Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.08.2015

08:57 Uhr

Sechs Monate nach Entführung

Französische Geisel im Jemen freigekommen

Die Französin Isabelle Prime ist wieder frei. Sie war vor einem halben Jahr in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verschleppt worden. Staatschef François Hollande bedankte sich bei den Beteiligten an Primes Rettung.

Nachdem die Französin Isabelle Prime und ihre Übersetzerin Sherine Makkaoui vor einem halben Jahr entführt wurden, protestierten viele für ihre Freilassung. AFP

Entführte Französin frei

Nachdem die Französin Isabelle Prime und ihre Übersetzerin Sherine Makkaoui vor einem halben Jahr entführt wurden, protestierten viele für ihre Freilassung.

ParisFast ein halbes Jahr nach ihrer Entführung im Jemen ist eine 30-jährige Französin freigekommen. Isabelle Prime habe in der Nacht zum Freitag die Freiheit wiedererlangt, teilte der Elysée-Palast in Paris mit. Sie war demnach Ende Februar in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verschleppt worden. Frankreichs Staatschef François Hollande äußerte sich erfreut über das Ende der Geiselnahme und dankte den Beteiligten, insbesondere dem Oman.

„Frankreich hat alle Mühen aufgewendet, um diesen glücklichen Ausgang zu erreichen“, hieß es in der Erklärung des Elysée-Palasts. Prime sei in französischer Obhut und solle noch in den nächsten Stunden die Heimreise nach Frankreich antreten. Wie genau die 30-Jährige freikam, wurde nicht mitgeteilt.

Staatschef Hollande bedankte sich in der Erklärung bei allen, die sich an Primes Rettung beteiligt hätten, insbesondere dem Sultan von Oman, Kaboos Ibn Said. Der Präsident teile „die Freude von Isabelles Familie, die viel Mut und Verantwortungsbewusstsein während dieser langen Wartezeit bewiesen“ habe, hieß es weiter.

Die aus Westfrankreich stammende Prime war 2013 in den Jemen gegangen und hatte dort im Rahmen eines Weltbank-Projekts für die US-Beratungsfirma Ayala Consulting gearbeitet, die auf soziale Projekte spezialisiert ist. Am 24. Februar wurde Prime auf dem Weg zur Arbeit in der Hauptstadt Sanaa gemeinsam mit ihrer jemenitischen Übersetzerin Scherine Makkaoui von Männern entführt, die sich als Polizisten verkleidet hatten. Makkaoui kam bereits im März im südjemenitischen Aden frei.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Anfang Juni war ein Video mit Prime im Internetportal YouTube veröffentlicht worden. In dem nur 21 Sekunden langen Film saß die Französin schwarz gekleidet auf dem Boden und wandte sich an Hollande und den jemenitischen Staatschef Abd Rabbo Mansur Hadi, sich für ihre Freilassung einzusetzen. Zur Identität ihrer Entführer wurde bislang nichts bekannt.

Im Jemen werden Ausländer sehr häufig Opfer von Entführungen. Meist werden sie von Stammesvertretern als Faustpfand im Konflikt mit der Regierung missbraucht. Die meisten Geiseln kommen schließlich unbeschadet frei, oftmals werden Lösegelder gezahlt.

Das arabische Land wird seit Monaten von einem bewaffneten Konflikt erschüttert. Truppen von Präsident Hadi kämpfen mit Unterstützung einer arabischen Militärkoalition gegen die schiitischen Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündeten Armeeeinheiten des früheren Präsidenten Ali Abdallah Saleh. Bislang wurden etwa 4000 Menschen getötet, etwa die Hälfte von ihnen Zivilisten.

Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen den Huthis und der Zentralregierung war im Januar eskaliert, als die Aufständischen aus dem Norden des Landes die Hauptstadt Sanaa eroberten. Als sie Ende März auf die südliche Hafenstadt Aden vorrückten, floh Hadi nach Saudi-Arabien und bat das Königreich um Hilfe.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×