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25.08.2014

16:32 Uhr

Selbstmordattentäter

Tote und Verletzte bei Anschlägen im Irak

Mehrere Selbstmordattentäter haben am Montag im Irak Dutzende Menschen getötet und verletzt. Der designierte irakische Regierungschef Al-Abadi bittet schiitische Milizen und Stämme, nicht mehr auf eigene Faust zu handeln.

Bei einem Selbstmordattentat in einer schiitischen Moschee in Bagdad starben nach Polizeiangaben 17 Menschen. dpa

Bei einem Selbstmordattentat in einer schiitischen Moschee in Bagdad starben nach Polizeiangaben 17 Menschen.

BagdadBei mehreren Selbstmordanschlägen im Irak sind mindestens 26 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. In Bagdad starben am Montag 17 Menschen, als sich im Osten der Stadt ein Selbstmordattentäter in einer schiitischen Moschee in die Luft sprengte. 40 Menschen seien verletzt worden, teilte die irakische Polizei mit. In der für Schiiten heiligen Stadt Kerbela 100 Kilometer südlich von Bagdad detonierten zwei Autobomben. Dort kamen laut Sicherheitskreisen acht Menschen ums Leben, zwölf wurden verletzt.

Auch in der Stadt Al-Hilla in der Nähe von Kerbela explodierten zwei Autobomben. Dabei seien ein Mensch getötet und 36 weitere verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die sunnitische Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hatte sich in der Vergangenheit wiederholt zu Attentaten bekannt. Erst am Wochenende hatten sich in der nordirakischen Stadt Kirkuk drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Mindestens 23 Menschen starben. Zwei der Attentäter sollen aus Deutschland stammen.

Von der Anschlagswelle wurde vor allem die schiitische Bevölkerungsmehrheit getroffen. Der designierte irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi rief die vielen schiitischen Milizen und Stämme auf, sich der staatlichen Autorität unterzuordnen und nicht mehr auf eigene Faust zu handeln - was von den Anschlägen offenbar hintertrieben werden sollte. Denn die schiitischen Milizen werden von den Sunniten als Bedrohung in den Gebieten angesehen, in denen beide Religionsgruppen siedeln.

Was leistet Deutschland im Irak - und was (noch) nicht?

Bis an die Grenze des Machbaren

Die Bundesregierung hat angekündigt, bei ihrer Hilfe für den Irak bis an die Grenze des politisch und juristisch Machbaren zu gehen. Was heißt das konkret?

Hilfszahlungen

Die Bundesregierung hat im Zuge der Krise 24,4 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung gestellt. 4,4 Millionen sind für dringende Maßnahmen wie den Bau von Unterkünften, die Trinkwasserversorgung und medizinische Hilfe vorgesehen. 20 Millionen stehen für längerfristige Infrastrukturprojekte bereit. Auch dabei geht es in erster Linie um Wasserversorgung.

Transport von Hilfsgütern

Die Bundeswehr hat am Freitag mit Hilfsflügen in die nordirakische Kurden-Hauptstadt Erbil begonnen. Fünf Transall-Flugzeuge starteten mit mehr als 35 Tonnen Lebensmitteln und Sanitätsmaterial.

Ausrüstung

Die Bundesregierung hat sich bereiterklärt, Rüstungsgüter wie Kleinlastwagen, Schutzwesten oder Helme aus Bundeswehrbeständen an die kurdischen Streitkräfte im Nordirak zu liefern. Beschlossen ist das aber noch nicht.

Waffen

Auch Waffenlieferungen schließt die Bundesregierung nicht grundsätzlich aus. Allerdings argumentiert sie, dass andere Länder dazu eher in der Lage seien, weil die Kurden mit Waffen aus der früheren Sowjetunion und den USA kämpften.

Bundeswehreinsatz im Irak

Einzelne Politiker haben die Unterstützung der US-Militäroperation im Irak durch die Bundeswehr gefordert – der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour zum Beispiel. Für die Bundesregierung ist das derzeit kein Thema. Die USA bekämpfen die Terrormiliz IS mit Luftangriffen.

Der scheidende Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte nach dem Vormarsch der Terrorgruppe Islamischer Staat schiitische Milizen zu Hilfe gerufen, zumal Teile des Heeres die Flucht ergriffen hatten. Auch eine Reihe sunnitischer Einheiten kämpft gegen die sunnitische Terrormiliz. Diese hat allerdings auch sunnitische Verbündete.

Der im Land umstrittene Al-Maliki hat sich nach langem Hin und Her bereit erklärt, auf seinen Posten zu verzichten. Al-Abadi hat bis zum 10. September Zeit, eine neue Regierung zu bilden. Er gab sich am Montag zuversichtlich, dass er die Frist einhalten kann. Die Gespräche mit den Parteien seien „konstruktiv und positiv“.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat nach den Worten von UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay Gräueltaten verübt, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit geahndet werden sollten. Pillay sagte am Montag in Genf, die Dschihadisten verübten „täglich schwere, schreckliche Menschenrechtsverletzungen“. Allein in Mossul seien 670 Gefangene umgebracht worden.

Pillay erklärte, zu den Verbrechen der Terrormiliz gehörten gezielte Tötungen, Entführungen, Versklavung, sexuelle Gewalt, Zerstörung von Orten religiöser und kultureller Bedeutung und die zwangsweise Bekehrung zu ihrer Version des Islams. „Sie gehen systematisch gegen Männer, Frauen und Kinder wegen ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit vor und treiben eine brutale und umfassende ethnische und religiöse Säuberung in den von ihr kontrollierten Gebieten voran“, sagte Pillay. In Ninive seien Hunderte von Jesiden umgebracht und 2500 entführt worden. In der Stadt Amerli würden seit dem 15. Juni 13 000 schiitische Turkmenen belagert.

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