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30.01.2011

12:18 Uhr

Sendelizenz entzogen

Ägypten verbietet Al Dschasira

Nach fünf Tagen Massendemonstrationen droht sich die Lage in Ägypten abermals zu verschärfen. Am Sonntag rückte die Armee in Teile der Touristenregion Scharm el Scheich am Roten Meer ein. Und die Bevölkerung soll nur noch gefilterte Informationen bekommen. Dafür ist der Regierung in Kairo jedes Mittel recht: der arabische Fernsehsender Al Dschasira wurde kurzerhand abgeschaltet.

HB KAIRO. Die ägyptischen Behörden haben am Sonntag das Büro des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira geschlossen. Der Sender musste daraufhin seine von den Behörden kritisierte Live-Berichterstattung von Brennpunkten der Proteste gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak einstellen. Reporter des Senders lieferten zunächst nur noch Telefonberichte, die der in Katar beheimatete Sender ausstrahlte.

Der Sender hatte zuletzt rund um die Uhr über die explosive Lage in Ägypten berichtet. Das ägyptische Informationsministerium entzog dem Sender am Sonntag die Akkreditierung für alle Redakteure und widerrief die Sendelizenz für das Kairoer Büro. Außerdem wurde die Verbindung zu dem ägyptischen Übertragungssatelliten Nilesat gekappt, so dass viele Zuschauer in Ägypten das Programm zunächst nicht mehr sehen konnten.

In einer Erklärung des Senders wurde die Entscheidung der ägyptischen Behörden als „Zensur der Stimme des ägyptischen Volkes“ scharf verurteilt. Die Berichterstattung über die Ereignisse in Ägypten würden dennoch fortgesetzt.

Die Behörden - aber auch ägyptische Zuschauer - werfen dem Sender vor, zu positiv über die Lage berichtet zu haben. So sei die Bedrohung durch Kriminelle zu Beginn weitgehend ausgeklammert worden. „Es ist doch klar zu erkennen, dass Al-Dschasira eine politische Agenda hat“, sagte eine ägyptische Journalistin am Sonntag.

Zuvor war die ägyptische Armee in Teile der Touristenregion Scharm el Scheich am Roten Meer eingerückt. Auch in Al-Arisch im Norden der Sinai-Halbinsel hätten Soldaten Stellung bezogen, berichteten Augenzeugen und Sicherheitskreise auf dem Sinai. Scharm el Scheich ist auch bei vielen deutschen Urlaubern beliebt.

Die Lage dort blieb am Wochenende weiter ruhig, während es in vielen ägyptischen Städten zu Demonstrationen gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak sowie Plünderungen und Gewalt kam.

Kommentare (4)

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norbert

30.01.2011, 14:17 Uhr

Was kann man von hier aus tun, um den Ägyptern zu helfen, daß der Mubarak verschwindet ?

Mo ham met

30.01.2011, 14:36 Uhr

[1] norbert,

Allah fragen!

widerstand10

30.01.2011, 14:55 Uhr

immer noch völlig unverständlich das Deutschland
die Urlauber in Sicherheit wiegt. Die Tourismuskohle hat Mubarak auch geholfen, sein Land zu unterdrücken. Wer von hier helfen will,der sollte es mal mit Selbstverbrennung versuchen.
Wenn die Aufstände für Freiheit erfolgreich sind, werden vielleicht eines tages Araber in Deutschland
Demokratie einfordern. Das wäre doch ulkig.

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