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08.01.2005

11:14 Uhr

Schwierigkeiten bei der Identifikation der Kinder

Kinder im Katastrophengebiet werden registriert

Um sie vor Entführungen zu schützen, werden nun Kinder in Hilfslagern in Sri Lanka und Indonesien registriert. Dies sagten Unicef-Sprecher Schneider und Sascha Decker von der Kindernothilfe der Netzeitung.

HB BERLIN. Die Berichte über verschwundene Kinder aus den Notlagern in Südasien häufen sich. Nun beginnen die Regierungen in Indonesien und Sri Lanka zusammen mit internationalen Hilfsorganisationen, alle minderjährigen Opfer der Flut zu registrieren. Dies sagten Sprecher von Unicef und der Kindernothilfe am Freitag der Netzeitung.

Es gebe «ein starkes Bewusstsein in der Bevölkerung» dafür, dass Kinder in dieser Katastrophensituation gefährdet seien, sagte Sascha Decker, Pressesprecher der deutschen Kindernothilfe. «Die Menschen wollen ihre Kinder schützen.» Allerdings sei die Registrierung sehr schwierig, so Decker weiter, da «die Leute all ihre Papiere und Ausweise verloren haben. Es herrscht sozusagen ein echter Identifikationsmangel».

Deswegen werde versucht, in beiden Ländern Kontakte zu Verwandten aus den von der Flut verschonten Dörfern herzustellen. Die Angehörigen könnten dann die verwaisten Kinder identifizieren. Der Sprecher der Kindernothilfe sagte, wenn alle Kinder registriert seien, werde es schwieriger, sie unbemerkt zu entführen.

Die Vermutung, dass in Sri Lanka Kinder entführt werden, um von der tamilischen Rebellenarmee zwangsrekrutiert zu werden, sei jedoch zu relativieren. Es sei lediglich «von einer Sorge darüber die Rede» gewesen, «genaue Belege haben wir jedoch keine», sagte Decker weiter. In Sri Lanka müsse man nämlich immer damit rechnen, dass Kinder für den schon Jahre anhaltenden Bürgerkrieg missbraucht würden.

Aus der indonesischen Unruheprovinz Aceh waren laut Christian Schneider von Unicef in der vergangenen Woche zwei Fälle illegaler Adoption bekannt geworden. Außerdem seien in verschiedenen Hilfslagern Männer gesehen worden, die mit Kindern sprachen und später mit ihnen weggingen. Da die Jungen und Mädchen jedoch nicht registriert oder identifiziert gewesen seien, habe niemand gewusst, ob es sich bei den Männern um Angehörige oder Entführer handelte, berichtet Schneider der Netzeitung. In Indonesien gelten mittlerweile mehr als 300 Kinder vermisst.

«Schon aus anderen Krisenregionen ist es bekannt, dass Kinderhändler das herrschende Chaos zu ihren Zwecken ausnutzen», sagte Schneider weiter. Kinderhandel sei generell in der Region nichts Neues. Schon lange würden dort Kinder entführt und in reichere Regionen weiterverkauft. Oft werden sie dann laut Informationen von Unicef versklavt oder zur Prostitution gezwungen.

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