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03.01.2008

09:57 Uhr

Sechs Fragen an: Christian Wagner

„Atombombe schützt auch das Militär“

VonAndreas Rinke

„Es ist im Interesse des Westens, dass Pakistan einen möglichst glaubwürdigen Wahlgang erlebt“. Der Pakistan-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Christian Wagner, äußert sich im Handelsblatt-Interview über die aktuelle Lage in Pakistan, mögliche Konsequenzen der Wahl-Verschiebung und die Möglichkeiten der Einflussnahme des Westens.

Handelsblatt Die Parlamentswahlen sollen nun am 18. Februar stattfinden. Beruhigt dies die Lage in Pakistan?

Christian Wagner Das kommt auf die Oppositionsparteien an. Schließen sie sich wie angedroht gegen die Verschiebung der Wahl zusammen, könnte es zu neuen Demonstrationen kommen.

War die Verschiebung der Wahlen gerechtfertigt?

Nein. Die Regierungspartei spielt sicher auf Zeit, weil sie nach dem Mord an Benazir Bhutto mit starker Sympathie für deren Partei PPP rechnet und hofft, dass dies im Februar nicht mehr der Fall sein wird. In einigen Distrikten hätte zwar wegen der Unruhen tatsächlich nicht gewählt werden können. Aber dort wären Nachwahlen möglich gewesen.

Was soll der Westen jetzt tun?

Auf möglichst freie und faire Wahlen sowie Beobachter dringen. Es ist im Interesse des Westens, dass Pakistan einen möglichst glaubwürdigen Wahlgang erlebt.

Haben die USA und Europa denn überhaupt Druckmittel?

De facto gibt es nur wenige Druckmittel. Der Westen braucht das pakistanische Militär im Antiterrorkampf, etwa in Afghanistan. Deshalb liefern die USA weiter Waffen. Wirtschaftssanktionen drohen darüber hinaus genau die liberalere Mittelschicht in Pakistan zu treffen, auf die der Westen setzt.

Ist die westliche Strategie also gescheitert?

Der Westen kann sicher versuchen, mit der PPP enge Kontakte zu halten. An den inneren Machtkonstellationen in Pakistan und der Vorherrschaft der Militärs wird er aber nichts ändern.

Wie sehr wird das Kalkül von Pakistans Atomwaffe bestimmt?

Entscheidend. Neben dem Antiterrorkampf liegt hier das treibende Motiv. Es liegt auch in unserem strategischen Interesse, dass die Bomben sicher sind. Die Atombombe schützt also nicht nur das Land, sondern eine bestimmte Gruppe in Pakistan. Das Militär wird gebraucht und ist zugleich Bremsklotz für Reformen.

Christian Wagner ist Pakistan-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik.

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