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27.12.2013

19:56 Uhr

Sechs Tote

Anschlag auf Berater von Ex-Libanon-Premier

Der neuerliche Mord an einem anti-syrischen Oppositionspolitiker erschüttert den Libanon. Mohammed Schattah war ein prominenter Kritiker des Vormachtstrebens des großen Nachbarn Syrien.

Der Ort der Zerstörung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilten den Anschlag scharf. dpa

Der Ort der Zerstörung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilten den Anschlag scharf.

BeirutBei einem Bombenanschlag auf die libanesische Opposition sind am Freitag in der Hauptstadt Beirut mindestens sechs Menschen getötet worden. Rund 70 Menschen erlitten nach Angaben von Rettungsdiensten Verletzungen. Die Terrortat galt dem anti-syrischen früheren Finanzminister Mohammed Schattah, der unter den Todesopfern war, wie libanesische Medien berichteten. Die in einem Auto versteckte Sprengladung explodierte, als der Konvoi des engen Beraters von Ex-Regierungschef Saad Hariri vorbeifuhr. Der sunnitische Politiker war auf dem Weg zu einem Treffen von Gefolgsleuten Hariris.

Die gewaltige Explosion war fast in der ganzen Stadt zu hören. Die Druckwelle riss Spaziergänger im weiteren Umfeld zu Boden. Fernsehbilder zeigten ausgebrannte Fahrzeuge und Rettungsleute, die Verwundete bargen. Die Bombe riss Schattahs Fahrzeug in Stücke.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilten den Anschlag scharf. Hariri erklärte in einer Stellungnahme, das Attentat sei „eine klare terroristische Botschaft an alle gemäßigten und freiheitsliebenden Menschen“. „Er zielte darauf ab, den Libanon in unbekannte Gewässer zu manövrieren. Es stecken dieselben Leute dahinter, die Rafik Hariri ermordet haben.“ Hariris Vater Rafik, der insgesamt zehn Jahre an der Spitze der Regierung gestanden hatte, war 2005 bei einem Bombenanschlag getötet worden.

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Dutzende Menschen starben bei dem Selbstmordanschlag, über 160 wurden verletzt. Unter den Toten befinden sich zwei Deutsche. Die Verantwortung wird der Al-Kaida zugeschoben.

Der Anschlag auf Schattah erfolgte knapp drei Wochen vor dem geplanten Beginn des Prozesses gegen die mutmaßlichen Mörder von Rafik Hariri in Beirut. In dem Verfahren vor dem Sondergericht, das die Vereinten Nationen (UN) ins Leben gerufenen hatten, sind vier Funktionäre der pro-syrischen, schiitischen Hisbollah-Bewegung angeklagt. Gegen sie wird allerdings in Abwesenheit verhandelt werden, weil ihre Organisation sie schützt und nicht an das Tribunal ausliefert. Die Hisbollah verurteilte den Anschlag auf Schattah am Freitag als „niederträchtiges Verbrechen“.

Schattah war im Jahr 2008 Finanzminister. Er diente sowohl dem damaligen Ministerpräsidenten Saad Hariri als auch dessen Vorgänger Fuad Siniora als Berater für das Finanzwesen. Kurz vor seiner Ermordung hatte er über den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt: „Die Hisbollah macht starken Druck, um sich ähnliche Vollmachten in den Bereichen Sicherheit und Außenpolitik anzueignen, wie sie Syrien 15 Jahre lang im Libanon genossen hatte.“

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