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08.08.2015

15:58 Uhr

Selbstmordanschlag in Kabul

Terror erschüttert Afghanistan

Traurige Bilanz: Mindestens 50 Menschen mussten bei mehreren Selbstmordanschlägen in der afghanischen Hauptstadt Kabul am Freitag ihre Leben lassen. Nun wird klar: Auch ein Nato-Angehöriger ist unter den Opfern.

Schaubild der Verwüstung nach einem Anschlag in der Afghanischen Hauptstadt Kabul: In dem Wohngebiet sind mindestens 240 Menschen verletzt worden. Reuters

Zerstörung nach Anschlag

Schaubild der Verwüstung nach einem Anschlag in der Afghanischen Hauptstadt Kabul: In dem Wohngebiet sind mindestens 240 Menschen verletzt worden.

KabulBei der schwersten Anschlagswelle seit Jahren sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 50 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu den Selbstmordanschlägen am Freitagabend auf einen Stützpunkt amerikanischer Elitetruppen in der Nähe des Flughafens und eine Polizeiakademie, nicht aber zu einer früher gezündeten Lastwagenbombe.

Bei dem Angriff auf das US-Camp Integrity kamen nach Militärangaben vom Samstag ein ausländischer Soldat und acht afghanische Angestellte ums Leben. Die verheerende Anschlagswelle dämpfte Hoffnungen, die Taliban wären durch den Führungsstreit nach dem Tod ihres langjährigen Anführers Mullah Mohammad Omar geschwächt.

Die Explosion am Tor zu Camp Integrity war so stark, dass sie Büros im Inneren des Komplexes einstürzen ließ. Dabei wurden etliche Menschen verletzt. Hubschrauber flogen die Verwundeten in Militärkrankenhäuser.

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Die Nachricht vom Tod des Taliban-Führers Mullah Omar belastet die Friedensgespräche der Regierung mit den Extremisten. Diese wählen einen neuen Anführer. Eine Verhandlungsrunde mit Kabul wird verschoben.

„Es gab eine starke Explosion am Tor. Die Schüsse klangen, als kämen sie von zwei Seiten“, sagte ein Angehöriger der Elitetruppen, der beim Einsturz seines Büros verletzt wurde. Der ersten kräftigen Detonation seien weitere gefolgt, anschließend sei es zu einem Stunden andauernden Gefecht gekommen. Camp Integrity wird von der US-Sicherheitsfirma Academi betrieben, die früher unter dem Namen Blackwater bekannt war.

Deutsche Soldaten waren von den Anschlägen nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam nicht betroffen. Viele der Bundeswehr-Angehörigen in Kabul wohnten jedoch im Camp Kassaba, das direkt an den Stützpunkt der US-Spezialkräfte grenzt. In Camp Kassaba habe es einige kleinere Sachschäden gegeben. Derzeit sind 860 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz, rund 110 von ihnen in der afghanischen Hauptstadt.

Vor dem Angriff auf Camp Integrity war eine Polizeiakademie Ziel eines Selbstmordanschlags. Nach Angaben aus Polizeikreisen wurden dabei 26 Menschen getötet und 28 verletzt. Das afghanische Innenministerium sprach dagegen von mehr als 40 Toten und Verwundeten.

Konservative und Rechte: Wer sagt was zu Integration und Islam?

Debatten

Die Debatte um Zuwanderung, Asyl, Integration und den Islam in Deutschland wird immer schriller. Kleinster gemeinsamer Nenner ist die Ablehnung radikaler islamistischer Tendenzen. Die Grenze zwischen „Anti-Islamismus“ und Rassismus ist dabei aber oft nicht klar erkennbar. Einige Positionen dazu:

Quelle: dpa

Politischer Islam und Salafismus

- „Stoppt die Islamisierung Europas!“ lautet der zentrale Slogan der „Pegida“. Die Bewegung will nach Angaben der Organisatoren der Dresdner Demonstrationen „gewaltfrei und vereint gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden“ kämpfen.

- Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagt: „Wir haben keine Gefahr der Islamisierung.“

- Die AfD ist „zunehmend besorgt über den Einfluss und die Gewaltbereitschaft der Islamisten in Deutschland“.

