Sprengstoffgürtel eines Selbstmordattentäters. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte, wurden zudem 179 Menschen verletzt, als kurz hintereinander Sprengsätze in mehreren Stadtteilen explodierten. Einem Ministeriumssprecher zufolge gab es in der ganzen Stadt inmitten des morgendlichen Berufsverkehrs insgesamt zehn Bombenexplosionen. Die Anschläge wurden in den Stadtvierteln Karrada, Al-Wasirija, Al-Schaab und Al-Alwija verübt. Es sind die schwersten Anschläge im Irak seit Monaten.

Die Bombenserie droht die schwere innenpolitischen Krise zu verschärfen, in der sich der Irak befindet und die Spannungen zwischen den rivalisierenden Religionsgruppen wieder anzuheizen: Nach dem Abzug der letzten US-Soldaten am vergangenen Wochenende war der politische Streit zwischen den Schiiten und Sunniten in der Regierungskoalition eskaliert. Fast neun Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins buhlen in dem tief gespaltenen Land Schiiten und Sunniten erbittert um die Macht.

Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki entließ seinen sunnitischen Stellvertreter Salih al-Mutlak, weil der ihn mit Saddam Hussein verglichen hatte. Al-Malikis Koalitionspartner, die sunnitische Partei Irakia, kündigte daraufhin den Boykott der Kabinettssitzungen an, nachdem sie schon seit Samstag dem Parlament ferngeblieben war. Maliki drohte der Sunniten-Partei daraufhin mit der Entlassung aller sunnitischen Minister.

Malikis Regierung der nationalen Einheit war vor genau einem Jahr nach zähen Verhandlungen der beteiligten Parteien unter Führung und Vermittlung der USA gebildet worden. Alle Gruppen hatten sich auf eine fragile Machtteilung geeinigt. Demnach hat der schiitische Ministerpräsident einen sunnitischen und einen kurdischen Stellvertreter. Dem kurdischen Präsidenten stehen je ein schiitischer und ein sunnitischer Vize zur Seite. Die Sunniten stellen wiederum den Parlamentspräsidenten - mit einem schiitischen und einem kurdischen Stellvertreter.

Zudem stellte ein Gericht in Bagdad einen Haftbefehl wegen angeblicher Terroraktivitäten gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschimi aus. Der Politiker floh daraufhin in das von den Kurden kontrollierte Autonomiegebiet im Norden des Irak. Maliki verlangte von den ebenfalls an der Regierung beteiligten Kurden, al-Haschemi auszuliefern und sicherte dem Vizepräsidenten einen fairen Prozess zu. Haschemi, dem die Zusammenarbeit mit Todesschwadronen vorgeworfen wird, weist die Vorwürfe zurück und hat sich bereiterklärt, sich in Kurdistan den Richtern zu stellen.

Kommentare (6)

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22.12.2011, 10:03 Uhr

...war doch so klar wie das Amen in der Kirche. Ich sage nur versagt Amis. Wie in der gesamten vergangenen Dekade. Dümmer gehts nimmer. Lügen, Tricks und Täuschung als Mittel der Geschichtsklitterung.

Das nächste ist der der Schulterschluss Iraks mit dem Iran und dann schauen wir mal wie es weitergeht.....

der_Mahner

22.12.2011, 10:16 Uhr

Jetzt bin ich aber total überrascht dass sich die handelnden Parteien nicht an die vereinbarten Ziele halten. Somit sind zum wiederholten Male tausende und abertausende unschuldige Zivilisten als auch zum vermeintlich frieden bringende Soldaten umsonst gestorben.
Wann erkennt der Westen dass unser Verständnis von Demokratie von anderen Ländern und Völkern völlig anders empfunden und gesehen wird.
Das schlimme daran ist dass wenn verschiedene Kulturen und verschiedene Wirtschaftssystem in einen Topf geworfen werden, dies über kurz oder lang zu solchen Exzessen führen wird. Mal wird die Religion mal das Geld vorgeschoben. Es sollte uns gerade in Europa eine Warnung sein, was nicht von der breiten Masse der Völker getragen und gedultet wird, niemals dauerhaft Bestand haben kann. UDSSR und Ex Jugoslavien lassen grüßen. Ein aufdoktriertes zentralistisch und von der Bevölkerung abgelehntes Europa hätte innerhalb weniger Jahre wohl ähnliche Auswüchse. Wer denkt dass so etwas bei uns nicht möglich wäre wird sich wohl leider irren. Eine große verarmte Bevölkerungsschicht wird spätestens dann auf die Strassen gehen wenn es ums nackte Daein geht.Und die welche noch etwas zu verliren haben werden sich wehren. Darin unterscheidet sich ein Dt. leider weder vom Griechen, Iraker oder dem hungernden Afrikaner.

der_Mahner

22.12.2011, 10:17 Uhr

Jetzt bin ich aber total überrascht dass sich die handelnden Parteien nicht an die vereinbarten Ziele halten. Somit sind zum wiederholten Male tausende und abertausende unschuldige Zivilisten als auch zum vermeintlich frieden bringende Soldaten umsonst gestorben.
Wann erkennt der Westen dass unser Verständnis von Demokratie von anderen Ländern und Völkern völlig anders empfunden und gesehen wird.
Das schlimme daran ist dass wenn verschiedene Kulturen und verschiedene Wirtschaftssystem in einen Topf geworfen werden, dies über kurz oder lang zu solchen Exzessen führen wird. Mal wird die Religion mal das Geld vorgeschoben. Es sollte uns gerade in Europa eine Warnung sein, was nicht von der breiten Masse der Völker getragen und gedultet wird, niemals dauerhaft Bestand haben kann. UDSSR und Ex Jugoslavien lassen grüßen. Ein aufdoktriertes zentralistisch und von der Bevölkerung abgelehntes Europa hätte innerhalb weniger Jahre wohl ähnliche Auswüchse. Wer denkt dass so etwas bei uns nicht möglich wäre wird sich wohl leider irren. Eine große verarmte Bevölkerungsschicht wird spätestens dann auf die Strassen gehen wenn es ums nackte Daein geht.Und die welche noch etwas zu verliren haben werden sich wehren. Darin unterscheidet sich ein Dt. leider weder vom Griechen, Iraker oder dem hungernden Afrikaner.

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