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12.04.2017

02:22 Uhr

Sean Spicer

„Nicht einmal Hitler hat Chemiewaffen eingesetzt“

VonAxel Postinett

Trumps Pressesprecher gesteht einen „groben Fehler“ ein. Doch sein restlos verunglückter Vergleich zwischen Syrien und Nazi-Deutschland sorgt in den USA für Diskussionen über Antisemitismus und Rassismus im Weißen Haus.

Eklat im Weißen Haus

Assad-Vergleich – „Nicht mal Hitler hat Giftgas gegen sein Volk eingesetzt“

Eklat im Weißen Haus: Assad-Vergleich – „Nicht mal Hitler hat Giftgas gegen sein Volk eingesetzt“

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San FranciscoEr wollte eigentlich nur verdeutlichen wie schlimm Syriens Machthaber Bashar al-Assad wirklich ist. Aber der Vergleich, den Sean Spicer, Pressesprecher des Weißen Hauses, dafür am Dienstag aus dem Hut gezaubert hat, ging mächtig nach hinten los.

Spicer rief mit seiner Aussage nicht nur heftige Reaktionen aus allen politischen Lagern und bei Menschenrechtsorganisationen hervor. Er fiel damit auch US-Außenminister Rex Tillerson in den Rücken, der gerade in Russland für gutes Wetter sorgen wollte.

"Nicht einmal ein so verachtenswerter Mensch wie Hitler hat Chemiewaffen eingesetzt", antwortete Spicer während einer Pressekonferenz auf die Frage, warum die USA wegen mehrerer Toter nach einem Chemiewaffeneinsatz einen Militärschlag ausgeführt habe, aber nicht zuvor, als zehntausende durch konventionelle Waffen gestorben seien.

Praktisch umgehend setzten verstörte Reaktionen auf die Behauptung ein, und die Frage tauchte auf, ob Spicer den Holocaust und die Gaskammern leugnen will oder einfach nur keine Ahnung hat, wovon er redet. Noch während der routinemäßigen täglichen Pressekonferenz darauf angesprochen, sah Spicer seinen Irrtum zwar ein, machte es aber nur noch schlimmer.

Spicer redet sich noch tiefer rein

Er habe nur gemeint, dass Hitler, anders als Assad, kein Giftgas in Flugzeuge geladen und auf Städte abgeworfen und Unschuldige getötet habe. Warum das schlimmer sein soll als Unschuldige, Männer, Frauen und Kinder in Gaskammern zu ermorden, erschloss sich aber niemandem.

Rund 30 Minuten nach der Veranstaltung kam die nächste Verlautbarung, in der Spicer dann explizit die Grauen des Holocaust ansprach und sagte, er wollte diese in keiner Weise verharmlosen, sondern nur auf taktische Unterschiede hinweisen. Jetzt war alles zu spät. Das Internet brummte, alle TV-Sender griffen die Story groß auf.

Was zudem bleibt, sind zwei andere Ungereimtheiten: Im Anschluss an seinen Hitler-Vergleich sagte Spicer, Wladimir Putin "sollte sich gut überlegen", ob er sich mit dem Machthaber in Syrien gemein machen wolle. Das stellt Putin praktisch auf eine Stufe mit Assad und macht ihn damit in Spicers Logik schlimmer als Hitler.

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Kommentare (19)

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Herr Piet Vrolijk

12.04.2017, 08:23 Uhr

"Nur wer nicht arbeitet macht überhaupt kein Fehler"

Das ist zwar richtig, aber es gibt auch ziemlich unverzeihliche Fehler. Wer bei Hitler nicht automatisch an die Vergasung von Menschen denkt, der zeigt sehr deutlich das er in die Schule wirklich nicht aufgepasst hat. Und hinterher auch nix dazu gelernt hat.

Und es zeigt welche Leute der Herr Trump in seinen Dienst genommen hat. Und das sagt wieder sehr viel über der Herr Trump selbst aus.

Herr Holger Narrog

12.04.2017, 09:29 Uhr

Ich nehme an, dass man den einstigen Reichskanzler nicht gem. der geschichtlichen Ereignisse betrachtet, sondern als Synonym des Üblen.

Soweit mir bekannt wurde Hitler 1918 als deutscher Soldat mit österreichischem Pass im WKI bei einem alliierten Gasangriff verletzt und verbrachte das Kriegsende im Lazarett.

Deutsche Chemiker hatten Ende der 30er Jahre die Nervengase, Tabun, Sarin und später Soman entdeckt. Diese waren um Dimensionen effektiver als die Giftgase des WKI. Während des WKII produzierten die Alliierten reichlich Lost (Giftgas des WKI). Deutschland produzierte neben anderem ca. 12000 to Tabun und etwas Sarin. Diese Bestände wurden für die Eventualität des Gaskrieges gelagert.

Hitler verweigerte den Giftgaseinsatz gleichwohl dieser aufgrund der besseren Technologie und der besseren Gasschutzausrüstung im Krieg gegen die UDSSR sehr vorteilhaft gewesen wäre. Das persönliche Erleben spielte eine Schlüsselrolle.

Churchill soll mehrfach den Giftgaseinsatz im Bombenkrieg gefordert haben, konnte sich jedoch bei seinen eigenen britischen Mitstreitern nicht durchsetzen.

Im Jahr 1944 wurde bei einem deutschen Bombenangriff auf Bari (Italien) ein mit Giftgasmunition beladenes US Schiff getroffen. Hunderte starben, die USA vermuteten einen Deutschen Gasangriff und erwogen einen Gaskrieg zu starten.

Herr Alessandro Grande

12.04.2017, 09:56 Uhr

Die Diskussion zeigt doch am Ende nur, wie gesitig degenereiert und mit zu viel Zeit für Bullshit die westliche Welt heutzutage ist.
Denn was ist das Problem an diesem Vergleich, wo Assad am Ende nicht besser als Hitler und Hitler nicht besser als Assad und andere Diktatoren inclusive Merkels Freund aus der Türkei.
[...] Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
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