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10.09.2014

20:34 Uhr

Sean Connery für unabhängiges Schottland

Sag niemals nie

VonMartin Pirkl

Als britischer Top-Agent 007 spionierte Schauspieler Sean Connery im Auftrag Ihrer Majestät. Doch im echten Leben kämpft er für Schottlands Unabhängigkeit – dafür wäre er sogar zu einem ungewöhnlichen Schritt bereit.

Schottischer geht`s schon fast nicht mehr: Der Schauspieler Sir Sean Connery kämpft seit Jahrzehnten für die Unabhängigkeit seiner Heimat.

Schottischer geht`s schon fast nicht mehr: Der Schauspieler Sir Sean Connery kämpft seit Jahrzehnten für die Unabhängigkeit seiner Heimat.

DüsseldorfEin Herz durchbohrt von einem Schwert, darauf der Schriftzug „Scotland forever“. Das Tattoo auf seinem rechten Unterarm stammt aus seiner Zeit bei der britischen Marine. Die Rede ist von Schauspieler Sean Connery. Der frühere James Bond-Darsteller unterstützt seit Jahrzehnten die Unabhängigkeitsbewegung der Schotten. Nächste Woche könnte sein Lebenstraum in Erfüllung gehen.

Am 18. September stimmen die 4,2 Millionen wahlberechtigten Schotten darüber ab, ob Schottland künftig ein unabhängiger Staat sein soll. Sollte es zu einer Abspaltung kommen, würde sich die Union zwischen Wales, England und Schottland nach 307 Jahren auflösen. Acht Tage vor dem Referendum ist das Land in zwei nahezu gleich große Lager gespalten. Nach einer aktuellen Umfrage unterstützen 38 Prozent der Schotten die Unabhängigkeit, 39 Prozent wollen dagegen stimmen. Der Rest machte keine Angaben öder möchte sich enthalten.

Schottlands Streben nach Unabhängigkeit

September 1997

Bei einem Referendum stimmt eine Mehrheit für ein schottisches Regionalparlament mit begrenzten Kompetenzen innerhalb des Vereinigten Königreichs.

Mai 1999

Erstmals nach fast 300 Jahren wird wieder ein schottisches Parlament gewählt.

Mai 2007

Der Vorsitzende der linksliberalen Schottischen Nationalpartei SNP, Alex Salmond, wird neuer Ministerpräsident. Schottland hat erstmals eine Regierung, die für die Abspaltung vom Vereinigten Königreich eintritt.

Mai 2011

Die SNP gewinnt die absolute Mehrheit im Regionalparlament. Salmond kündigt an, über eine Unabhängigkeit solle in den kommenden fünf Jahren abgestimmt werden.

Januar 2012

Salmond kündigt das Referendum für Herbst 2014 an. Der britische Schottland-Minister Michael Moore erklärt, die Regionalregierung könne aus rechtlichen Gründen nicht im Alleingang ohne das Ja aus London zu einem Volksentscheid über die Unabhängigkeit aufrufen.

Mai 2012

Die maßgeblich von der SNP getragene schottische Unabhängigkeitsbewegung startet ihre Wahlkampagne „Yes Scotland“. Die Regierung in London, die strikt gegen eine Abspaltung Schottlands ist, startet eine Gegenkampagne.

Oktober 2012

Der britische Premier David Cameron und Salmond unterzeichnen ein Abkommen, das der Regionalregierung die Befugnis gibt, eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit abzuhalten.

März 2013

Der Termin für das Referendum wird auf den 18. September 2014 festgelegt.

November 2013

Salmond legt detaillierte Pläne für eine eigenständige Nation vor. Bei einem erfolgreichen Referendum soll Schottland im März 2016 unabhängig werden.

Der in Edinburgh geborene Schauspieler Sean Connery ist der wohl bekannteste Unterstützer der Separatisten. Dem Magazin „Cicero“ sagte er in einem Gastbeitrag: „Als Schotte und als jemand, der sein Leben lang Schottland wie auch die Kultur geliebt hat, bin ich davon überzeugt, dass die Gelegenheit für die Unabhängigkeit zu gut ist, um sie zu verpassen.“ Der 84-Jährige ist Mitglied der „Scottish National Party“ (SNP) und einer ihrer größten finanziellen Unterstützer. Die SNP ist die stärkste Partei im schottischen Parlament und fordert die Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien.

1971 gründete Connery mit eigenen Mitteln die Stiftung „Scottish International Educational Trust“. Seine gesamte Millionengage für seine Rolle als James Bond in dem Film „Diamantenfieber“ ging an die Vereinigung. Die Stiftung hat zwei Aufgaben. Zum einen vergibt sie Stipendien an talentierte Schotten, damit diese ihre Ausbildung finanzieren können. Zum anderen unterstützt sie Projekte, die ihrer Meinung nach der Kultur, der Wirtschaft, der Umwelt oder der Gesellschaft Schottlands helfen. Im Schnitt gibt der „Scottish International Educational Trust“ jährlich 30.000 Pfund für Stipendien aus.

Kommentare (8)

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Herr Thomas Albers

11.09.2014, 07:33 Uhr

"1971 stand Connery das letzte Mal als James Bond vor der Kamera."

Never say never again...

Herr Klaus Emerott

11.09.2014, 10:30 Uhr

Connery lebt wohl nur deshalb auf den Bahamas und in Spanien, weil dort das Wetter besser ist, nicht weil er im "besetzten" Schottland unterdrückt würde. Aber so schreibt und liest sich das natürlich viiiel dramatischer.
Zum Referendum: Das Öl geht zur Neige, wenn nicht heute, dann in 20 Jahren, und dann? Dann ist Schottland wieder das, was es 2000 Jahre lang war und für das sogar die Römer keine Lust hatten.

Herr Marc Ho

11.09.2014, 10:42 Uhr

Dass das Öl in wenigen Jahren ausgeht, wird bereits seit fast 30 Jahren behauptet, erstmalig vom unseligen "Club of Rome". Tatsächlich scheint es nach wie vor noch genügend zu geben. Daneben hat Schottland noch jede Menge andere Qualitäten zu bieten. Wenn selbst Staaten wie Montenegro, Bosnien, Slowenien (alle Ex-Jugoslawien) oder Lithauen (Ex-Russland) sich völlig problemlos eigenständig organisieren können, wird das Schottland ganz sicher auch gelingen.

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