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25.01.2008

15:50 Uhr

Sepa

Banken mischen Karten im Zahlungsverkehr neu

VonNicole Bastian und Marietta Kurm-Engels

Mit dem Start des einheitlichen Zahlungsraums Sepa steht die gesamte europäische Bankenlandschaft im Zahlungsverkehr vor einer Konsolidierungswelle. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney spricht von einer "Umwälzung" in dem Segment, das mit geschätzten Einnahmen von 60 bis 70 Mrd. Euro in der EU rund ein Zehntel der gesamten Bankeinnahmen ausmache.

FRANKFURT. Da Unternehmen künftig alle europäischen Zahlungen von einem Konto aus erledigen können, erwarten Experten, dass Firmenkunden ihren Zahlungsverkehr bei wenigen Banken bündeln werden. Die hohen Kosten für die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf Sepa, dazu der jahrelange Parallelbetrieb der bisherigen nationalen Systeme wollen einige Banken nicht stemmen. Einzelne Kreditinstitute haben sich schon jetzt dazu entschieden, den Sepa-Zahlungsverkehr komplett auszulagern. "Der Konsolidierungsprozess hat in Teilen schon begonnen", meint Manfred Fleckenstein von Dresdner Kleinwort.

Der Sepa-Start ist für die bisher stark national ausgerichteten Zahlungsverkehrslandschaft auch der Auftakt für mehr Wettbewerb auf europäischer Ebene. Gewinnen werden die großen Spieler, die ihr Transaktionsvolumen weiter erhöhen, analysiert der jüngste "Weltzahlungsbericht" von Capgemini und ABN Amro. Um ein Topspieler in der Sepa-Welt zu sein, müsse eine Bank mindestens fünf Milliarden Euro bargeldlose Zahlungen im Jahr abwickeln. Sepa setzt somit in der Zahlungswelt einen gewaltigen Konzentrationsprozess in Gang, für den sich die Anbieter bereits in Stellung bringen. So hat etwa ABN Amro angekündigt, in Europa expandieren zu wollen.

Auch die deutsche Postbank, die hierzulande schon für andere Großbanken den Zahlungsverkehr für Privatkunden abwickelt, bringt sich in Stellung. Vorstandschef Wolfgang Klein sucht einen europäischen Partner für die Expansion seiner Zahlungsverkehrssparte. Auch die Sparkassen-Finanzgruppe, die Dresdner Bank und Equens, hervorgegangen aus der Fusion der niederländischen Interpay und dem Transaktionsinstitut (TAI) der genossenschaftlichen DZ Bank, sehen Sepa als Wachstumschance.

Die deutschen Banken argumentieren, sie seien im Zahlungsverkehr sehr effizient aufgestellt - und rechnen sich deshalb im europäischen Wettbewerb gute Chancen aus.

Der neue europäische Markt lockt auch ausländische Spieler. JP Morgan, nach eigenen Angaben der größte Zahlungsverkehrsanbieter in den USA, kündete in dieser Woche an: "Wir wollen auch ein führender Euro-Abwickler werden."

Dabei versprechen sich die Banken weniger von den Basisdienstleistungen im Massenzahlungsverkehr nennenswerte Erträge. Die Institute setzten vielmehr auf Zusatzleistungen, meint Thomas Meyer, Vorstandsvorsitzender der J.P. Morgan AG in Frankfurt. So sollen neue Dienstleistungen wie Cash-Management-Verfahren, Mandatsverwaltung oder Verknüpfungen mit anderen Währungen neue Gewinnquellen sein.

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