Islam

- Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner und der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn fordern ein Burka-Verbot. In der Partei ist das umstritten. Spahn: „Burka geht gar nicht.“ Klöckner findet, es sei nicht akzeptabel, dass die Frauenverhüllung von linken Politikern als Ausdruck „kultureller Vielfalt“ verstanden werde.

- Bei der „Hogesa“ (Hooligans gegen Salafisten) heißt es plakativ: „Keine Scharia in Europa“.

- Die NPD behauptet: „Das sichtbarste Zeichen der ungebremsten Überfremdung unseres Landes ist die expansive Ausbreitung des Islam.“

Deutsche Identität

- Die Angst vor einem vermeintlichen Verlust der deutschen kulturellen Identität schürt vor allem die Bewegung „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ („Pegida“). Eine Rednerin sagte kürzlich bei einer Veranstaltung des Düsseldorfer Ablegers der Bewegung („Dügida“): „Heimat, Freiheit und Tradition“ sollten in Deutschland wieder wichtiger genommen werden. Es gehe darum, „die eigene Identität zu verteidigen“.

- Sachsens AfD-Fraktionschefin Frauke Petry fordert: „Mehr deutschsprachige Lieder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“.

Zuwanderung und Asyl

- FDP und AfD plädieren für das kanadische Modell: Einwandern sollen nur Fachleute aus Bereichen, in denen Arbeitskräfte fehlen. Der Familiennachzug wird eingeschränkt. Das Recht auf Asyl für politisch Verfolgte wird nicht angetastet. Die AfD favorisiert „heimatnahe“ Hilfe für Bürgerkriegsflüchtlinge.

- Die CDU/CSU fordert: „Bei Armutszuwanderung zügig handeln“.

- Die „Hogesa“ schürt vor allem Ängste in der bildungsfernen Unterschicht. In einem Lied heißt es wörtlich: „Alt, arm, obdachlos, einfach ausrangiert - doch für Fremde wird frisch renoviert.“

Integration

- Die CSU will Migranten, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, motivieren, im täglichen Leben Deutsch zu sprechen.

- Der neue Chef der Jungen Union, Paul Ziemak, erntete auf dem JU-Deutschlandtag Applaus für Sätze wie „Wer die Scharia mehr achtet - da hilft kein Integrationskurs, da hilft nur Gefängnis“.

„Der Selbstmordattentäter trug eine Polizeiuniform und zündete seinen Sprengstoff unter Polizeischülern, die gerade von einer Pause zurückkamen“, erklärten die Sicherheitskräfte. Bei der Explosion der Lastwagen-Bombe im Zentrum der Hauptstadt wurden mehr als 250 Menschen getötet oder verletzt.

In der Taliban-Führung herrscht Streit, seit Mullah Achtar Mansur vergangene Woche als Nachfolger von Mullah Omar ausgerufen wurde. Während es zunächst so aussah, als seien die Taliban zu einem Friedensprozess bereit, haben sie inzwischen die Fortsetzung ihres Aufstandes angekündigt.

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Ob der Islamische Staat, Al Quaida oder die Taliban – Terrorgruppen haben eine lukrative Einnahmequelle entdeckt: den Drogenhandel. Für die Länder, in denen die Suchtstoffe hergestellt werden, hat das fatale Folgen.

Die Anschlagswelle solle möglicherweise eine Botschaft an die militanten Extremisten im ganzen Land sowie die Regierung senden, sagte der Experte Thomas Ruttig vom Afghanistan Analysts Network. „Die Frage ist: Wer sendet die Botschaft?“ Vielleicht wollten auch Gegner Mansurs in den eigenen Reihen mit den Gewalttaten die Hoffnung auf einen Friedensprozess zunichte machen. „Einige Leute haben gehofft, dass der Tod Mullah Omars die Taliban schwächen wird“, sagte Ruttig. „Ich glaube, das war ein bisschen sehr optimistisch.“

In dem Konflikt in Afghanistan sind seit Jahresanfang nach UN-Angaben fast 5000 Zivilisten getötet worden. Die meisten ausländischen Soldaten waren mit dem Ende des Kampfeinsatzes der Nato-Truppe Isaf 2014 vom Hindukusch abgezogen.

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